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  • »Was verbinden Sie mit dem Harz?«

    »Was verbinden Sie mit dem Harz?«

    Großer Bahnhof in Bad Harzburg. 500 Unternehmer und Führungskräfte aus dem Bezirk der Industrie- und Handelskammer Braunschweig waren am 19. Juni 2025 an einen wunderschön gelegenen Ort gekommen. Dem einst ältesten Vollblutgestüt Deutschlands, in dessen Stallungen heute Events stattfinden. Wir nutzten die Gelegenheit zu einer Video-Umfrage, was die Gäste mit dem Harz verbinden und ob sie einen Lieblingsplatz im Harz haben. Dabei erhielten wir viele Hinweise auf bekannte und weniger bekannte Orte.

    Tobias Hoffmann betreibt ein Maschinenbauunternehmen in Lengede und ist Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig.
    Claudia Gorille, Freie Journlistin mit langjähriger NDR-Erfahrung.
    Jürgen Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank BRAWO und Vizepräsident der IHK.
    Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig.
    Andreas Schweiger, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Braunschweiger Zeitung.
    Britta Ziegfeld, Wirtschaftsredakteurin der Braunschweiger Zeitung.
    Dr. Angela Ittel, Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig.
    Dr. Klaus Schuberth führte die Brauerei Feldschlösschen und war Präsident der IHK Braunschweig.
    Dr. Wolf-Michael Schmid, Helmstedter Unternehmensgruppe Schmid und ehemaliger Präsident der IHK Braunschweig.
    Dr. Bernd Meier, ehemaliger Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig.
    Olaf Jaeschke betreibt in Braunschweig eine Galerie und ist Vizepräsident der IHK.
    Kurt Fromme führt in Ringelheim ein Landhandelsunternehmen und ist Vizepräsident der IHK.
    Gerd-Ulrich Hartmann war u.a. Direktor der legendären Bundeskonferenz der Wirtschaftsjunioren in Braunschweig.
    Manuela Schneider führt die Gutspension Hofschwichelt in Peine.
    Andreas Mier, Redakteur beim NDR-Studio Braunschweig.
    Dr. Hans-Rudolf Thieme hat Sport-Thieme in Grasleben über viele Jahre erfolgreich geprägt.
    Uwe Peeters, Vorsitzender des Presse-Clubs Braunschweig.
    Dr. Isabelle Thormann ist die einzige öbuv Sachverständige für forensische Linguistik in Deutschland.
    Professor Christoph Herrmann, Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der TU Braunschweig.
    Wie hat sich der Harz aus Eurer Sicht entwickelt? fragten wir (v.l.) Anja, Julius, Dirk und Manfred Junicke, die in Bad Harzburg und Braunschweig diverse Unternehmen betreiben und den IHK-Empfang unterstützt haben.
    Goslarer Power beim IHK-Empfang (v.l.): Sandra Bogisch, Wirtschaftsförderung, Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner und die Unternehmerin Silvia Lehrke, Dr. Hildebrandt und Buchholz.
  • Der Harzer Grenzweg als Teil des Grünen Bandes

    Der Harzer Grenzweg als Teil des Grünen Bandes

    Das Grüne Band auf dem ehemaligen Todesstreifen der innerdeutschen Grenze ist heute das größte Biotop Deutschlands. Die Journalistin Beatrix Flatt hat die fast 1400 Kilometer in 63 Tagen erwandert und dabei über 100 Interviews mit Menschen am Grünen Band geführt. Viele ihrer Reportagen sind in ihrem Buch »Grenzenlos« enthalten. Die Helmstedterin lobt dabei vor allem den Harzer Grenzweg als Teil des Grünen Bandes. Er beginnt in Rhoden bei Hornburg und endet nach über 90 Kilometern in Tettenborn bei Bad Sachsa.

    Wie hat man sich das Grüne Band heute vorzustellen? Es ist der Streifen zwischen dem Kolonnenweg in der ehemaligen DDR und der innerdeutschen Grenze, 50 bis 200 Meter breit. Er zieht sich vom Dreiländereck (Sachsen-Bayern-Tschechien) bei Hof bis Travemünde an der Ostsee.

    Beatrix Flatt traf an vielen Orten auf unberührte Natur: »Im Schatten der Grenze, in dieser Wildnis und Einsamkeit, konnten viele Tier- und Pflanzenarten überleben, die woanders keinen Lebensraum mehr fanden. Mindestens 1200 Arten, die im Grünen Band leben, gelten als gefährdet und stehen somit auf der Roten Liste.«

    An einigen Stellen ist das Grüne Band unterbrochen, etwa durch Autobahnen oder Eisenbahnschienen. Andere Teile sind derart zugewuchert, dass man sich sozusagen durchs Gebüsch schlagen muss, erzählt Flatt bei einer Lesung am 23. Mai 2025 in der Lewer Däle in Liebenburg.

    »Ganz allein mit Rucksack und Laptop«

    Sie habe das Abenteuer »Grünes Band« ganz allein mit Rucksack und Laptop erwandert. Die Vorbereitung des Projekts, so Flatt, erfordere viel Disziplin und habe ein halbes Jahr in Anspruch genommen, zum Beispiel die Terminplanung mit den Gesprächspartnern. Nach jeder Tagesetappe habe sie ihre Erfahrungen noch am selben Abend in einem Blog zusammengefasst. Bei den vielen Gesprächen und Eindrücken wäre es sonst kaum möglich gewesen, ein Buch darüber zu schreiben, betont sie. Eine Unterkunft für die Nacht zu finden, war für sie häufig eine echte Hürde. »Wählerisch darf man da nicht sein.«

    »Im Harz ist vieles anders«

    Das Grüne Band im Harz, das deckungsgleich mit dem Harzer Grenzweg ist, bekommt von Beatrix Flatt ein großes Lob. Während 70 Prozent der Strecke nicht ausgeschildert ist, sei die Wegführung auf dem Grenzweg geradezu vorbildlich.

    Was macht den Harzer Grenzweg so besonders? Es war die am besten gesicherte Grenze der Welt: Drei Meter hohe Zäune, Todesstreifen, Minenfelder, Wachtürme und Selbstschussanlagen. Abhöreinrichtungen des Bundesnachrichtendienstes, der Briten, der Amerikaner und der Sowjets gab es auf jedem höheren Gipfel. Im Harz hat man den Ost-West-Konflikt so hautnah spüren können, wie kaum irgendwo sonst. Im Ort Sorge ist die perfide Grenzlandschaft teilweise als Freilichtmuseum erhalten geblieben, einmalig in Deutschland.

    »Mit Wanderschuhen oder per Mountainbike«

    »Während ich außerhalb des Harzes fast niemandem begegnet bin, war es auf dem Grenzweg ganz anders«, schildert Beatrix Flatt ihre Erfahrungen. Hier gebe es ein reges Interesse der Touristen, ob mit Wanderschuhen oder per Mountainbike.

    Beatrix Flatt über ihre Eindrücke auf dem Harzer Grenzweg.
    Uwe Siebels, Vorsitzender des Harzklubs Bad Harzburg, freut sich auf das Grüne Band.
    Die idyllische Lewer Däle in Liebenburg, wo der Vortrag über das Grüne Band stattfand.
    Claudia Schütte ist in der Lewer Däle ehrenamtlich für die Lesebühne zuständig.

    Der rund 20 Kilometer lange Abschnitt über den Brocken, bei dem 1000 Höhenmeter überwunden werden müssen, sei schon eine Herausforderung, zumal es nicht nur Waldwege sind, sondern häufig die gelöcherten Betonplatten des alten Kolonnenweges. Wer den gesamten Grenzweg erkunden möchte, hat über 90 Kilometer vor sich.

    Tatsächlich kann man sich beim Schreiben über den Harzer Grenzweg von seinen eigenen Erinnerungen und Gefühlen nicht frei machen: Die Schneeballschlacht in Braunlage, direkt an der Grenze unter den Augen der Volkspolizisten der DDR mit den Braunschweiger Schulfreunden Dietrich, Etzi und Matze etwa. Gemischte Gefühle, die sich eingebrannt haben, als wäre es gestern gewesen; genauso wie der schockierende erste Blick auf die Grenzabsperrung mitten auf der Staumauer der Eckertalsperre.

    »Flatts nächstes Projekt: Der Iron Curtain«

    Der Harzer Grenzweg ist aber nicht nur Teil des Grünen Bandes, sondern auch Teil einer Grenze zwischen den Weltmächten. Sie zog sich auf 12.500 Kilometern vom Schwarzen Meer bis zum Eismeer in Norwegen.

    Während ich diese Zeilen schreibe, ist Beatrix Flatt mitten in ihrem nächsten Abenteuer. Seit 5. Juni ist sie auf dem Iron Curtain, dem »Eisernen Vorhang« in Nordeuropa unterwegs. Aber sie sagt unverblümt: »Vor ein paar Jahren hätte ich im Norden noch grenzüberschreitend unterwegs sein können. Das ist heute durch die neue weltpolitische Lage zu gefährlich.« Teile der finnisch-russischen Grenze werde sie meiden.

    Text, Fotos, Videos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    [su_box title=“Blick ins Buch“ style=“noise“ box_color=“#c83737″ title_color=“#ffffff“ class=“infobox–redBorder“]

    Als Hippie in der DDR

    Auf einem Holztisch, direkt am Kolonnenweg und in Sichtweite der Reste der Görsdorfer Mauer im Landkreis Sonneberg, öffnet Horst Müller einen vollen Aktenordner. Es sind die kompletten Kopien seiner Stasi Akte, die er vor einigen Jahren in Suhl eingesehen hat. »Ich habe lange überlegt, ob ich das machen sollte. Die Vorstellung, dass einer meiner Kumpels, mit denen ich meine Jugend verbracht habe, ein inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi gewesen sein könnte, hätte ich schwer ertragen«, erklärt er seine Bedenken. Zum Glück war das nicht der Fall.

    Horst Müller - Als Hippie in der DDR

    Horst Müller, Jahrgang 1949, lebte 27 Jahre im Sperrgebiet in Görsdorf in Thüringen, etwa 300 Meter von der innerdeutschen Grenze entfernt. Somit lag Görsdorf gleichzeitig im Sperrgebiet und im 500 Meter breiten Schutzstreifen. 1981 wurde eine etwa 3,5 Meter hohe Betonmauer, die vor allem als Sichtblende dienen sollte, gebaut – die Görsdorfer Mauer. Von seiner Kindheit erzählt er nicht viel: »Uns ging es als Kinder in der DDR nicht schlecht.« Der tägliche Schulweg zu Fuß ins zwei Kilometer entfernte Truckendorf war eher Abenteuer als Last. »Wir waren unter ständiger Beobachtung der DDR-Grenztruppen und in Sichtweite der Amerikaner, die auf westlicher Seite patrollierten.« Von seiner Jugend erzählt er lebendiger. »Ich hatte lange Haare. Es war die Hippie-Zeit und da wollten wir doch auch mitmachen.« Er erinnert sich, dass er von der Verwandtschaft bunte Weststoffe bekam und seine Mutter ihm daraus modische Kleidungsstücke nähte. Er genoss das Leben, besuchte regelmäßig Tanzveranstaltungen, trank gerne Alkohol und war in der Schule und in der Ausbildung zum Schmied nicht besonders gewissenhaft. Vielleicht wäre das in einem anderen kleinen DDR-Dorf kaum zur Kenntnis genommen worden, aber die Bewohner im Sperrgebiet standen unter strenger Beobachtung.

    Den ersten Konflikt mit dem Staat hatte er 1967, als zwei ehemalige Schulkollegen in den Westen fliehen wollten. Sie kannten sich direkt an der Grenze nicht so gut aus und baten ihn um Hilfe. Er sollte das Moped bekommen, dass sie zurücklassen wollten. Aber er wollte vor allem den Jugendlichen helfen. »Ich sollte mit in den Westen gehen, aber das wollte ich nicht. Ich hatte doch meine Kumpels hier.« Bevor es los ging, wurden die beiden Flüchtlinge erwischt, und die Spur führte auch zu Horst Müller. Es folgten zehn Monate Gefängnis wegen Fluchthilfe.

    »In die Sperrzone kam keiner ohne Kontrolle rein«, beschreibt er die Situation. »Da gab es einen Schlagbaum und ein Kontrollhäuschen.« Der Schlagbaum wurde nur nach Kontrolle der Papiere geöffnet. Bewohner der Sperrzone hatten einen Eintrag im Pass, andere mussten einen Passierschein vorlegen. Diesen gab es nur für diejenigen, die Verwandtschaft im Sperrbezirk oder beruflich dort zu tun hatten. »Aber nur für zu zuverlässige Menschen.« Müller erzählt von Fußballern, die plötzlich nicht mehr zu den Spielen durften, da diese im Sperrgebiet stattfanden. »Man durfte auch immer nur in sein eigenes Sperrgebiet und nicht in das benachbarte.«

    Müller ging als Jugendlicher viel auf Tanzveranstaltungen, allerdings »mussten wir immer bis 11:00 Uhr zurück sein. Aber da war’s doch oft am schönsten.« Er erzählt Geschichten, wie die Jugendlichen versuchten, diese Regel zu umgehen, und freut sich noch heute darüber, dass es manchmal geklappt hat. Bei einem Wirt haben wir die Uhr verstellt,

    Harzer Grenzweg - Görsdorfer Mauer
    Reste der Görsdorfer Mauer stehen noch als Mahnmal. (Fotos: Beatrix Flatt)

    so dass dieser sie nicht aus Pflichtbewusstsein nach Hause schickte. Manchmal schlichen Sie sich an den Kontrollpunkten vorbei, manchmal waren die Volkspolizisten gnädig und ließen sie nachts einfach durch. Aber es sei auch vorgekommen, dass die Polizei gerufen wurde und sie verhört habe.

    Jahrzehnte später liest Müller, seine Stasi Akte und erfährt, wie genau er tatsächlich beobachtet wurde. Es sind alle Verhörprotokolle zu seiner »Fluchthilfe« gesammelt. Danach folgen regelmäßige Notizen und Aussagen von IMs: »Er ist in seinem Auftreten prowestlich eingestellt. Besonders stark ist ausgeprägt, dass er sich viel, d.h. nur Westmusik und Westfernsehen anhört und ansieht.« Müller schwärmt: »Creedence Clearwater Revival war meine Lieblingsband. Wir haben viele Tonaufnahmen vom Westradio gemacht.« In der Stasi Akte heißt es weiter. »Zu seinem charakterlichen Auftreten wäre noch zu sagen, dass er oft trinkt und lange Haare trägt.« Weiter wird erwähnt, dass er häufig mit seinem Moped zum Tanz fährt und die Bekanntschaften mit Mädels wechselt. »Stimmt«, sagt Müller. »Ich hatte viele Freundinnen. Später wurde in den Akten sogar erwähnt, wann er mit welcher Freundin Schluss gemacht hat. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Stasimitarbeiter auch mit dem damaligen Bürgermeister über Horst Müller sprachen. »Er tritt nach wie vor überheblich und zum Teil auch frech in Erscheinung.« Und auch hier sind wieder die Tanzveranstaltungen außerhalb des Sperrgebiets Thema. »Bei uns war ja nichts los«, kommentiert er heute den Eintrag. In den Gesprächen rund um die Musterung für die NVA (Nationale Volksarmee) ist protokolliert: »Die Grundeinstellung ist negativ. Die Verhältnisse im Westdeutschland werden verherrlicht.« Er wird sogar zitiert: »… wenn wir erst drüben wieder ein Bier trinken.«

    »Im Grunde ist alles belanglos«, kommentiert Horst Müller die Akte. »Meine Kumpels standen zu mir, aber bei manchen, die über mich ausgesagt haben, habe ich mich schon gewundert.« 1976 verließ er das Sperrgebiet, da er heiratete. Danach benötigte er selbst einen Passierschein, um seine Eltern zu besuchen. »Als Besucher des Sperrgebiets durfte man nur auf kürzestem Weg zu seinen Verwandten und zurück. Aber ich kannte mich ja hier gut aus und ging als Besucher trotzdem regelmäßig in die Pilze.«[/su_box]

  • Nicky Gardner: »Eine wunderschöne Reise mit der Schmalspurbahn«

    Nicky Gardner: »Eine wunderschöne Reise mit der Schmalspurbahn«

    Die dampfbetriebene Fahrt von Wernigerode über Drei Annen Hohne zum Brocken ist nicht nur die Touristenattraktion im Harz, sondern auch die wohl bekannteste Strecke auf den höchsten Gipfel Norddeutschlands. Eher weniger bekannt ist die Fahrt von Nordhausen zum Brocken, von der die englische Eisenbahn-Expertin Nicky Gardner ganz begeistert ist.

    Während die Brockenfahrt von Wernigerode etwa 1 Stunde und 40 Minuten dauert, sind es von Nordhausen mehr als drei Stunden. Im Besonderen den 90minütigen Abschnitt von Ilfeld nach Drei Annen Hohne bezeichnet Gardner als »wunderschön« und fügt hinzu: »Meiner Meinung nach ist dieser Teil der Strecke sogar noch schöner als der abschließende steile Aufstieg zum Gipfel.« Ihre Reportage erschien 2023 in der englischen Tageszeitung The Guardian. Der Anlass: Das 125jährige Jubiläum der Eröffnung der Bahnstrecke zum Brocken.

    Für alle Strecken, die den Brocken einbeziehen, so Gardner, würden Premiumpreise verlangt. Andere Tarife seien dagegen deutlich günstiger. So gebe es Drei-Tage-Tickets zum Erkunden des gesamten Netzes für 69 Euro.

    »Bahnstrecke des Monats«

    Die Harzer Schmalspurbahnen haben es in der Guardian-Ausgabe vom 1. Februar 2023 zur »Bahnstrecke des Monats« geschafft. Nicky Gardner würzte ihre Reportage mit sehr persönlichen Eindrücken, vom Brockenschnaps bis zur Missbilligung der ersten Züge 1898 durch die literarische Elite und zitiert darüber hinaus einen Lokführer mit den Worten: »Wir sind nicht nur für die Touristen wichtig. Mit unseren ganzjährigen Verbindungen sind wir eine Lebensader für die abgelegenen Gemeinden in den Harzer Bergen.«

    Text, Fotos, Video und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    Bahnstrecken der HSB im Harz
    Bahnstrecken der HSB im Harz (Quelle: HSB)

    Vom Bahnknotenpunkt Drei Annen Hohne geht es sowohl für die Züge aus Richtung Wernigerode als auch aus Nordhausen weiter zum Brocken.

    Dampflok Eisfelder Talmühle
    Ein historischer Dampfzug hält an dem kleinen Bahnhof Eisfelder Talmühle. Hier sind Harzquer- und Selketalbahn verknüpft/verbunden. Der Bahnhof liegt in einem waldreichen Tal zwischen Nordhausen und Wernigerode und ist besonders bei Dampflok-Fans und Wanderern beliebt.

    Eine Email aus Bad Zwischenahn

    Natürlich bin ich begeistert, wenn in einer englischen Tageszeitung so positiv über die Harzer Schmalspurbahnen berichtet wird, denn in England gibt es ja noch viel mehr Eisenbahn-Fans als in Deutschland. Vermutlich wird die Reportage den einen oder anderen in den Harz locken.

    Der klassische Harzquerbahn-Abschnitt von Nordhausen nach Drei Annen Hohne ist landschaftlich sicher reizvoll, ganz besonders ab Ilfeld, wenngleich nicht so idyllisch wie die Selketalbahn. Ob er schöner ist, als die Brockenbahn, ist Geschmackssache.

    Die Aussage, dass die Bahn eine Daseinsfunktion für die Harzdörfer erfüllt, halte ich für längst (seit 1990) überholt, dazu ist sie mit 32 km/h auch zu langsam. Die Leute nutzen dank guter Straßen ihr Auto. Mag sein, dass man mal bei Schnee auf die Schiene wechselt, aber dann fahren auch meist keine Züge mehr.

    Leider liegt die Selketalbahn immer im Schatten von Harzquer- und Brockenbahn. Je weniger Leute damit fahren, desto unattraktiver wird der Fahrplan: ein Teufelskreis trotz des attraktiven Ausgangspunktes Quedlinburg!

                                                                                         Heinz-Helmut Heidenbluth

  • Englische Journalistin zum Harzer-Hexen-Stieg: »In jeder Hinsicht gruselig«

    Englische Journalistin zum Harzer-Hexen-Stieg: »In jeder Hinsicht gruselig«

    Die brillante Journalistin Sarah Baxter erwanderte den Harzer-Hexen-Stieg von Osterode bis Thale. Ihr Fazit mit einer Prise englischem Humor und in Anspielung auf den Hexen-Kult und die abgestorbenen Fichten: »In jeder Hinsicht gruselig.«

    Der Harzer-Hexen-Stieg, dieser rund 100 Kilometer lange Wanderweg im Norden Deutschlands, verbindet schauerliche Bräuche, industrielles Erbe und Wälder, die sich von einem verheerenden Schädling erholen, so Sarah Baxter, die ihren Bericht am 28. Oktober 2023 in der englischen Tageszeitung Guardian veröffentlichte.

    Karte Harzer-Hexen-Stieg

    Schon kurze Zeit nachdem sie in Osterode gestartet ist, fällt der Journalistin in einer Holzhütte eine Inschrift auf mit einem ziemlich extremen Versprechen: »Wanderer, ich schütze Dich vor schlechtem Wetter und unheimlichen Mächten.« Dazu Baxter: »Vielleicht braucht man in diesen gruseligen Gegenden solche Versprechen.« Derartige Hütten seien früher für mittelalterliche Eseltreiber errichtet worden, die aus der nahegelegenen Stadt Osterode Waren zu den Minen in Deutschlands nördlichstem Gebirge transportiert hätten.

    »Hexen liegen im Trend«

    »Wer könnte einem Pfad mit einem Namen wie diesem widerstehen? Ein Name, der aus Jahrhunderte altem Brauch entstanden ist, eine Tradition, die jetzt im Trend liegt?« fragt Sarah Baxter. Hexenliteratur sei heute ein heißes Thema. Zu den Top-Titeln 2023 gehörten  Emilia Hart ´s Weyward und Margaret Mayer ´s The witching Tide. Darüber hinaus beanspruche eine Bewegung älterer Frauen das Wort »Hexe« zurück.

    »Faszinierend und auf unerwartete Weise fesselnd«

    [su_box title=“Sarah Baxter“ style=“noise“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox–floatRight“]Die Autorin, Redakteurin und Reisejournalistin hat ihre Karriere als Journalistin beim Reisemagazin Wanderlust begonnen und schreibt unter anderem für den Guardian, Telegraph, Independent und Runner ´s World. Darüber hinaus hat sie zahlreiche Reisebücher verfasst oder an ihnen mitgearbeitet. So ist sie Autorin von »History of the World in 500 Walks«.[/su_box]

    Für Sarah Baxter schien der Harzer-Hexen-Stieg die ideale Wahl für den Herbst zu sein: »Der gut ausgebaute 100-Kilometer-Pfad von Osterode nach Thale – normalerweise in vier bis sechs Tagen zu schaffen – würde unter den Füßen ziemlich trocken bleiben, Nebel würde für zusätzliche Atmosphäre sorgen, gemütliche Gasthäuser und herzhafte Schweinebraten würden auf mich warten, und abends würden Geistergeschichten erzählt. Was ich fand, war faszinierend und auf unerwartete Weise fesselnd.« Als sie in Osterode aufgebrochen sei, habe sie gesehen, dass die Leute sich stark mit dem Hexenthema identifizierten. »Spitzhütige Figuren lugten aus jedem Garten und Fenster.«

    »Baxters Lieblingsüberbleibsel aus der Bergbauzeit«

    Auf vielen Abschnitten ihrer Wanderung begegneten Sarah Baxter im Oberharz die Zeugen der ältesten und einst wichtigsten Bergbauregion Europas. Als ihr »Lieblingsüberbleibsel« aus dieser Zeit bezeichnete sie das riesige, farn-besäumte Waldschwimmbad in Altenau, wo sie nach der ersten Etappe übernachtete. Baxter: »Ein Vorfrühstückssprung ins kühle Nass, als nur die Bachstelzen da waren, um mein Jauchzen zu hören, bereitete mich auf den nächsten Wandertag vor.«

    »Der Brocken: Immer noch ein unheimlicher Ort«

    Von Altenau aus folgt der Weg, der den Brocken hinauf führt, nach ihren Worten, den Spuren von Goethes »Faust«, in dem der höchste Gipfel des Harzes zum Spielplatz von Hexen wird. Der Brocken sei immer noch ein unheimlicher Ort, aus vielen Gründen, nicht nur, weil er bis zu 300 Tage im Jahr in Nebel gehüllt ist. Die Ost-West-Grenze habe den Harz geteilt und der Brocken sei zu Spionagezwecken genutzt worden.

    »Abgestorbene Fichten sind ein bißchen wie Halloween«

    Am gruseligsten hat Sarah Baxter die Wälder am Brocken und im Westharz empfunden. Sie sei nicht vorbereitet gewesen auf die Verwüstungen, die der lochbohrende Borkenkäfer angerichtet hat. Stellenweise sei der Anblick der Skelett-Fichten an den Hängen ein bißchen wie Halloween. Die seit Jahrhunderten hier monokulturell angepflanzte heimische Fichte habe aufgrund des Klimawandels dem Angriff der Käfer nicht standhalten können.

    Tannen am Wurmberg
    Am Wurmberg wird deutlich wie sehr sich die Natur schon erholt hat. Die jungen Fichten haben bereits eine beachtliche Größe (Foto: Heinz-Helmut Heidenbluth).

    Aber Baxter ist auch überzeugt: »Das wird wieder.« In vielen Gebieten, sagt sie, vertraut man darauf, dass die Natur sich selbst repariert. Unter den verfallenden Bäumen sprieße neues Wachstum. Und einige Bereiche würden aktiv mit einheimischen Arten wie Bergahorn, Weide und Ahorn neu bepflanzt.

    »Der Höhepunkt der Magie«

    Jenseits von Rübeland, so Baxter weiter, befiederte Blattgrün die Ufer der Bode und wie aus einem Märchen sei plötzlich die Bodetaler Basecamp Lodge aufgetaucht, einst Refugium für Mitarbeiter der staatlichen TV-Firma der DDR, heute ein hippes Hostel-Hotel. Der Besitzer Heiko Uelze servierte Sarah Baxter Wild-Bison zum Abendessen.

    Der letzte Abschnitt des Weges, der die Journalistin nach Treseburg und Thale führte, sei der schönste von allen: »Nachdem ich auf der längsten Fußgängerbrücke der Welt ungestüm über das Rappbode-Tal gelaufen war, stürzte ich mich in dichte Wälder.« Bestimmt habe es auch hier Zauberei gegeben, vermutet sie. Ihren Höhepunkt erreichte die Magie aber, als sie die Teufelsbrücke überquerte, und unterhalb von zwei Granitfelsen – der Rosstrappe und dem Hexentanzplatz – im Tal entlang wanderte. Wie es in der Legende heißt soll Prinzessin Brunhilde auf der Flucht vor einem Riesen auf einem weißen Hengst das Tal übersprungen haben.

    Ein Besuch des Hexentanzplatzes hat bei Sarah Baxter einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen: »In den vergangenen Jahrhunderten fanden hier heidnische Rituale statt, um Waldgöttinnen zu ehren. Als solche Zeremonien von christlichen Invasoren verboten wurden, verkleideten sich die Sachsen zur Abschreckung als Hexen. Heute ist der Hexentanzplatz ein Themenpark, mehr Kitsch als Hexe. Trotzdem sei die Aussicht zurück ins Tal in Richtung Brocken faszinierend gewesen.«

    »Wo an einem einzigen Tag 133 Hexen verbrannt wurden«

    Zwar endet der Harzer-Hexen-Stieg in Thale, aber Sarah Baxter besuchte noch das nahegelegene Quedlinburg, wo viele mutmaßliche Hexen das Ende fanden. Wie behauptet wird, sollen hier 1589 an einem einzigen Tag bis zu 133 verbrannt worden sein.

    Heute ist Quedlinburg für Baxter’s Geschmack mehr Disney als Grimm. » Es ist die am besten erhaltene mittelalterliche Stadt Deutschlands. Mehr als 2000 Fachwerkhäuser befinden sich in einem pastellfarbenen Gedränge unter einer Bergburg und dem Grab des ersten deutschen Königs.« Es gebe weniger Hexen in den Souvenirläden, mehr Touristen in den Cafés.

    »Versöhnliches Fazit«

    Die Journalistin beendet mit einem versöhnlichen Fazit ihre Reise. Im Mittelpunkt ihres Berichts stehe ja vielleicht weniger die Hexenmagie als vielmehr Mutter Natur: »Der Harz ist ein Ort, an dem man die Auswirkungen der Klimakrise sehen kann, aber, wo diese mythischen Wälder – die für die deutsche Kultur und Identität so zentral sind –  mit Zeit und Sorgfalt besser nachwachsen können als zuvor.

    Text, Fotos, Video und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

  • Geheimtipp im November: Der Brocken

    Geheimtipp im November: Der Brocken

    Unter 800 Metern neblig und kalt, darüber sonnig und warm. Vom Brocken schaut man auf ein Wolkenmeer, aus dem Wurmberg, Achtermann und Torfhaus hervorlugen. Es sind sogenannte inverse Wetterlagen, die in manchen Wintern gar nicht so selten auftreten.

    Als wir am 9. November dieses Ereignis miterleben durften, kündigte der Wetterbericht schon am Vortag im Harzvorland einen nebligen, grauen Tag an, mit dem Brocken als Sonnen-Insel. Wer also vom Torfhaus oder von Schierke aufgebrochen ist, wanderte den ganzen Tag im Sonnenschein.

    Wir wissen nicht, ob die Erstsemester-Studenten der TU Clausthal, denen wir oben auf dem Brockenplateau begegnet sind, beim Brockenwirt eine Erbsensuppe und ein, zwei Bierchen genossen haben. Dem ersten Anschein nach waren alle gut drauf. So oder so hatten sie den richtigen Tag erwischt, hieß es doch früher, als die Sommer noch kühler waren: Clausthal ist nicht nur die höchstgelegene deutsche Universität, sondern auch die einzige Uni mit zwei Wintersemestern. Ein Bericht in Bildern.

    Text, Fotos, Video und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    Harzhotel auf Brocken
    Brockenbahnhof

    Das Brockenhotel und die Sendeanlagen, unter anderem für 13 Rundfunk- und drei Fernsehsender. Bild rechts: Der höchstgelegene Bahnhof aller dampfbetriebenen Schmalspurbahnen in Deutschland.

    Brockenblick aufs Torfhaus

    Blick auf den Ort Torfhaus in sechs Kilometern Entfernung (leicht herangezoomt). Deutlich zu erkennen der neue Harzturm, dem mit 65 Metern höchsten Aussichtsturm Deutschlands. Er wurde vor einem Jahr eröffnet. An besonders klaren Tagen soll man vom Brocken sogar die Nordsee sehen können.

    Brockenstein

    Um ein Foto mit dem Brockenstein zu ergattern, muss man zuweilen schon mal Schlange stehen.

    Brockenblick auf Wurmberg-Turm

    Der Wurmberg-Turm bei Braunlage vor einem Meer aus Wolken.

    Per Email aus Braunschweig: Ein Erfahrungsbericht

    Sehr schöne Eindrücke vom höchsten Gipfel Norddeutschlands! Ein Wink mit dem Telegrafenmasten, da müssen wir auch mal wieder hoch! Vor weit mehr als 10 Jahren hatten wir ebenfalls so ein Erlebnis bei einem Büroausflug auf den Brocken kurz vor Weihnachten (ab Schierke mit der Brockenbahn hoch und zu Fuß bis Schierke runter).

    Angekündigt waren auf dem Brocken ca. -10 Grad und wegen Wind gefühlt -20 Grad und all die Stubenhocker ohne feste Ausrüstung hatten sich bei Aldi noch schnell für kleines Geld Thermo-Hosen und Jacken besorgt. Und dann gab es eine Inversionswetterlage und auf dem Brocken war es sonnig und angenehm temperiert, viel angenehmer als unter der Wolkendecke in Bad Harzburg, Ilsenburg, Wernigerode etc.

    Ulrich Hassels

  • Faszination Walpurgisnacht: Braucht der Harz eine Hexenschule?

    Faszination Walpurgisnacht: Braucht der Harz eine Hexenschule?

    Die Walpurgisnacht vom 30. April zum 1. Mai wird wieder viele in den Harz locken. Durch Hexen, Feuer und andere Rituale sollen böse Geister vertrieben und der Frühling eingeläutet werden. In Goethes »Faust« überredet Mephisto den Faust an einer Hexenfeier auf dem Brocken – dem Blocksberg – teilzunehmen. Dadurch wurde der Brocken als Hexenberg weltberühmt. Eine Frage ist bisher offen geblieben: »Braucht der Harz eine Hexenschule?«

    Es ist unglaublich, wie viele Frauen sich als moderne Hexen sehen und zum Mystischen hingezogen fühlen, selbst, wenn sie noch nicht die Kunst beherrschen, auf einem Besen zum Brocken zu fliegen. Allerdings pflegen viele eine enge Beziehung zur Natur und sind für »esoterische Praktiken« offen.

    Im späten Mittelalter hat man die heilenden Fähigkeiten der starken, sozial unangepassten Frauen dagegen kaum genutzt. Man unterstellte ihnen Zauberei und denunzierte sie. Viele landeten auf dem Scheiterhaufen, dabei hätte man von ihnen einiges lernen können.

    Hohex Harzhexe
    Eine Hohex Harzhexe des 1995 verstorbenen Puppenbauers Hans-Jürgen Hollwedel. Er hat bis Mitte der 90er Jahre unter der Marke Hohex-Handarbeit in Herzog-Juliushütte bei Goslar Hexen und auch Teufel hergestellt und über 30 Jahre mit seinem kunstgewerblich tätigen Familienbetrieb seine Harzhexen in die ganze Welt verschickt. (Illustration: Heinz-Helmut Heidenbluth).

    Wie müsste nun ein Lehrplan für eine Hexenschule im Harz aussehen?

    1. Die Wiederentdeckung der Magie der Heilkräuter

    Während die Mönche für ihr großes Wissen über Heilpflanzen bewundert wurden, unterstellte man den Hexen Zauberei, weil sie zurückgezogen im Wald lebten und sich mit den Pflanzen unterhielten. Dieses Wissen ist teilweise in Vergessenheit geraten, auch, dass die Heilkräuter viele Kranke wieder vollständig gesund gemacht und die Lebenskraft bis ins hohe Alter unterstützt haben.

    Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen heute, dass Kräuter nicht nur auf Licht, Feuchtigkeit, den Mineralstoffgehalt der Erde und benachbarte Pflanzen reagieren, sondern auch auf erdmagnetische Kräfte und überraschenderweise auch auf Gedanken, auf Liebe und Hass, auch wenn viele das als abergläubisch abtun.

    Es gibt alte Berichte aus einer Zeit, in der man intensiver und sensibler mit der Natur zusammenlebte und dabei Überraschendes feststellte: Nicht nur die Sonne und der Mond haben auf die Heilkräuter Einfluss, auch bestimmte Planetenkonstellationen oder die Zeit der Ernte (am Morgen, des Nachts). Moderne Hexen sollten sich dieses Wissen aneignen und herausfinden, welche Wunder diese magischen Pflanzen vollbringen können. Ob es zum Beispiel wirklich stimmt, dass man Heilkräuter nicht mit der bloßen Hand, sondern am besten mit einem Kupferwerkzeug ernten sollte.

    [su_box title=“Die Tragik der Hexen“ style=“noise“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox–floatRight“]Die Hexen wussten angeblich wie man böse Geister und negative Energien vertreibt und die Heilkräfte der Kräuter und des Mondes nutzt. Durch ihre enge Verbindung zur Natur sollen sie auch eine Verbindung zu Feen, Elfen und Kobolden gehabt haben. Für ihre soziale Unangepasstheit zahlten sie einen hohen Preis. Man unterstellte ihnen Zauberei und okkulte Kräfte. Heute werden Hexen zuweilen als Symbole der Frauenunterdrückung herausgestellt.[/su_box]

    2. Die Wiederentdeckung der Magie des Mondes

    Sind die Kräfte des Mondes nun Aberglaube wie die Wissenschaft behauptet oder hat Paracelsus recht, der bereits im 16. Jahrhundert davon ausging, dass der Mond die Hirn- und Nervenströme verändert, vor allem bei empfindsam reagierenden Menschen. Immerhin ist der Mond auch an Ebbe und Flut beteiligt.

    Was, wenn die unangepassten sogenannten Hexen der damaligen Zeit einen Weg gefunden haben, die Heilkräfte des Mondes zu nutzen. Gibt es nicht doch dieses berühmte Fünkchen Wahrheit? Wer die esoterischen Abteilungen von Buchhandlungen besucht, weiß, dass der Mythos »Mond« lebt, genauso wie der Glaube vieler Menschen an die Sternzeichen. Manche richten sich beim Pflanzen etwa von Gemüse oder anderen Tätigkeiten nach dem Mondkalender.

    Altes Wissen wieder nutzbar zu machen, gehörte auf jeden Fall in den Lehrplan einer Harzer Hexenschule. Vielleicht hat der Mond ja wirklich magische Kräfte.

    3. Hexen lieben die Natur

    Wir bewundern Menschen, die einen grünen Daumen haben, weil die Pflanzen bei ihnen so gut gedeihen. Aber warum ist das so? Weil diese Menschen Respekt und große Sympathie für die Natur haben und wissen, wie wichtig es ist, mit der Natur zusammenzuarbeiten.

    Hexen hatten vermutlich auch einen Zugang in eine andere Welt, in die der Naturgeister. Den Feen, die für die Blumen da sind, den Elfen, die die Bäume unterstützen und den Kobolden, die sich um die Böden kümmern. Hexen wählten die Einsamkeit des Waldes ganz bewusst. Im hektischen Treiben einer Stadt wäre die Verbindung zu den Naturgeistern unmöglich gewesen.

    In einer Hexenschule lernt man, entsprechende spirituelle Praktiken wie Gebete, Meditation, Visualisierungen, Mantras usw. Und vor allem lernt man, dass es auf die Tiefe der Konzentration ankommt.

    Text und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    Eine Email von der Insel Sylt

    Der Artikel über die Hexen erinnerte mich an einen Kollegen, der sich am Mittagstisch mehrfach darüber ereiferte, dass der Harz mit so einer überkommenen Figur Werbung macht…

    Aber offenkundig sind die Hexen heute auch jünger und attraktiver geworden… Nicht mehr mit so komischen Nasen, zerknittertem Gesicht und altmodischem Kopftuch.

    Die Sache mit dem Mond spukt immer noch in vielen Köpfen herum: Lanserhof Sylt bietet in Voll- und Neumondnächten Feuerrituale an: die Teilnehmer schreiben ihre Krankheiten sowie private und geschäftliche Sorgen auf Zettel, die dann, begleitet von Zaubersprüchen, in einer Feuerschale verbrannt werden… Das Mittelalter kehrt langsam zurück – ich hoffe, ohne Hexenverbrennungen.

    B.M. (Name der Redaktion bekannt)

  • Der „schnarchende“ Goethe: Die wundersamen Schnarcherklippen zwischen Elend und Schierke

    Der „schnarchende“ Goethe: Die wundersamen Schnarcherklippen zwischen Elend und Schierke

    Im Herzen des Harzes, zwischen den malerischen Orten Elend und Schierke, verbirgt sich eine faszinierende geologische Formation, die als die Schnarcherklippen bekannt ist. Diese beiden imposanten Felstürme ragen etwa 25 bis 30 Meter hoch in den Himmel und sind nur etwa 20 Meter voneinander entfernt. Doch wie haben sie ihren eigenartigen Namen erhalten?

    Der Legende nach entstehen zwischen den Klippen schnarchähnliche Geräusche, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung durch sie hindurchweht. Diese vermeintlichen Schnarchgeräusche haben im Laufe der Zeit zu dem Mythos der Schnarcherklippen geführt. Heutzutage hört man zuweilen eher das Schnarchen erschöpfter Wanderer, die sich an diesem Ort eine Pause gönnen.

    »Was hat Goethe damit zu tun?«

    Doch was hat der berühmte Dichter Johann Wolfgang von Goethe mit den Schnarcherklippen zu tun? Goethe war nicht nur als einer der größten Dichter der Welt bekannt, sondern auch ein bedeutender Naturwissenschaftler. Während seiner dritten Harzreise im Jahr 1784 besuchte er auch die Schnarcherklippen, die bereits damals diesen Namen trugen. Es war jedoch nicht er selbst, der schnarchte!

    [su_box title=“Naturphänomen Schnarcherklippen“ style=“noise“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox–floatRight“]Die Schnarcherklippen sind ein wahrhaft faszinierendes Naturphänomen, das nicht nur die Aufmerksamkeit von Wanderern und Naturfreunden auf sich zieht, sondern auch eine interessante Verbindung zur Geschichte und Literatur besitzt. Wenn du dich auf den Weg machst, sei bereit, in die wundersame Welt der Klippen einzutauchen und dich von ihrer Schönheit und Geschichte verzaubern zu lassen.[/su_box]

    Während seines Aufenthalts an den Klippen machte der neugierige Goethe eine interessante Entdeckung. Er bemerkte, dass sich der Nordpfeil eines Kompasses in der Nähe der Klippen ablenkte. Die Felsen enthalten Magnetit, auch bekannt als Magneteisen, das die magnetische Wirkung auf den Kompass verursachte. Diese Entdeckung verewigte er sogar auf einem Stein an der nordöstlichen Klippe.

    »Die Schnarcherklippen und Goethes Faust«

    Der große, begehbare Bruder der beiden Schnarcherklippen auf dem Barenberg.
    Der große, begehbare Bruder der beiden Schnarcherklippen auf dem Barenberg.

    Goethe war so fasziniert von den Schnarcherklippen, dass er sie sogar in seinen Werken verewigte. In seinem berühmten Drama „Faust“ beschrieb er die Klippen in eindrucksvollen Worten: „Seh die Bäume hinter Bäumen, wie sie schnell vorüberrücken, und die Klippen, die sich bücken, und die langen Felsennasen, wie sie schnarchen, wie sie blasen!“ Diese Zeilen finden sich im ersten Teil von „Faust“.

    »Die Besteigung der beiden Klippen«

    Die größere der beiden Klippen kann über eine sichere Treppe bestiegen werden und bietet einen atemberaubenden Blick über den Harz bis zum Brocken und zum Wurmberg, wenn das Wetter klar ist. Der kleinere Bruder hingegen erfordert Kletterkünste und ist nur für erfahrene Kletterer zugänglich. Beide Klippen befinden sich entlang des Teufelsstiegs, der sich genau zwischen ihnen hindurchschlängelt.

    Wenn du die beeindruckenden Granitfelsen entdecken möchtest, ist es am besten, von den Orten Elend oder Schierke aus zum Barenberg aufzusteigen. Er ist mit einer Höhe von 695 Metern das perfekte Ziel für deine Erkundungstour. Neben den Schnarcherklippen ragen dort auch die etwas kleineren Mäuseklippen empor.

    Goethe-Eintrag mit Kompass (rechts) an der Großen Schnarcherklippe.
    Goethe-Eintrag mit Kompass an der Großen Schnarcherklippe.

    »Keine durchgängige Beschilderung«

    Wegewart Helmut Pook.
    Wegewart Helmut Pook.

    In Schierke trafen wir auf einen freundlichen Wegewart namens Helmut Pook, der uns nicht nur den richtigen Weg wies, sondern uns auch ein Wanderbuch über den Landkreis Wernigerode schenkte. Herr Pook erklärte uns, dass es aufgrund von Sturmschäden und des Klimawandels schwierig sei, neue Wanderschilder anzubringen, da viele Bäume gefällt werden mussten. Die Beschilderung zu den Klippen ist daher nicht immer durchgängig vorhanden. Doch Herr Pook gibt sein Bestes und nutzt sogar umgestürzte Bäume, um Wegweiser anzubringen.

    »In der Ferne das Schnaufen der Schmalspurbahn«

    Während unseres Aufstiegs hörten wir in der Ferne immer wieder das laute Tuten und sahen die schwarzen Dampfwölkchen der Schmalspurbrockenbahn, die auf ihrem Weg zum Brocken an den Bahnhöfen in Elend und Schierke Halt macht. Wir hingegen stapften müde den Berg hinunter zurück nach Elend. Auf dem Rückweg nach Leipzig passierten wir die sehenswerte Fachwerkstadt Wernigerode.

    Abschließend ein Zitat aus Goethes „Faust“:

    [su_quote cite=“Goethes Faust“]

    Walpurgisnacht

    Harzgebirg

    Gegend von Schierke und Elend

    Faust. Mephistopheles.

    Mephistopheles:

    Verlangst du nicht nach einem Besenstiele?

    Ich wünschte mir den allerderbsten Bock.

    Auf diesem Weg sind wir noch weit vom Ziele.

    Faust:

    Solang ich mich noch frisch auf meinen Beinen fühle,

    Genügt mir dieser Knotenstock.

    [/su_quote]

    Text und Fotos: Claus Kintzinger

    Wegweiser Schnarcherklippen
    Ein Wegweiser in Elend.
  • Die Stärken des Harzes – eine aktuelle Analyse

    Die Stärken des Harzes – eine aktuelle Analyse

    Mit dem Bergbau fing im Harz alles an. Die Silberproduktion war teilweise die größte in Europa. Erze wurden im Mittelalter sogar nach Moskau und London exportiert. Dann kamen die Bergbaufolge-Betriebe, darunter chemische Großunternehmen, die nach wie vor eine bedeutende Rolle spielen. Zudem blühte der Tourismus auf. So haben weit über die Hälfte aller Beherbergungsbetriebe des IHK-Bezirks Braunschweig heute ihren Sitz im Landkreis Goslar.

    Neben Silber fand man im Harz auch Blei, Zink, Gold und Kupfer so reichlich wie sonst an kaum einem Ort auf der Welt. Bis zum 16. Jahrhundert entstanden durch den Bergbau im Westharz mehr als 30 Orte. Bereits 1533 waren allein in St. Andreasberg 116 Gruben in Betrieb. Ein wichtiger Meilenstein war 1775 die Gründung der späteren Bergakademie und heutigen Technischen Universität Clausthal, die nach wie vor Bergbau- und Metallurgie-Ingenieure ausbildet und ein wichtiger Faktor für die wissenschaftliche und technologische Entwicklung der Region ist. Bei chinesischen Studenten ist die TU Clausthal sehr beliebt und gehört bei ihnen zu den ABC-Universitäten »Aachen, Berlin, Clausthal«.

    »Steht der Bergbau im Harz vor einer Renaissance?«

    Das Nationalpark-Denkmal am Torfhaus: Blöcke mit den drei Harzgesteinen von höchster Qualität – Diabas, Gabbro und Granit.

    Der Harzer Bergbau befindet sich derzeit im Dornröschenschlaf, aber es gibt Hinweise, dass hier noch großes Potential vorhanden ist. Die Lager-stätten von Wolfram, Zinn und anderen Metallen könnten in Zukunft wieder von Bedeutung sein. Die Rohstoffknappheit und explodierende Preise machen so manche unrentable Grube wie den Goslarer Rammelsberg wieder interessant. Die Wieder-aufnahme des Bergbaus würde jedoch mit Umweltauswirkungen und Konflikten verbunden sein und bedarf einer sorgfältigen Abwägung. Ein weiteres Zukunftsthema ist das Recycling wirtschafts-strategischer Metalle. Im übrigen gilt der Harz mit seinem Vorland als bedeutende Bezugsquelle für mineralische Rohstoffe sowie Kies und Sand.

    »Moderne Hotels und Resorts«

    Als wichtiger Wirtschaftszweig hat der Tourismus den Bergbau abgelöst. Wandern, Radfahren, Wintersport und Kultur – der Harz ist eine Eldorado an Freizeitmöglichkeiten mit modernen Hotels und Resorts. So haben sich die Brockenbahn und das in Europa einmalige System der Harzer Schmalspur-bahnen zu einem Publikumsmagneten ohnegleichen entwickelt. In Wernigerode gibt es seit einem Jahr sogar eine »Gläserne Dampflok-Werkstatt«.

    In St. Andreasberg kann man ein historisches Bergwerk, die Grube Samson, erkunden, mit der letzten funktionstüchtigen Fahrkunst der Welt. Ungemein sehenswert und fotogen ist auch die »Hochzeits-kirche« in Hahnenklee, eine norwegische Stabkirche komplett aus Holz. Sie erinnert an die Bauweise der Wikingerschiffe.

    Originelle Idee in Bad Harzburg: Eine Köhlerhütte als Eingang zur Tourist Info.

    Wer Städtetouren liebt und einen Blick für den mittelalterlichen Charme hat, findet am Nordharzrand Traumstädte wie auf einer Perlenschnur: Ilsenburg, Wernigerode, Halberstadt, Blankenburg und Thale. Zusammen mit Bad Harzburg und Goslar bilden sie ein einzigartiges Städteensemble. Alle wichtigen Reichstage von 1000 bis 1250 fanden im Harz statt.

    Goethe, Deutschlands bekanntester Dichter, machte den Brocken, auch Blocksberg genannt, als Hexenberg weltberühmt, indem er die Erfahrungen seiner Harzreisen im »Faust I« in der Walpurgisnacht-szene verarbeitete. So erhob er den Brocken zum Sehnsuchtsziel für Romantiker. Und über die ebenfalls sagenumwobene und wilde Teufelsmauer bei Blankenburg hat Hans Christian Andersen einst gesagt »Der Teufel hat Geschmack«.

    »Schlösser und Harzer Hütten«

    Es gibt unendlich viele Wander-Highlights im Harz, nicht nur die insgesamt 40 Bergbauden, Hütten und Waldgaststätten, sondern eine stattliche Zahl an Schlössern, Burgen und Burgruinen, darunter die Schlösser in Wernigerode, Blankenburg und Stolberg, der Wiege des niederländischen Königshauses. Nicht zu vergessen die Kaiserpfalz in Goslar und die Burg Falkenstein.

    »Hotspot im Harz und andere Attraktionen«

    Der Höhenluft- und Wintersportort Torfhaus hat sich zu einer Hochburg des Harztourismus entwickelt. Vom Torfhaus, mit 811 Metern einer der höchsten Harzgipfel, genießt man bei klarer Sicht zu jeder Jahreszeit ein eindrucksvolles Panorama, da der Brocken nur rund fünf Kilometer Luftlinie entfernt ist. Die Teilung Deutschlands war bis zur Grenzöffnung gerade hier hautnah zu spüren.

    In den letzten Jahren sind für das erlebnishungrige Publikum einige Attraktionen hinzugekommen: Die längste Seilhängebrücke der Welt über die Rappbodetalsperre, Deutschlands größte Westernstadt Pullman City sowie der Baumwipfelpfad und die BaumSchwebeBahn in Bad Harzburg. Und dann ist da noch das 2200 Kilometer lange Mountainbike-Wegenetz mit 74 Strecken.

    »Erhebliche Herausforderungen«

    Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die Wiederansiedlung des Luchses. Im Harz leben heute rund 90 Pinselohren, dass sind annähernd die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Tiere.

    Unübersehbar sind im Harz die erheblichen Umweltprobleme, die teilweise regelrecht verstörend sind. Im Besonderen schnell wachsende Fichtenmonokulturen haben nach trockenen Jahren zu einem zum Teil großflächigen Absterben der Bäume durch den Borkenkäfer geführt. Bis eine Wiederaufforstung mit Laubmischwäldern, die widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen sind, den Harz wieder ergrünen lassen, werden Jahrzehnte vergehen.

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    Durch den Bergbau und die Eisenhütte entwickelte sich Zorge im Südharz 1570 zum wichtigsten Industriestandort des Herzogtums Braunschweig. Der Glockenturm wird überall im 4,5 Kilometer langen Ort gehört. An seinem Glockenschlag orientierten sich früher die Bergleute.

    Dieser Artikel erschien auch im Magazin Stadtglanz:

  • Die geheimnisvollen Sandsteinhöhlen von Blankenburg

    Die geheimnisvollen Sandsteinhöhlen von Blankenburg

    Die Sandsteinhöhlen in der Nähe von Blankenburg sehen aus wie der Spielplatz von Riesen, haben die Größe eines Fußballplatzes und liegen mitten in einem ausgedehnten Kiefernwald. Wer sie nach einer Wanderung von 20 Minuten besucht, staunt über die Kraft der Natur. Die Germanen sollen sie als Versammlungsort genutzt haben. Es ist offensichtlich ein magischer Ort.

    Die mächtigen Sandsteinfelsen sind beeindruckend und erinnern auf den ersten Blick ein wenig an die Kreidefelsen von Rügen. Erstaunlich: In manchen Reiseführern wird dieses Kulturdenkmal nicht einmal erwähnt. Dabei sind sie längst kein Geheimtipp mehr.

    »Mein erster Besuch der Sandsteinhöhlen«

    Erste Überraschung: Nur 35 Minuten von Salzgitter. Kurzer Weg von der Autobahnabfahrt, teilweise etwas rustikal über Kopfsteinpflaster. Zweite Überraschung: Meine größte Sorge, dass der herrliche Kiefernwald – wie große Teile des Oberharzes – unter der Trockenheit der letzten Jahre gelitten hat, war unbegründet. Es erwartete mich ein kühler (3°), wunderbarer Morgen mit einem Wolken-Sonne-Mix, ideal zum Fotografieren.

    [su_box title=“Traumstädte wie auf einer Perlenkette“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox–smallFontSize“]

    Ich liebe die Nordharz-Autobahn, besonders im Frühjahr in der ersten Morgensonne. Der Harz liegt so unglaublich klar und kompakt vor einem, dass man sofort aussteigen und auf ihn zuwandern möchte.

    So nah wie der Harz, so nah liegen an der Nordharz-Autobahn auch die Traumstädte beieinander – wie auf einer Perlenkette. Wer Stadttouren liebt und einen Blick für den mittelalterlichen Charme hat, findet am Harz eine unglaubliche Auswahl: Ilsenburg, Wernigerode, Halberstadt, Blankenburg und Thale. Zusammen mit Goslar und Bad Harzburg am Westharz-Rand bilden sie – Jahrhunderte alt – ein einzigartiges Städte-Ensemble. Alle in wenigen Autominuten erreichbar.

    [/su_box]

    Mein Begleiter Marko Schüren (35) von der Blankenburger Tourist-Info sprudelte nur so vor Detailwissen. Man merkte, dass er neben vielen anderen Aufgaben einen aufmerksamen Blick auf die Wege und Wegweiser hat. Später stellte sich heraus: Die Sandsteinhöhlen sind sein Lieblingsplatz in Blankenburg.

    »Einmalige Naturkulisse mit Strandgefühl«

    Die Besucher, so Schüren, würden die Sandsteinhöhlen als einmalige Naturkulisse empfinden. »Man rechnet einfach nicht damit, einen großen weißen Fleck mit Höhlen tief im Kiefernwald zu finden, der noch dazu sehr fotogen ist und ein Strandgefühl auslöst.« Allerdings, so Schüren weiter, wer die Sandsteinhöhlen genießen will, für den ist ein Besuch in der Woche vormittags perfekt. Sogar bei bedecktem Himmel lohne es sich. 

    Marko Schüren zur Frage nach seinem Lieblingsplatz in Blankenburg.

    Kaum zu glauben, dass die gesamte Grundfläche des Areals früher zwei Meter tiefer gelegen war. Durch den durch Wind und Wetter abgetragenen feinen Sand sei sie immer mehr in die Höhe gewachsen.

    Von der Burgruine Regenstein sind die Sandsteinhöhlen als kurioser weißer Fleck inmitten des Kiefernwaldes, dem sogenannten »Heers«, zu sehen. Im Heers, erläutert Schüren, gebe es hier untertage eine Bundeswehrkaserne, die voll in Betrieb sei. »Es ist vermutlich die größte Untertage-Apotheke der Welt.«

    »Toll für Kinder«

    Eine Besucherin aus der Region Gifhorn, die mit ihrer Tochter und drei weiteren Kindern eigentlich über das Ecker-Loch zum Brocken wollte, kam wegen des unsicheren Wetters zu den Sandsteinhöhlen. Wir fragten die Tochter nach ihren Eindrücken und sie brachte es trotz ihres jugendlichen Alters journalistisch perfekt mit drei Worten auf den Punkt: »Toll für Kinder.« An einer Stelle, ergänzt Schüren, könnten sich Kinder durch einen Felsspalt zwängen und würden dann in einem »riesengroßen« Höhlenraum stehen.

    »Kleiner und großer Rundweg«

    Neben dem direkten Weg zu den Sandsteinhöhlen (20 Minuten, 1,2 Kilometer) gibt es noch den von uns erwanderten fünf Kilometer langen Rundweg (1,5 Stunden), sowie einen weiteren über zehn Kilometer (3 Stunden), der aber keine neuen Sehenswürdigkeiten enthält. Wer noch einen großartigen Blick ins Harzvorland genießen möchte, wandert anschließend zur Burgruine Regenstein, die relativ entspannt in 1,5 Stunden zu erreichen ist.

    [su_box title=“Viele Grenzsteine Braunschweig/Preußen“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox–smallFontSize“]

    Als jemand, der aus der Braunschweiger Region kommt, ist mir natürlich bekannt, dass Blankenburg früher zu Braunschweig gehörte. Das merkt man auf dem Wanderweg zu den Sandsteinhöhlen auf Schritt und Tritt. Immer wieder begegnet man Grenzsteinen, die auf der einen Seite ein »B« für Braunschweig haben und auf der anderen ein »P« für Preußen.

    [/su_box]

    »Entstehung der Blankenburger Sandsteinhöhlen«

    Auch wenn die Erosion durch Wind und Regen an den Sandsteinhöhlen nagt, entstanden sind sie durch Menschenhand. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts nutzte man den feinen Quarzsand zusammen mit Seife und Soda als Scheuermittel, um Steinfußböden, Dielen und Holztische zu schrubben. Durch den Sand wurden die Schmutzpartikel gut aufgenommen.

    »Drehort Sandsteinhöhlen«

    Inzwischen hat die Film- und Fernsehwelt die Sandsteinhöhlen auch als Drehort entdeckt, etwa 2016 für den Märchenfilm »Das singende, klingende Bäumchen« oder 2021 für die Folge »Hexen müssen brennen« des Polizeirufs 110 aus Magdeburg. Darüber hinaus wurden Teile des Kinderfilms »Bibi und Tina« hier gedreht.

    »Blankenburgs Vielfalt«

    Marko Schüren sieht die besondere Attraktivität Blankenburgs in der Mischung aus Natur und kulturellen Attraktionen. »Wir haben neben den Sandsteinhöhlen die Teufelsmauer und die markante Burg Regenstein. Und wir haben ein Schloss mit vier verschiedenen barocken Park- und Schlossgärten.« Als besonderen Tipp erwähnt er noch Deutschlands einziges Herbergsmuseum, das sich – gut ausgestattet – mit den wandernden Handwerksgesellen befasst.

    Aber er geht auch nicht über die Probleme Blankenburgs mit leichter Hand hinweg und spricht die Entwicklung in der Innenstadt an, die »leider nicht die touristisch schöne Ausstrahlung wie in Wernigerode« habe. Eine Herausforderung, mit der wegen der vielschichtigen Problematik viele andere deutsche Städte zu kämpfen hätten.

    »Wiedersehen in 30 Jahren«

    Als wir fast schon wieder am Parkplatz waren, kreuzte ein gut gelauntes Paar aus Bremen unseren Weg. Am Ende unseres Gesprächs über das Tannensterben im Oberharz versprachen wir uns augenzwinkernd, uns in 30 Jahren wieder zu treffen, wenn der Harz als Mischwald-Gebirge wieder ergrünt ist.

    Text, Fotos, Video und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    [su_box title=“Gesprächsfetzen“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“]

    • Blankenburg hat knapp 20.000 Einwohner.
    • Was die Besucherströme angeht, liegt Wernigerode an erster Stelle, dann folgen Goslar und kurz dahinter Quedlinburg.
    • Der Oktober ist der Monat mit den höchsten Besucherzahlen.
    • Von den Freunden der Harzer Wandernadel wurden die Sandsteinhöhlen als »Schönste   Stempelstelle des Jahres 2009« ausgewählt.

    [/su_box]

  • Wo Wilhelm Busch zuhause war: Mechtshausen

    Wo Wilhelm Busch zuhause war: Mechtshausen

    Wilhelm Busch hatte viele Talente und ist eine Art Markenzeichen von Niedersachsen. Seine tragisch-komischen Bildgeschichten wie die von »Max und Moritz«, der »Witwe Bolte« und der »Frommen Helene« machten ihn zu einem der Väter des modernen Comics. In dem kleinen Dorf Mechtshausen, das zur Stadt Seesen am Harz gehört, lebte der weltberühmte Zeichner, Maler und Dichter von 1898 bis zu seinem Tod 1908.

    Der sparsame Zeichenstil und sein Talent, die Bilder ebenso sparsam in Versform zu kommentieren, brachten ihm so viel Ruhm ein, das Kaiser Wilhelm II. zum 70. Geburtstag gratulierte. Die Kehrseite seiner satirischen Bildgeschichten, die den Zeitgeist entlarvten: Sie kosteten ihn so viel Zeit, dass andere Arbeiten, die er für wichtiger hielt, zu kurz kamen, zum Beispiel die Malerei von Motiven aus seiner niedersächsischen Heimat. In diesem Bereich seiner künstlerischen Schaffenskraft war er im Gegensatz zu seinen humorvoll-ironischen Bildgeschichten ganz der romantische Künstler.

    Wilhelm Busch Haus Mechtshausen
    Wilhelm Busch bei einem Glas Rotwein in der Garten-Grotte, die es nach wie vor gibt und die einer seiner Lieblingsplätze war. Von ihm stammt auch das Bon Mots „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“. Das Wilhelm Busch Haus in Mechtshausen liegt heute wie damals in einem verwunschenen Waldgarten.

    »Kein Spaßmacher, eher ein Pessimist«

    Wilhelm Busch galt als ernster und verschlossener Mensch, der gern zurückgezogen in der Provinz lebte. Häufig wurde er als Spaßmacher missverstanden. Wie das böse Ende von »Max und Moritz« zeigt, war er aber alles andere als das, sondern wohl eher ein Pessimist mit schwarzem Humor, bei dem der Einfluss des Philosophen Arthur Schopenhauer spürbar war.

    [su_box title=“Mechtshausen: Ein Dorf mit Herz zwischen Harz und Heber“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“]
    Zu Zeiten von Wilhelm Busch war Mechtshausen noch eine 500-Einwohner-Gemeinde. Heute sind es zwar nur noch 350, die aber sehr aktiv und füreinander da sind. Der Ort schmiegt sich im Westen an den Höhenzug Heber. Von einer Bank am Waldrand hat Wilhelm Busch gern hinüber zum Harz geschaut. Der 2 Kilometer lange Wilhelm Busch Wanderweg führt hier vorbei. Durch die Nähe zur Autobahn A7 ist ein Abstecher nach Mechtshausen von der Abfahrt aus in wenigen Minuten möglich.[/su_box]

    Mit scharfer Beobachtungsgabe griff er in seinen Bildergeschichten die Eigenarten bestimmter Menschen oder Gesellschaftsgruppen auf wie die Selbstzufriedenheit und Doppelmoral des Spießbürgers. Dabei erzielte er die Hauptwirkung durch eine Mischung von Bekanntem mit Unerwartetem sowie Überspitzungen. Wilhelm Busch, so heißt es, soll auch andere humoristische Dichter inspiriert haben, etwa Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz, Christian Morgenstern, Eugen Roth und Heinz Ehrhardt.

    [su_quote]

    Geflügelte Worte von Wilhelm Busch

    »Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr«

    »Eins, zwei, drei. Im Sauseschritt Läuft die Zeit; wir laufen mit«

    »Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben«

    »Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung«

    »Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt«

    »Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich«

    »Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör«

    »Stets findet Überraschung statt, Da wo man´s nicht erwartet hat«

    »Das Ewige ist stille, laut die Vergänglichkeit; schweigend geht Gottes Wille über den Erdenstreit«

    »Wenn andre klüger sind als wir, das macht uns selten nur Pläsier,
    doch die Gewissheit, dass sie dümmer, erfreut fast immer«

    »Bist Du wütend,
    zähl bis vier, hilft das nicht,
    dann explodier!«
    [/su_quote]

    Ein weiteres Museum gibt es in seinem Geburtshaus in Wiedensahl, zwischen Hannover und Minden, wo Wilhelm Busch 1832 als ältestes von sieben Kindern auf die Welt gekommen ist. Die meisten Exponate des Künstlers befinden sich in Hannover in einem Museum mit dem langen Namen »Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst«.

    Hat Wilhelm Busch die Kirschbäume noch selbst gepflanzt?

    So geht jedenfalls das Gerücht in dem kleinen Dorf Mechtshausen. Hier hat Wilhelm Busch in dem damaligen Pfarrhaus die letzten zehn Jahre seines Lebens von 1898 bis 1908 gewohnt. Das Grundstück: Ein damals wie heute verwunschener Waldgarten. Der Blick, den Wilhelm Busch so genossen hat, geht im Osten hinüber zum Harz und im Westen zum Höhenzug Heber. Wie viele Besucher kommen heute in das Wilhelm Busch Haus? Gibt es Anekdoten aus dem damaligen Dorfleben? Welche Pläne gibt es, um das Museum noch attraktiver zu machen?  Wir sprachen mit Reinhard Skott, Mitglied des Fördervereins des Wilhelm Busch Hauses.

    Harz-Beat: Herr Skott, schon bei der Anreise nach Mechtshausen fühlt man sich in die damalige Zeit versetzt. Die Straße führt durch Lindenalleen an dem Flüsschen Nette entlang und der Ort selbst strahlt durch die üppige Natur Ruhe und Gelassenheit aus.

    Dieser Eindruck ist auch deshalb richtig, weil wir keinen Durchgangsverkehr haben. Die Straße endet hier bei uns. Und noch etwas ist besonders: Unter den heute 350 Einwohnern gibt es ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

    [su_row]
    [su_column size=“1/2″ center=“no“ class=““]

    [videopack id=“5985″]https://www.harz-beat.de/wp-content/uploads/2022-07_wilhelm-busch-haus/video-statement-reinhard-skott.mp4[/videopack]

    [/su_column]
    [su_column size=“1/2″ center=“no“ class=““]

    Reinhard Skott’s Lieblingsgeschichte von Wilhelm Busch und sein Lieblingsplatz im Harz. Er ist Mitglied des Fördervereins des Wilhelm Busch Hauses.

    [/su_column]
    [/su_row]

    Harz-Beat: Hat Wilhelm Busch noch Fans, die regelmäßig nach Mechtshausen kommen?

    Vor Corona hatten wir vier Jahre nacheinander im Garten eine Open-Air-Ausstellung der namhaftesten deutschsprachigen Karikaturisten. Die Veranstaltung haben wir gemeinsam mit der Berliner Cartoon Fabrik organisiert. Bei der abendlichen Eröffnung war jeder mit einer Taschenlampe bewaffnet und es war schon ungewöhnlich von den verschiedensten Stellen des Waldgartens vielfältiges Gelächter zu hören. Es kann sein, dass wir diese Veranstaltungsreihe wieder aufleben lassen.

    »Schlaraffen sorgen für einen Hauch Karneval«

    Und einmal im Jahr kommen die sogenannten »Schlaraffen« zu uns. Eine kunterbunte Truppe, die einen besonderen Humor pflegt und in Mechtshausen für einen Hauch von Karneval sorgt. Es sind überwiegend hoch-honorierte Leute, darunter Abgesandte von Universitäten. Sie machen hier bei uns einen Wilhelm-Busch-Trail, gehen ins Haus, wandern auf dem zwei Kilometer langen Wilhelm-Busch-Pfad, besuchen die Grabstätte auf unserem Friedhof und treffen sich zum Abschluss in unserer Dorfkneipe.

    Harz-Beat: Wie viele Besucher kommen durchschnittlich im Jahr und wie stark ist das Medieninteresse?

    Vor der Corona-Zeit waren es 1300 bis 1800 Besucher. Viele erreichen uns über die nahe Autobahn, weil sie zufällig ein Hinweisschild gesehen haben. Auch zu bestimmten Feierlichkeiten kommen viele. Zu »150 Jahre Hans Huckebein«, dem Unglücksraben, gab es sogar einen internationalen Zuspruch. Es kamen Gäste aus Japan und ein Fernsehteam aus Tschechien. Max und Moritz gibt es ja in 200 Übersetzungen.

    »Wie bescheiden er lebte, beeindruckt viele«

    Im Übrigen ist das Interesse aus den ostdeutschen Bundesländern besonders stark. Viele verfügen über ein recht umfangreiches Wissen, da in den Haushalten das »dicke Wilhelm Busch Buch« zur Ausstattung gehörte. Darüber hinaus kennen die ostdeutschen Besucher Wilhelm Busch aus ihrer Schulzeit. Teilweise hat man ihn zu DDR-Zeiten ja auch als Revolutionär mit vereinnahmt. Viele fühlen sich von der Art und Weise unseres kleinen Museums angesprochen und sie sind beeindruckt, dass dieser bekannte Mann in so bescheidenen Verhältnissen gelebt hat.

    Lieblingsgeschichte von Wilhelm Busch und Lieblingsplatz im Harz

    [su_row]
    [su_column size=“1/3″ center=“no“ class=““]

    Sidney Grownica
    [videopack id=“6001″]https://www.harz-beat.de/wp-content/uploads/2022-07_wilhelm-busch-haus/video-statement-sidney-grownica.mp4[/videopack]

    [/su_column]
    [su_column size=“1/3″ center=“no“ class=““]

    Heide Lühr-Hassels
    [videopack id=“5999″]https://www.harz-beat.de/wp-content/uploads/2022-07_wilhelm-busch-haus/video-statement-heide-luehr-hassels.mp4[/videopack]

    [/su_column]
    [su_column size=“1/3″ center=“no“ class=““]

    Ulrich Hassels
    [videopack id=“6000″]https://www.harz-beat.de/wp-content/uploads/2022-07_wilhelm-busch-haus/video-statement-ulrich-hassels.mp4[/videopack]

    [/su_column]
    [/su_row]

    Harz-Beat: Womit befasste sich Wilhelm Busch als er 1898 ins Mechtshausener Pfarrhaus einzog?

    Zwar malte und zeichnete er nicht mehr, aber er schrieb rund 100 Gedichte. Darüber hinaus ist in über 400 Briefen dokumentiert, was ihn auf seiner letzten Lebensstation bewegte. So setzte er sich viel mit philosophischen Fragen auseinander, vor allem mit der Philosophie Schopenhauers. Sein reger Briefwechsel und seine Gedichte spiegeln diese philosophischen Gedankengänge wider. In Mechtshausen vollendete er auch sein lyrisches Werk »Schein und Sein«.

    Harz-Beat: Sie sind selbst auch künstlerisch tätig, Herr Skott. Hat Wilhelm Busch Sie in irgendeiner Weise inspiriert?

    Ich habe einmal versucht, seine Figuren in einem Bild zu erfassen, aber schnell gemerkt, dass man unwahrscheinlich lange daran arbeiten muss, um den Charakter der Figuren überhaupt nur annähernd wiederzugeben. Die Art und Weise der Technik seiner Zeichnungen ist für mich ein Phänomen.

    »Drei herausragende Begabungen: Scharfe Beobachtungsgabe sowie Zeichen- und Dichtkunst«

    Und seine scharfe Beobachtung aller unserer menschlichen Schwächen, ist natürlich eine ganz besondere Begabung, die wir heute nur bei unseren besten Karikaturisten und Komödianten wiederfinden. Das begeistert mich total. Ist es nicht wunderbar wie er den Alkoholmissbrauch in der »Frommen Helene« aufspießte: »Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör.« Wilhelm Busch war aus meiner Sicht mit gleich drei herausragenden Begabungen gesegnet, seiner scharfen Beobachtungsgabe sowie seiner Zeichen- und Dichtkunst.

    [su_box title=“Dorfbewohner auf falscher Fährte“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox–smallerFont“]

    Wilhelm Busch galt als Einzelgänger. Dazu erzählt Reinhard Skott folgende Geschichte:

    Die Leute im Dorf haben lange nicht gewusst, wer hier eigentlich lebt. Irgendwann ist ihnen dann über den damaligen Lehrer »Max und Moritz« zu-gespielt worden. In ihrem ersten Eindruck haben die Dorfbewohner angenommen, dass es wohl Personen aus dem Dorf sein müssten, die hier karikiert worden sind. Und dann haben sie den Schmid von Mechtshausen, der gleichzeitig auch der Friseur des Ortes war, animiert, »wenn er zu dir kommt, frag ihn, wen er damit im Einzelnen gemeint hat«. Das hat er dann wohl auch versucht, musste aber feststellen, je mehr er Wilhelm Busch bedrängte, Auskunft zu geben, desto schweigsamer wurde dieser und desto geringer fiel das Trinkgeld aus. Fragte er dagegen nicht, gab es ein höheres Trinkgeld. Darauf hin hat er die ihm übertragene Aufgabe anders geregelt.

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    Harz-Beat: Wer das alte Pfarrhaus erlebt, stellt fest, dass die Räume großzügig konzipiert worden sind.

    Man wusste eben 1880, als das Haus etwa erbaut wurde, dass die Pfarrer viele Kinder haben. Die Räume von Wilhelm Busch mit Blick auf den Heber sind zum größten Teil original-getreu erhalten geblieben. Sie bestehen aus einem Wohnzimmer und einem Schlafzimmer, wo er auch gestorben ist.

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    Im Originalzustand: Das Wohn- und das Schlafzimmer von Wilhelm Busch.

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    Wenn Schülergruppen zu uns kommen, werden wir meistens gefragt, wo er denn sein Badezimmer hatte, und wir zeigen dann auf einen Wasserkrug und eine größere Schüssel in der Ecke.

    Harz-Beat: Wie war es in dieser Zeit finanziell um Wilhelm Busch bestellt?

    Als er hier einzog und hier lebte war er bereits ein vermögender Mann, davor hat er allerdings lange Durststrecken erleben müssen. Aber er war mit Max und Moritz und allem was danach kam sehr erfolgreich. Er hat nicht nur die Pfarrerskinder bildungsmäßig gefördert, sondern auch in Hannover viel Geld spendiert für die Betheler Anstalten und ein weiteres Krankenhaus.

    Harz-Beat: Wilhelm Busch ist in Wiedensahl geboren und hat dort lange gelebt. Wodurch ist er nach Mechtshausen gekommen?

    Ja, er hat in Wiedensahl die längste Zeit seines Lebens verbracht. Nach Studienaufenthalten in Antwerpen und Düsseldorf kam er immer wieder in das dortige Haus der Familie, in dem er auch geboren ist, zurück. 1872 zog er dann zu seiner Schwester nach Wiedensahl. Sie war mit einem Pastor verheiratet. Als dieser starb, wechselte Wilhelm Busch mit seiner Schwester und ihren drei Jungen ins Pfarrwitwenhaus und kümmerte sich auch um die Ausbildung der Kinder: einer wurde Lehrer, zwei studierten Theologie. Sein Neffe Otto Nöldeke bekam dann 1898 die Pfarrstelle in Mechtshausen und nahm seine Familie samt Mutter und Onkel Wilhelm mit.

    Die meisten Exponate seiner Schaffenszeit befinden sich aber in Hannover im »Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst«. Wir haben sogar einen Teil unserer Exponate von dort zur Verfügung gestellt bekommen.

    Harz-Beat: Er soll Zeit seines Lebens bedauert haben, viel zu wenig die von ihm so geliebte niedersächsische Landschaft gemalt zu haben, weil er Geld verdienen musste.

    Das ist die eine Sache. Eine andere: Er meinte, wie so viele Künstler vor und nach ihm, nicht genügend Talent zu besitzen. Er war ja durch seinen Aufenthalt in Antwerpen stark an den holländischen alten Meistern orientiert. Das sieht man auch an einigen seiner Werke. Im Grunde hat er sich aber deren hohe Malkunst nicht zugetraut.

    Harz-Beat: Wie sehen die Zukunftspläne für das Wilhelm Busch Haus aus?

    Die Außenfassade und das Dach sind im Einvernehmen mit dem Denkmalschutz gerade restauriert worden. Der nächste Schritt ist der Ausbau und die Restaurierung von bisher als Abstellflächen genutzter Räume. Hier sollen schon in Kürze Workshops mit Kindern stattfinden. Und wir können uns auch vorstellen, dass Kunst-Stipendiaten hier leben und arbeiten.

    »Ausstellung der Künstlergilde Harz«

    Die ehemaligen Wohnräume der Pastorenfamilie Nöldeke werden schon lange für Ausstellungen genutzt. So findet hier noch bis zum 15. August 2022 eine Gemeinschaftsausstellung der Künstlergilde Harz statt. Ob im Haus oder im Garten, zu unserem Programm gehören viele unterschiedliche Veranstaltungen.

    Text, Fotos, Videos, Interviews und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    [su_box title=“Öffnungszeiten“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox–smallerFont“]

    Do., Fr., Sa., So. 15 -17 Uhr

    Pastor-Nöldeke-Weg 7
    38723 Seesen-Mechtshausen

    Tel. 05384-90886 und 05384-612
    Email: post@wilhelm-busch-haus.de

    [/su_box]

    Nicht für Touristen (im Gespräch unter Besuchern aufgeschnappt)

    • Es ist so typisch für den Harz, dass Vieles gar nicht publik gemacht wird. Immer gibt man sich bescheiden und möchte eigentlich gar nicht entdeckt werden, während man in Bayern jeden Stein blau-kariert anstreicht und als 8. Weltwunder hinstellt.
    • Wilhelm Busch würde sich als Lehrstoff an der Schule eignen. Aber selbst in der Grundschule des Nachbarortes Rhüden taucht er nicht auf, trotz des Identifikationspotentials für die Jugend.
    Wilhelm Busch mit Else und Otto Nöldeke sowie deren Kindern
    Wilhelm Busch mit Else und Otto Nöldeke sowie deren Kindern Ruth, Martin und Anneliese.
    Foto: Rudolf Dührkoop, Hamburg
    Wilhelm Busch im Kreise der Familie Nöldeke
    Wilhelm Busch (2. v.r.) 1899 in der Efeugrotte in Mechtshausen im Kreise der Familie Nöldeke.

    [su_box title=“Blick in die Medien“ box_color=“#c83737″ title_color=“#ffffff“ class=“infobox–redBorder“]

    Katharina Thalbach ist Wilhelm Busch Fan

    Für die Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach ist Wilhelm
    Busch der Erfinder des deutschen Comics. »Ich mag seine Helden: ungezogene Kinder, streitende Paare, versoffene Kleriker, Männer auf Brautschau oder ein Rabe, der nur Zerstörung hinterlässt«, sagte sie in der Ausgabe vom 4. Januar 2026 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

    Thalbach verweist auf ein musikalisches Wilhelm-Busch-Programm, an der
    auch ihr Bruder Pierre Besson und der Komponist Torsten Rasch mitwirken.
    Das Stück heißt »Sauerkohl und Missetaten« und hat am 20. Januar 2026 an der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin Premiere.

    Es handelt sich, so Katharina Thalbach, um neue Lieder, die aus Buschs
    Gedichten entstanden sind. Seine makabre Komik erinnere sie oft an
    britischen Humor. »Es ist mir immer noch sehr präsent, wie mir meine Mutter
    und meine Oma als Max und Moritz in schlabbrigen Männerunterhosen aus
    dem riesigen Buch, das wir zu Hause hatten, Geschichten vorgetragen
    haben«, macht Thalbach deutlich, wie eng Wilhelm Busch in ihrer Familie
    verwurzelt war.[/su_box]