Kategorie: News

  • »Was verbinden Sie mit dem Harz?«

    »Was verbinden Sie mit dem Harz?«

    Großer Bahnhof in Bad Harzburg. 500 Unternehmer und Führungskräfte aus dem Bezirk der Industrie- und Handelskammer Braunschweig waren am 19. Juni 2025 an einen wunderschön gelegenen Ort gekommen. Dem einst ältesten Vollblutgestüt Deutschlands, in dessen Stallungen heute Events stattfinden. Wir nutzten die Gelegenheit zu einer Video-Umfrage, was die Gäste mit dem Harz verbinden und ob sie einen Lieblingsplatz im Harz haben. Dabei erhielten wir viele Hinweise auf bekannte und weniger bekannte Orte.

    Tobias Hoffmann betreibt ein Maschinenbauunternehmen in Lengede und ist Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig.
    Claudia Gorille, Freie Journlistin mit langjähriger NDR-Erfahrung.
    Jürgen Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank BRAWO und Vizepräsident der IHK.
    Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig.
    Andreas Schweiger, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Braunschweiger Zeitung.
    Britta Ziegfeld, Wirtschaftsredakteurin der Braunschweiger Zeitung.
    Dr. Angela Ittel, Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig.
    Dr. Klaus Schuberth führte die Brauerei Feldschlösschen und war Präsident der IHK Braunschweig.
    Dr. Wolf-Michael Schmid, Helmstedter Unternehmensgruppe Schmid und ehemaliger Präsident der IHK Braunschweig.
    Dr. Bernd Meier, ehemaliger Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig.
    Olaf Jaeschke betreibt in Braunschweig eine Galerie und ist Vizepräsident der IHK.
    Kurt Fromme führt in Ringelheim ein Landhandelsunternehmen und ist Vizepräsident der IHK.
    Gerd-Ulrich Hartmann war u.a. Direktor der legendären Bundeskonferenz der Wirtschaftsjunioren in Braunschweig.
    Manuela Schneider führt die Gutspension Hofschwichelt in Peine.
    Andreas Mier, Redakteur beim NDR-Studio Braunschweig.
    Dr. Hans-Rudolf Thieme hat Sport-Thieme in Grasleben über viele Jahre erfolgreich geprägt.
    Uwe Peeters, Vorsitzender des Presse-Clubs Braunschweig.
    Dr. Isabelle Thormann ist die einzige öbuv Sachverständige für forensische Linguistik in Deutschland.
    Professor Christoph Herrmann, Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der TU Braunschweig.
    Wie hat sich der Harz aus Eurer Sicht entwickelt? fragten wir (v.l.) Anja, Julius, Dirk und Manfred Junicke, die in Bad Harzburg und Braunschweig diverse Unternehmen betreiben und den IHK-Empfang unterstützt haben.
    Goslarer Power beim IHK-Empfang (v.l.): Sandra Bogisch, Wirtschaftsförderung, Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner und die Unternehmerin Silvia Lehrke, Dr. Hildebrandt und Buchholz.
  • Faszination Walpurgisnacht: Braucht der Harz eine Hexenschule?

    Faszination Walpurgisnacht: Braucht der Harz eine Hexenschule?

    Die Walpurgisnacht vom 30. April zum 1. Mai wird wieder viele in den Harz locken. Durch Hexen, Feuer und andere Rituale sollen böse Geister vertrieben und der Frühling eingeläutet werden. In Goethes »Faust« überredet Mephisto den Faust an einer Hexenfeier auf dem Brocken – dem Blocksberg – teilzunehmen. Dadurch wurde der Brocken als Hexenberg weltberühmt. Eine Frage ist bisher offen geblieben: »Braucht der Harz eine Hexenschule?«

    Es ist unglaublich, wie viele Frauen sich als moderne Hexen sehen und zum Mystischen hingezogen fühlen, selbst, wenn sie noch nicht die Kunst beherrschen, auf einem Besen zum Brocken zu fliegen. Allerdings pflegen viele eine enge Beziehung zur Natur und sind für »esoterische Praktiken« offen.

    Im späten Mittelalter hat man die heilenden Fähigkeiten der starken, sozial unangepassten Frauen dagegen kaum genutzt. Man unterstellte ihnen Zauberei und denunzierte sie. Viele landeten auf dem Scheiterhaufen, dabei hätte man von ihnen einiges lernen können.

    Hohex Harzhexe
    Eine Hohex Harzhexe des 1995 verstorbenen Puppenbauers Hans-Jürgen Hollwedel. Er hat bis Mitte der 90er Jahre unter der Marke Hohex-Handarbeit in Herzog-Juliushütte bei Goslar Hexen und auch Teufel hergestellt und über 30 Jahre mit seinem kunstgewerblich tätigen Familienbetrieb seine Harzhexen in die ganze Welt verschickt. (Illustration: Heinz-Helmut Heidenbluth).

    Wie müsste nun ein Lehrplan für eine Hexenschule im Harz aussehen?

    1. Die Wiederentdeckung der Magie der Heilkräuter

    Während die Mönche für ihr großes Wissen über Heilpflanzen bewundert wurden, unterstellte man den Hexen Zauberei, weil sie zurückgezogen im Wald lebten und sich mit den Pflanzen unterhielten. Dieses Wissen ist teilweise in Vergessenheit geraten, auch, dass die Heilkräuter viele Kranke wieder vollständig gesund gemacht und die Lebenskraft bis ins hohe Alter unterstützt haben.

    Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen heute, dass Kräuter nicht nur auf Licht, Feuchtigkeit, den Mineralstoffgehalt der Erde und benachbarte Pflanzen reagieren, sondern auch auf erdmagnetische Kräfte und überraschenderweise auch auf Gedanken, auf Liebe und Hass, auch wenn viele das als abergläubisch abtun.

    Es gibt alte Berichte aus einer Zeit, in der man intensiver und sensibler mit der Natur zusammenlebte und dabei Überraschendes feststellte: Nicht nur die Sonne und der Mond haben auf die Heilkräuter Einfluss, auch bestimmte Planetenkonstellationen oder die Zeit der Ernte (am Morgen, des Nachts). Moderne Hexen sollten sich dieses Wissen aneignen und herausfinden, welche Wunder diese magischen Pflanzen vollbringen können. Ob es zum Beispiel wirklich stimmt, dass man Heilkräuter nicht mit der bloßen Hand, sondern am besten mit einem Kupferwerkzeug ernten sollte.

    [su_box title=“Die Tragik der Hexen“ style=“noise“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox–floatRight“]Die Hexen wussten angeblich wie man böse Geister und negative Energien vertreibt und die Heilkräfte der Kräuter und des Mondes nutzt. Durch ihre enge Verbindung zur Natur sollen sie auch eine Verbindung zu Feen, Elfen und Kobolden gehabt haben. Für ihre soziale Unangepasstheit zahlten sie einen hohen Preis. Man unterstellte ihnen Zauberei und okkulte Kräfte. Heute werden Hexen zuweilen als Symbole der Frauenunterdrückung herausgestellt.[/su_box]

    2. Die Wiederentdeckung der Magie des Mondes

    Sind die Kräfte des Mondes nun Aberglaube wie die Wissenschaft behauptet oder hat Paracelsus recht, der bereits im 16. Jahrhundert davon ausging, dass der Mond die Hirn- und Nervenströme verändert, vor allem bei empfindsam reagierenden Menschen. Immerhin ist der Mond auch an Ebbe und Flut beteiligt.

    Was, wenn die unangepassten sogenannten Hexen der damaligen Zeit einen Weg gefunden haben, die Heilkräfte des Mondes zu nutzen. Gibt es nicht doch dieses berühmte Fünkchen Wahrheit? Wer die esoterischen Abteilungen von Buchhandlungen besucht, weiß, dass der Mythos »Mond« lebt, genauso wie der Glaube vieler Menschen an die Sternzeichen. Manche richten sich beim Pflanzen etwa von Gemüse oder anderen Tätigkeiten nach dem Mondkalender.

    Altes Wissen wieder nutzbar zu machen, gehörte auf jeden Fall in den Lehrplan einer Harzer Hexenschule. Vielleicht hat der Mond ja wirklich magische Kräfte.

    3. Hexen lieben die Natur

    Wir bewundern Menschen, die einen grünen Daumen haben, weil die Pflanzen bei ihnen so gut gedeihen. Aber warum ist das so? Weil diese Menschen Respekt und große Sympathie für die Natur haben und wissen, wie wichtig es ist, mit der Natur zusammenzuarbeiten.

    Hexen hatten vermutlich auch einen Zugang in eine andere Welt, in die der Naturgeister. Den Feen, die für die Blumen da sind, den Elfen, die die Bäume unterstützen und den Kobolden, die sich um die Böden kümmern. Hexen wählten die Einsamkeit des Waldes ganz bewusst. Im hektischen Treiben einer Stadt wäre die Verbindung zu den Naturgeistern unmöglich gewesen.

    In einer Hexenschule lernt man, entsprechende spirituelle Praktiken wie Gebete, Meditation, Visualisierungen, Mantras usw. Und vor allem lernt man, dass es auf die Tiefe der Konzentration ankommt.

    Text und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    Eine Email von der Insel Sylt

    Der Artikel über die Hexen erinnerte mich an einen Kollegen, der sich am Mittagstisch mehrfach darüber ereiferte, dass der Harz mit so einer überkommenen Figur Werbung macht…

    Aber offenkundig sind die Hexen heute auch jünger und attraktiver geworden… Nicht mehr mit so komischen Nasen, zerknittertem Gesicht und altmodischem Kopftuch.

    Die Sache mit dem Mond spukt immer noch in vielen Köpfen herum: Lanserhof Sylt bietet in Voll- und Neumondnächten Feuerrituale an: die Teilnehmer schreiben ihre Krankheiten sowie private und geschäftliche Sorgen auf Zettel, die dann, begleitet von Zaubersprüchen, in einer Feuerschale verbrannt werden… Das Mittelalter kehrt langsam zurück – ich hoffe, ohne Hexenverbrennungen.

    B.M. (Name der Redaktion bekannt)

  • Die Stärken des Harzes – eine aktuelle Analyse

    Die Stärken des Harzes – eine aktuelle Analyse

    Mit dem Bergbau fing im Harz alles an. Die Silberproduktion war teilweise die größte in Europa. Erze wurden im Mittelalter sogar nach Moskau und London exportiert. Dann kamen die Bergbaufolge-Betriebe, darunter chemische Großunternehmen, die nach wie vor eine bedeutende Rolle spielen. Zudem blühte der Tourismus auf. So haben weit über die Hälfte aller Beherbergungsbetriebe des IHK-Bezirks Braunschweig heute ihren Sitz im Landkreis Goslar.

    Neben Silber fand man im Harz auch Blei, Zink, Gold und Kupfer so reichlich wie sonst an kaum einem Ort auf der Welt. Bis zum 16. Jahrhundert entstanden durch den Bergbau im Westharz mehr als 30 Orte. Bereits 1533 waren allein in St. Andreasberg 116 Gruben in Betrieb. Ein wichtiger Meilenstein war 1775 die Gründung der späteren Bergakademie und heutigen Technischen Universität Clausthal, die nach wie vor Bergbau- und Metallurgie-Ingenieure ausbildet und ein wichtiger Faktor für die wissenschaftliche und technologische Entwicklung der Region ist. Bei chinesischen Studenten ist die TU Clausthal sehr beliebt und gehört bei ihnen zu den ABC-Universitäten »Aachen, Berlin, Clausthal«.

    »Steht der Bergbau im Harz vor einer Renaissance?«

    Das Nationalpark-Denkmal am Torfhaus: Blöcke mit den drei Harzgesteinen von höchster Qualität – Diabas, Gabbro und Granit.

    Der Harzer Bergbau befindet sich derzeit im Dornröschenschlaf, aber es gibt Hinweise, dass hier noch großes Potential vorhanden ist. Die Lager-stätten von Wolfram, Zinn und anderen Metallen könnten in Zukunft wieder von Bedeutung sein. Die Rohstoffknappheit und explodierende Preise machen so manche unrentable Grube wie den Goslarer Rammelsberg wieder interessant. Die Wieder-aufnahme des Bergbaus würde jedoch mit Umweltauswirkungen und Konflikten verbunden sein und bedarf einer sorgfältigen Abwägung. Ein weiteres Zukunftsthema ist das Recycling wirtschafts-strategischer Metalle. Im übrigen gilt der Harz mit seinem Vorland als bedeutende Bezugsquelle für mineralische Rohstoffe sowie Kies und Sand.

    »Moderne Hotels und Resorts«

    Als wichtiger Wirtschaftszweig hat der Tourismus den Bergbau abgelöst. Wandern, Radfahren, Wintersport und Kultur – der Harz ist eine Eldorado an Freizeitmöglichkeiten mit modernen Hotels und Resorts. So haben sich die Brockenbahn und das in Europa einmalige System der Harzer Schmalspur-bahnen zu einem Publikumsmagneten ohnegleichen entwickelt. In Wernigerode gibt es seit einem Jahr sogar eine »Gläserne Dampflok-Werkstatt«.

    In St. Andreasberg kann man ein historisches Bergwerk, die Grube Samson, erkunden, mit der letzten funktionstüchtigen Fahrkunst der Welt. Ungemein sehenswert und fotogen ist auch die »Hochzeits-kirche« in Hahnenklee, eine norwegische Stabkirche komplett aus Holz. Sie erinnert an die Bauweise der Wikingerschiffe.

    Originelle Idee in Bad Harzburg: Eine Köhlerhütte als Eingang zur Tourist Info.

    Wer Städtetouren liebt und einen Blick für den mittelalterlichen Charme hat, findet am Nordharzrand Traumstädte wie auf einer Perlenschnur: Ilsenburg, Wernigerode, Halberstadt, Blankenburg und Thale. Zusammen mit Bad Harzburg und Goslar bilden sie ein einzigartiges Städteensemble. Alle wichtigen Reichstage von 1000 bis 1250 fanden im Harz statt.

    Goethe, Deutschlands bekanntester Dichter, machte den Brocken, auch Blocksberg genannt, als Hexenberg weltberühmt, indem er die Erfahrungen seiner Harzreisen im »Faust I« in der Walpurgisnacht-szene verarbeitete. So erhob er den Brocken zum Sehnsuchtsziel für Romantiker. Und über die ebenfalls sagenumwobene und wilde Teufelsmauer bei Blankenburg hat Hans Christian Andersen einst gesagt »Der Teufel hat Geschmack«.

    »Schlösser und Harzer Hütten«

    Es gibt unendlich viele Wander-Highlights im Harz, nicht nur die insgesamt 40 Bergbauden, Hütten und Waldgaststätten, sondern eine stattliche Zahl an Schlössern, Burgen und Burgruinen, darunter die Schlösser in Wernigerode, Blankenburg und Stolberg, der Wiege des niederländischen Königshauses. Nicht zu vergessen die Kaiserpfalz in Goslar und die Burg Falkenstein.

    »Hotspot im Harz und andere Attraktionen«

    Der Höhenluft- und Wintersportort Torfhaus hat sich zu einer Hochburg des Harztourismus entwickelt. Vom Torfhaus, mit 811 Metern einer der höchsten Harzgipfel, genießt man bei klarer Sicht zu jeder Jahreszeit ein eindrucksvolles Panorama, da der Brocken nur rund fünf Kilometer Luftlinie entfernt ist. Die Teilung Deutschlands war bis zur Grenzöffnung gerade hier hautnah zu spüren.

    In den letzten Jahren sind für das erlebnishungrige Publikum einige Attraktionen hinzugekommen: Die längste Seilhängebrücke der Welt über die Rappbodetalsperre, Deutschlands größte Westernstadt Pullman City sowie der Baumwipfelpfad und die BaumSchwebeBahn in Bad Harzburg. Und dann ist da noch das 2200 Kilometer lange Mountainbike-Wegenetz mit 74 Strecken.

    »Erhebliche Herausforderungen«

    Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die Wiederansiedlung des Luchses. Im Harz leben heute rund 90 Pinselohren, dass sind annähernd die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Tiere.

    Unübersehbar sind im Harz die erheblichen Umweltprobleme, die teilweise regelrecht verstörend sind. Im Besonderen schnell wachsende Fichtenmonokulturen haben nach trockenen Jahren zu einem zum Teil großflächigen Absterben der Bäume durch den Borkenkäfer geführt. Bis eine Wiederaufforstung mit Laubmischwäldern, die widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen sind, den Harz wieder ergrünen lassen, werden Jahrzehnte vergehen.

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    Durch den Bergbau und die Eisenhütte entwickelte sich Zorge im Südharz 1570 zum wichtigsten Industriestandort des Herzogtums Braunschweig. Der Glockenturm wird überall im 4,5 Kilometer langen Ort gehört. An seinem Glockenschlag orientierten sich früher die Bergleute.

    Dieser Artikel erschien auch im Magazin Stadtglanz:

  • Gerd Winners dynamischer Blick auf Goslar

    Gerd Winners dynamischer Blick auf Goslar

    Großstädte wie New York, London, Paris und Berlin stehen in seinen Werken eindeutig im Vordergrund. Hier findet Gerd Winner »die Reibung« und die Inspirationen für seine Arbeit. Sein Rückzugsort, wo er an seinen Bildern in Ruhe weiterarbeiten konnte, blieb über vier Jahrzehnte das Barockschloss in Liebenburg, wenige Kilometer von Goslar. Mit der mittelalterlichen Fachwerkstadt hat sich der heute 84-Jährige zwar 40 Jahre lang beschäftigt, eine »bildnerische Umsetzung« gab es mit Ausnahme der industriellen Strukturen des Rammelsberges aber bisher nicht. Dies hat er nun mit 17 Bildern der eindrucksvollen historischen Gebäude Goslars nachgeholt. Sie sollten eigentlich neben 30 seiner Hauptwerke noch bis zum 3. Mai im Goslarer Mönchehaus Museum zu sehen sein, das aber wegen des Corona-Virus vorerst noch geschlossen ist.

    Die Teilnehmer einer Pressekonferenz erlebten Anfang Februar im Mönchehaus Museum einen Gerd Winner, der nicht nur über die vielen, akribisch geplanten Arbeitsschritte bis zu einem fertigen Bild berichtete, sondern auch anhand von kleinen Anekdoten Einblicke in seine Schaffenszeit gab.

    Mit den geschichtsträchtigen Gebäuden Goslars befasst sich Winner bereits seit vier Jahrzehnten. Viele Inspirationen erhielt er dabei von Professor Reinhard Roseneck, der 1988 den Plan verfolgte, den Rammelsberg und die Stadt Goslar ins Weltkulturerbe zu bringen. Aus dieser Zeit gab es erste »fotografische Skizzen« – wie Gerd Winner es nennt – aber noch keine bildnerische Umsetzung.

    Gerd Winners typische Bildsprache

    Mit 17 und 18 war Gerd Winner zweimal in Paris. »Das war die Initialzündung für meinen Weg in die Kunst«, berichtet er.

    Ausgangspunkt und Grundlage seiner Arbeiten ist immer die künstlerische Idee, häufig als Folge von vorangegangenen Projekten. Eigentlich werden diese Ideen mit Zeichnungen der Realität erarbeitet, was aber in den Zentren der Großstädte durch die vielen Passanten nahezu unmöglich ist. So griff Gerd Winner zu einem Hilfsmittel für die Umsetzung seiner im Kopf bereits fertigen Ideen und machte mit einer Kamera Schwarz-Weiß-Aufnahmen als einfache Vorlage für den künstlerischen Arbeitsprozess.

    Zwei Perspektiven in einem Bild: der Eiffelturm in Paris (2015).

    Daneben arbeitete er in einer späteren Arbeitsphase beim Fotografieren auch gern mit Doppelbelichtungen, bei denen sich zwei verschiedene Perspektiven – beispielsweise eines Bauwerks wie dem Eiffelturm – überlagern.

    Das eigentliche Ausdrucksmittel von Gerd Winner ist aber die Farbe. Im Atelier werden die reizvollen Besonderheiten der Architektur durch ausgefeilte Farb- und Drucktechniken hervorgehoben. Winner: »Aus fünf bis neun Farben können 30 verschiedene Nuancen entstehen, die durch viele Arbeitsgänge im Siebdruckverfahren und mit Hilfe von Schablonentechniken behutsam aufgetragen werden.«

    »Slow« – fast wie eine Metapher auf das Leben

    »Slow«, die älteste Arbeit der Ausstellung ist 1970 in London entstanden und gleichsam ein Schlüsselbild für das Werk Gerd Winners. Das Trostlose, ja Bedrohliche, einer Straßenschlucht, die ins Nirgendwo führt, hat Winner durch diffuse, dunkle Farben hervorgehoben. Die Warnung »Slow« – in gelber Schrift auf der Fahrbahn – wirkt dabei fast wie eine Metapher auf das Leben und dessen Entschleunigung. Als Aufforderung zum Innehalten und Nachdenken. Als Ausdruck für Beschränkung und Konzentration. Winner: »Slow ist heute wieder hochaktuell.« So wie Anfang der 1970er Jahre als das Bild in England sehr populär war und sogar in die Schulbücher aufgenommen wurde.

    Im grellen Gegensatz dazu, die überdimensionierte Leuchtreklame in Manhattan, deren Vordergründigkeit und Aufdringlichkeit arbeitete Winner mit einer eigenständigen Formensprache in seinem »Times-Square«-Zyklus von 1987/88 heraus.

    »We know you!«, sagte der New Yorker Polizist

    »Wie schaffen Sie es, die Gebäude und Plätze ohne Menschen zu fotografieren?«, wird Gerd Winner immer wieder gefragt. Dann verweist er auf ungewöhnliche Arbeitszeiten: »An einem Sonnabend morgen um 6.00 Uhr finden Sie im Juni, wenn es bereits hell genug ist zum Fotografieren, keine Menschen am Times Square.«

    An eine Anekdote aus den 1970er Jahren erinnert sich Gerd Winner besonders gern: Diesmal war es am Times Square bereits 0.30 Uhr. Er war fasziniert und geradezu euphorisiert vom Lichtspiel der Camel- und Coca-Cola-Reklame, als neben ihm ein »Riesen-Cop« stand und mit den Worten »I can´t do anything for you anymore« auf die Schulter tippte.
    »Entschuldigung?«, antwortete Winner nachdem er zusammengezuckt war. Darauf der Polizist: »Go to your hotel.« Dann versuchte Gerd Winner immer wieder, ihm klarzumachen, dass er ja bereits die ganze Woche hier fotografiert habe. »We know you!«, entgegnete der Polizist zum großen Erstaunen von Winner. Er konnte nicht fassen, dass so etwas in New York aufgrund der Menschenmassen möglich war und fand es sehr sympathisch, dass die Polizisten ihn offensichtlich im Blick behalten hatten. Da sein Hotel mitten im Melting Pot lag, hörte er nachts um 3.00 Uhr tatsächlich mehrmals Schüsse und verstand die Sorge des Polizisten.

    »Wunderbare Rolleiflex«

    Gerd Winner, der von 1975 bis 2002 in München als Professor den Lehrstuhl für Malerei und Graphik an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste innehatte, arbeitet nicht nur auf Leinwand, sondern mit vielen anderen Materialien wie Aluminium, Holz, Stahl und Edelstahl.
    Für die Schwarz-Weiß-Aufnahmen als Grundlage seiner Werke nutzte Winner die »wunderbare« Braunschweiger Kamera Rolleiflex. Und wie fotografiert er heute? »Leider digital!«

    Von der Nachkriegszeit geprägt

    Visuell sehr geprägt hat den 1936 geborenen Winner die Nachkriegszeit. Seine Geburtsstadt Braunschweig – ebenfalls eine Fachwerkstadt wie Goslar – lag in Trümmern.

    Gerd Winner sieht Goslar als eine Art Rückblende auf seine Heimatstadt Braunschweig.

    Auch Berlin, wo er 1956 als 19-Jähriger sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste aufnahm, war vom Straßenkampf des Zweiten Weltkriegs noch schwer gezeichnet. Winner: »Am Kuhdamm gab es nur im Erdgeschoss noch Geschäfte und die Menschen am Lauendorfplatz, auf meinem Weg zur Akademie, lebten im Keller. Noch stärker war Ostberlin betroffen.«

    Bis zum Bau der Mauer 1961 habe es zwischen dem Osten und dem Westen Berlins einen regen kulturellen Austausch gegeben, der im Besonderen die Kunstszene sehr geprägt habe. »Inszenierungen Bertold Brechts im Schiffbauerdamm-Theater waren wichtige Impulse, genauso wie das Pergamonmuseum und die anderen großen Museen sowie die Oper.«

    Wie es zum Standort Liebenburg kam

    Es klinge in der heutigen Zeit etwas merkwürdig, so Gerd Winner, aber die Entscheidung für Liebenburg sei eine Folge des Kalten Krieges. Er habe zwar auch in London gearbeitet, aber sein künstlerischer Schwerpunkt sei damals Berlin gewesen. »Das heißt, alle Arbeiten, die ich für Ausstellungen und Kunden in der Bundesrepublik vorbereitet habe, wurden mit dem Käfer mittels ausgebautem Beifahrersitz in den Westen transportiert.«

    Dies sorgte bei den Grenzkontrollen für einen Disput mit den Volkspolizisten. Sie gingen natürlich davon aus, dass die Arbeiten auch verkäuflich waren und zwangen Gerd Winner, künftig mit Warenbegleitschein zu fahren. Die Folge: Er musste sich nun in die Abfertigungsspur für Lkw´s einreihen, wo man mit stunden- manchmal tagelangen Wartezeiten rechnen musste.

    Auf der Suche nach einer Dependance im Westen betrieb Winner zunächst Atelierräume an wechselnden Standorten in Braunschweig, bis ihn der Hahndorfer Unternehmer und Kunstsammler Heinrich Feldhege auf das Barockschloss an der Stelle der ehemaligen Liebenburg aufmerksam machte, das – wie Winner rückblickend sagte – in einem furchtbaren Zustand war. Nach umfangreichen Bauarbeiten zog er 1972 ein.

    Wenn Gerd Winner mit Skizzenbuch und Kamera von morgens bis abends 12 Tage in Tokio oder 10 Tage in New York unterwegs war und die überwältigenden Eindrücke aufgesogen hatte, musste er anschließend zum »recovern« aufs Land nach Liebenburg oder zu Freunden. Dank seines exzellenten Formen- und Farbgedächtnisses war die Arbeit in seinem Kopf bereits fertig.

    Winner, der um seine Kunst kein geheimnis-umwittertes Aufheben macht, beendete die Pressekonferenz in seiner offenen und gleichzeitig zurückhaltenden Art mit den Worten: »So jetzt wisst Ihr Bescheid und könnt alles selber machen.«

    Text, Bilder, Videos und Gestaltung: Michael Hotop und Jochen Hotop

    »Was fasziniert Sie an den Bildern von Gerd Winner ganz besonders?«, fragen wir Dr. Bettina Ruhrberg, Direktorin des Mönchehaus Museums Goslar.

  • Trügerische Verlockungen

    Trügerische Verlockungen

    Für Kurzentschlossene: Noch bis zum 26. Januar 2020 ist in Goslarer Mönchehaus-Museum eine ungewöhnliche Ausstellung der US-Amerikanerin Barbara Kruger zu sehen, der »Meisterin der Textnachricht«, die es versteht, ihre Botschaften zur Lage des menschlichen Egos irritierend simple und deshalb treffend auf den Punkt zu bringen, wie es der Spiegel formuliert. »Ich kaufe, also bin ich (I shop therefore I am)«, aus 1984 ist eine ihrer bekanntesten Arbeiten.

    Barbara Kruger ist die Kaiserringträgerin 2019. »Ihre Arbeiten decken die trügerischen Verlockungen der Massenmedien und er Werbeindustrie auf«, heißt es in der Begründung der Jury, »ihre Bild- und Text-Botschaften, die sie nicht nur in Museen, sondern auch auf Hauswänden, Bussen und Reklametafeln präsentiert, nutzen die bildnerischen und psychologischen Strategien der Werbung. Die Künstlerin übernimmt deren Gestaltungsmittel und verführerische Wortwahl, um sie zu unterwandern und zu entlarven.« Ihr Thema seien die komplexen Zusammenhänge zwischen Macht und Gesellschaft. »Ich will, dass meine arbeiten einen visuellen Beitrag zu den Diskussionen liefern, die bestimmen, wie wir leben«, sagt Barbara Kruger.

    Bevor sie ihr Weg in die Kunst führte, war die ausgebildete Grafikerin als Bildredakteurin für die Modezeitschrift »Mademoiselle«, den »Esquire« und das Magazin »House and Garden« tätig.

    Der diesjährige Preisträger steht bereits fest: Am 26. September wird der international bekannte Konzeptkünstler Hans Haacke den Kaiserring entgegennehmen. Haacke wurde kürzlich vom Kunstmagazin »Monopol« zur einflussreichsten Persönlichkeit der Kunstwelt 2019 gekürt.

    Text, Bilder und Gestaltung: Michael und Jochen Hotop

     

  • Umfangreicher Bericht im Magazin Stadtglanz

    Umfangreicher Bericht im Magazin Stadtglanz

    Das Magazin Stadtglanz, das überwiegend Berichte aus der Region Braunschweig/Wolfsburg veröffentlicht, aber auch über den Harz berichtet, widmet der neuen Internetseite Harz-Beat vier Seiten. Dabei werden die Highlights von Harz-Beat auf außergewöhnlich gestalteten Seiten vorgestellt.

    Zum Magazin

  • Goslar: Ausstellung von Kaiserring-Preisträger Wolfgang Tillmans

    Goslar: Ausstellung von Kaiserring-Preisträger Wolfgang Tillmans

    Das Mönchehaus-Museum in Goslar zeigt noch bis 27. Januar 2019 eine Ausstellung von Wolfgang Tillmans, der Ende September mit dem Goslarer Kaiserring ausgezeichnet wurde.

    »Ungewöhnlicher Ausstellungsort«

    Der deutsche Künstler, der heute in London und Berlin lebt, genießt international einen ausgezeichneten Ruf. Im Mönchehaus-Museum, einem 500 Jahre alten Fachwerkhaus, zeigt Tillmans eine Auswahl seiner Kunst der letzten Jahrzehnte.

    Der 50-Jährige experimentiert mit den verschiedensten fotografischen Ausdrucksformen, darunter Stillleben, Portraits, Landschafts- und Himmelsaufnahmen, aber auch mit besonderen Kopiertechniken und Präsentationsformen. Seine Vielseitigkeit stellt er darüber hinaus durch eigene Publikationen sowie Videos und Musikproduktionen unter Beweis.

    In einer Zeit zunehmender Komplexität und Polarisierungen versucht Tillmans mit seinen Arbeiten nicht nur die besonderen Momente festzuhalten, sondern auch Gegensätze und Widersprüche aufzuzeigen. Angetrieben werde er nach den Worten der international besetzten Kaiserring-Jury von den großen Fragen nach der Wahrheit, nach Erkenntnisgewinnung, nach Schönheit, nach Freundschaft, nach Freiheit…

    »Poesie und Ernüchterung«

    Es gehe ihm dabei um das Ausloten der Grenzen von Fotografie sowie das Austarieren zwischen Poesie und Ernüchterung. Auf seinen zahlreichen Reisen habe er die vielfältigen Erscheinungen unserer globalisierten Welt und die Einzigartigkeit der Orte festgehalten.

    Tillmans künstlerisches Werk ist in großen Ausstellungen weltweit gewürdigt worden – zuletzt in der Londoner Tate Modern. Die Freude über die Verleihung des Kaiserrings, eines der renommiertesten Kunstpreise der Gegenwart, ist bei Wolfgang Tillmans umso größer als er die Geschichte des Kaiserrings jahrzehntelang aufmerksam verfolgt und dabei durchaus darauf gehofft hat, irgendwann selbst zu den Preisträgern zu gehören.

    »Die Wahrheit und das Leben ertragen«

    Zu seiner Bildsprache hat Wolfgang Tillmans in einem Interview gesagt: »Ich habe immer das Anliegen, (…) andere Leute zu ermutigen, ihren Augen zu trauen und die Wahrheit oder das Leben zu ertragen.« Er ist der 43. Kaiserring-Preisträger unter denen so klingende Namen wie Olafur Eliasson, Jörg Immendorf, Sigmar Polke, Cindy Sherman, Christo und Josef Beuys zu finden sind.

    »Plakattaktion gegen den Brexit«

    Tillmans wurde in Remscheid geboren und im Jahr 2000 als erstem Fotografen und nichtbritischem Künstler der Turner Prize verliehen. Seit 2013 ist er Mitglied der Royal Academy of Arts. Wolfgang Tillmans versteht sich durchaus auch als politischer Mensch. So hat er sich zum Beispiel mit einer groß-angelegten Plakattaktion gegen den Brexit gewendet. Dem Spiegel sagte er, es sei wichtig, sich in Europa darauf zu besinnen, was uns zusammenhält, nicht was uns trennt.. Tillmans: »Wir müssen wach bleiben, nicht das Klischee im Anderen zu sehen.« Freiheiten, Werte und Rechte seien nicht selbstverständlich. »Sie werden angegriffen. Man muss sie verteidigen.«

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    [su_box title=“Tillmans im Pariser Centre Pompidou“ style=“noise“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“]

    Im Juni 2025 ist Wolfgang Tillmans auf 6.000 Quadratmetern im Pariser Centre Pompidou zu sehen. Diese Ausstellung sei »spektakulär groß«, schreibt der Spiegel (Nr. 19 vom 3. Mai) über den Goslarer Kaiserring-Preisträger, der vom »Time«-Magazin zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt wird.

    Unter seinen vielen Werken ist auch die Fotografie »Kate Moss« aus dem Jahre 1996 zu sehen. Die »Vogue«- Chefin Anna Wintours sei auf ihn zugekommen, sagte Tillmans im Spiegel-Interview. »Sie wollte, dass ich etwas für sie fotografiere und fragte, worauf ich Lust hätte. Ich meinte spontan: Kate Moss, die schönste Frau der Welt. Meine Bedingung war, dass ich keine typischen Modebilder schaffen und es auf meinem ästhetischen Terrain stattfinden mußte… …und so haben wir aus der Situation heraus etwas mit ihr und ihrem irren Talent gemacht.«

    Zu dem Bild, dass Kate Moss mit Erdbeeren und Kartoffeln zeigt, meinte Tillmans, er liebe das Absurde und den Spaß, auch wenn das in Besprechungen seiner Ausstellungen selten erwähnt werde. Albernheit sei manchmal eine angemessene Reaktion auf eine verquere Welt.[/su_box]

    Mönchehaus-Impressionen