Anziehungspunkte

Die Kirche der Wikinger im Harz

Sie ist immer noch beliebt als »Hochzeitskirche« für nah und fern. Wer einmal dort war, kann das gut verstehen. Die norwegische Stabkirche in Hahnenklee im Harz ist komplett aus Holz mit vielen wundersamen, zum Teil heidnischen Verzierungen. Wie alle 30 in Norwegen noch erhaltenen Stabkirchen, erinnert auch sie an die Bauweise der Wikingerschiffe.

Stabkirchen wurden in Skandinavien vor allem im 12. und 13. Jahrhundert in der Übergangszeit von der heidnischen Religion zum Christentum errichtet. Beim Bau der Hahnenkleer Stabkirche ist weder ein Nagel, noch eine Schraube verwendet worden. Mit etwas Fantasie kann man sich das Kirchenschiff als umgedrehtes Wikingerboot vorstellen.

»Böse Geister und Zeichen für die Ewigkeit«

Die deutlich sichtbaren Drachenköpfe an den Giebeln, sollten böse Geister fernhalten, während die Midgardschlangen am Dachfirst als Zeichen für die Ewigkeit fungierten. Und auch der Innenraum der Kirche ist nicht nur durch seine Schnitzereien etwas ganz Besonderes. So erinnert ein ungewöhnlicher Kronleuchter an ein Steuerrad und die Fenster über der Empore sehen aus wie Bullaugen. Eine Kostbarkeit ist auch der Glockenturm. Hier sorgen 49 Bronzeglocken mit einem Gesamtgewicht von 2,5 Tonnen für ein außergewöhnliches Glockenspiel.

Ein Musterbeispiel mittelalterlicher Holzbaukunst. Foto: Heinz-Helmut Heidenbluth

»Größer als andere Stabkirchen«

Die Stabkirche in Hahnenklee ist mit seinen 350 Sitzplätzen größer als viele der 30 in Norwegen noch erhaltenen Exemplare. In manchen Reiseführern wird von Deutschlands einziger Stabkirche gesprochen, was nicht ganz korrekt ist. Eine deutlich kleinere Stabkirche gab es noch in Albrechtshaus im Harzer Selketal. Sie wurde sorgfältig abgebaut und soll bis 2024 im wenige Kilometer entfernten Stiege neu errichtet werden.

»Was Hahnenklee sonst noch zu bieten hat«

Hahnenklee hat ein sogenanntes Reizklima, dass der Gesundheit zuträglich sein soll. Der Kurort und seine zahlreichen Hotels leben heute vom Fremdenverkehr. Zu den weiteren Attraktionen neben der Stabkirche gehören der 7 Kilometer lange Liebesbankweg und der 726 Meter hohe Bocksberg mit seiner Kabinenseilbahn und seinen Ski- und Bobabfahrten. Darüber hinaus gilt Hahnenklee als Radler- und Mountainbike-Paradies. Musik-begeisterte Touristen können dem Grab des Komponisten Paul Lincke (»Berliner Luft«), der hier seinen Lebensabend verbrachte, einen Besuch abstatten.

Text und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

Wie es zum Bau der Stabkirche kam

Bei einer Studienreise nach Skandinavien war der Architekt und kirchliche Baumeister Karl Mohrmann von den Stabkirchen so entzückt, dass er 1907 in Hahnenklee nach dem Vorbild der norwegischen Kirche von Borgund ebenfalls eine Stabkirche errichten ließ, die allerdings deutlich größer ist als ihr Pendant in Norwegen. Holz für den Bau stiftete der begeisterte Norwegen-Fahrer Kaiser Wilhelm II.

Eingeweiht wurde die Gustav-Adolph Stabkirche, benannt nach dem schwedischen König, nach 10-monatiger Bauzeit 1908. Vor wenigen Jahren ist sie aufwendig restauriert worden. Sie gilt als eines der interessantesten Bauwerke Niedersachsens.

Nach dem Vorbild der Stabkirche im norwegischen Borgund aus Harzer Fichtenholz gebaut und außen wie innen mit vielen Schnitzereien geschmückt: Die Stabkirche in Hahnenklee. Fotos: Heinz-Helmut Heidenbluth