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  • Frühling im Tal, Neuschnee auf dem Brocken

    Frühling im Tal, Neuschnee auf dem Brocken

    Auf dem Weg von Bad Harzburg zum Torfhaus erwartete den Wanderer am 4. Mai dieser reizvolle Kontrast. Während am Marienteich der Frühling Einzug hielt, war auf dem Brocken im Harz Neuschnee gefallen.

    Die beiden Standorte von denen die Bilder gemacht wurden, lagen nur wenige Schritte voneinander entfernt. Für das Bild vom Brocken hat der Fotograf Heinz-Helmut Heidenbluth allerdings mit Teleobjektiv gearbeitet.

    Der Weg von Bad Harzburg (Parkplatz Taternbruch) zum Marienteich führt überwiegend leicht bergauf, zunächst durch das Radautal, dann durch das sehr schöne Tal der Baste, in dem immer wieder kleine Wasserfälle auftauchen. Vom Marienteich sind es nur wenige Minuten bis zur Marienteichbaude. Dazu muss man allerdings die vielbefahrene B4 überqueren.

    Der 120 Meter breite und etwa genauso lange Marienteich, der durch einen aufgeschütteten Damm entstanden ist, wird durch den Marienbach gespeist. Er entspringt im südlich gelegenen Hochmoor Marienbruch.

    Text und Gestaltung: Michael und Jochen Hotop

  • Der schönste Weg zum Brocken führt durch das Ilsetal

    Der schönste Weg zum Brocken führt durch das Ilsetal

    Herrliche, sonnenbeschienene Buchenwälder und ein munteres Flüsschen, das sich zwischen mächtigen Granitbrocken seinen Weg bahnt: Es gibt nur wenige Täler im Harz, die so wildromantisch und abwechslungsreich sind. Zu recht hat Heinrich Heine dem Ilsetal in seiner »Harzreise« ein literarisches Denkmal gesetzt und darin auch die Sage von der Prinzessin Ilse anklingen lassen. Es ist der wohl schönste Weg zum Brocken, jedenfalls was den ersten Teil, die Wanderung durchs Ilsetal, angeht. Den weiteren Aufstieg zum höchsten Harzgipfel nehmen wir allerdings nicht in Angriff, sondern biegen hinter den Oberen Ilsefällen an der Roten Brücke ab zur Plessenburg. Von dort geht es über den Ilsestein zurück nach Ilsenburg.

    Tausende machen sich im Laufe eines Jahres auf den Weg zum Brockengipfel, dem meistbesuchten Berg Deutschlands. Wie kommt man zum malerischen Heinrich-Heine-Wanderweg? Nach einer kurzen Fahrt durch den Luftkurort Ilsenburg, ist man schnell am Parkplatz »Erlebniswald Ilsetal« und folgt

    An einem solchen Herbstmorgen kann Wandern wirklich glücklich machen.

    für rund einen Kilometer auf einem angenehmen Fußweg der nichtöffentlichen Straße, vorbei an Hotels, Ferienhäusern und einem Wohnmobilstellplatz in üppiger Natur. Der Heinrich-Heine-Weg beginnt dann am Hotel »Am Ilsestein«.

    »Einmalige Lichtstimmung«

    Nun taucht man endgültig ein in ein Tal der Sagen und Mythen, genießt die Lichtstimmung in den Baumwipfeln und das Glitzern des Wassers. Der Weg führt etwa vier Kilometer am Ufer der Ilse entlang. Wer die Flussseite wechseln möchte, hat durch verschiedene Brücken immer wieder die Möglichkeit. Eine nahe, fest ausgebaute Talstraße wird gern von Mountainbikern genutzt sowie von Wanderern, die schnell voran kommen möchten.

    »Rendezvous mit einer Wasseramsel«

    Wir dagegen bleiben dicht am Ufer, bewundern die erstaunlichen Felsformationen und freuen uns über die urwüchsige, manchmal wilde Natur, etwa, wenn drei bis vier Baumstämme mikado-mäßig übereinander liegen, darunter das tosende Wasser der Ilse.

    An einer anderen Stelle wartet ein Fotograf geduldig auf ein Rendezvous mit einer Wasseramsel, die es hier zahlreich gibt. »Sie liebt es in der Ilse zu baden und nach Fliegenlarven zu tauchen», erzählt der Fotograf.

    »Warum Waldspaziergänge so gesund sind«

    Die Natur mit ihren vielen Sinneseindrücken war nicht nur für Heinrich Heine eine Quelle der Inspiration, vor allem, wenn man wandernd unterwegs ist. Dies unterstreicht Goethe mit den Worten: »Nur wo du zu Fuß warst, da bist du wirklich gewesen.« Heinrich Heine ging im September 1824 zu Fuß von Göttingen über Northeim, Osterode, Clausthal und Goslar zum Brocken und ins Ilsetal. Die wohltuenden Wirkungen der Natur auf Körper, Geist und Seele entdecken heute zunehmend auch junge Leute wieder. Das zeigen uns die Begegnungen während unserer Tour durchs Ilsetal.

    »Der sagenumwobene Ilsestein«

    Einst – so geht die Sage – soll es auf dem mächtigen Gipfel des Ilsesteins eine Burg gegeben haben, in der ein König mit seiner lieblichen Tochter Ilse lebte und in die sich ein Junker verliebte. Eben diesen Junker hatte aber auch eine reiche, missgünstige Zauberin für ihre Tochter – bekannt für ihre bösen

    Augen und ihre gehässigen Reden – als Mann erkoren. Mit ihrer ganzen Zauberkraft soll sie ein unbeschreibliches Unwetter herauf beschworen haben, so dass vom Brocken verheerende Wassermassen zu Tal stürzten und Klippe um Klippe sowie die Burg und ihre Bewohner hinab in die Tiefe rissen.

    Mehrere Köhler sahen das grausige Schauspiel und bemerkten aber auch, als Ilse langsam hinabsank, dass eine mächtige Gestalt die Prinzessin aufhob und forttrug. Am Schluss der Sage heißt es dann: »Die holde Königstochter wohnt noch immer im Ilsestein, und vorzeiten hat sie mancher gesehen, wenn sie im schimmernden Gewande, die Krone auf den blonden Haaren, aus dem Felsspalt hervorgetreten ist. Dann hat sie sich im Wasser der Ilse gebadet und ist mit Sonnenaufgang wieder verschwunden.

    Alle aber, welche sich der Prinzessin keuschen Herzens nähern, überschüttet sie mit Wohltaten; demjenigen dagegen, der unreinen Herzens die Badende überraschen will, sprengt sie Wasser in die Augen und verwandelt ihn in eine alte, zottige Tanne.«

    »Ein ganz Großer der Waldwirtschaft«

    Kurz hinter dem Ilsestein liegt der Zanthierplatz, eine kleine Lichtung mit einem Hinweis auf den im 18. Jahrhundert gelebten Oberforstmeister Hans Dietrich von Zanthier. Statt gleichgültig mit den Schultern zu Zucken, sollte man hier eigentlich eine Gedenkminute einlegen, denn Zanthier gründete in Ilsenburg die erste forstliche Lehranstalt Deutschlands und gilt als Wegbereiter moderner, nachhaltiger Waldbewirtschaftung (Foto siehe unten in der Bildergalerie).

    Die Natur spielt im Ilsetal Mikado.

    »Der Weg der Ilse zur Nordsee«

    Auf dem Weg durchs Ilsetal begleiten den Wanderer zahlreiche Hinweistafel. So erfahren wir, dass die Ilse im Brockenbett in 1000 Metern Höhe entspringt, nach etwa 30 Kilometern bei Börßum in die Oker mündet, die wiederum in die Aller fließt. Diese vereinigt sich bei Verden mit der Weser, so dass das Wasser der Ilse schließlich bei Bremerhaven in die Nordsee gelangt.

    »Die Unteren und Oberen Ilsefälle«

    Poetischer als Heinrich Heine in seiner »Harzreise« hat wohl kaum jemand dem Flüsschen Ilse gehuldigt: »Es ist unbeschreiblich, mit welcher Fröhlichkeit, Naivität und Anmut die Ilse sich hinunterstürzt über die abenteuerlich gebildeten Felsstücke, die sie in ihrem Laufe findet, sodass das Wasser hier wild emporzischt oder schäumend überläuft, dort aus allerlei Steinspalten, wie aus tollen Gießkannen, in reinen Bögen sich ergießt und unten wieder über die kleinen Steine hintrippelt, wie ein munteres Mädchen. Ja, die Sage ist wahr, die Ilse ist eine Prinzessin, die lachend und blühend den Berg hinabläuft. Wie blinkt im Sonnenschein ihr weißes Schaumgewand!«

    Vor den Unteren Ilsefällen wechseln wir auf die Ostseite des Flüsschens. Der schmale Weg führt jetzt über kleine Felsstufen und wird auf 1200 Metern deutlich anspruchsvoller. Dabei gehen die Unteren Ilsefälle nahtlos in die Oberen über. Gut vorstellbar, dass die Ilse nach der Schneeschmelze im Frühjahr zu einem tosenden Ungeheuer wird, wie es einer der Wanderer formulierte.

    Sabine und Karsten Muhlert sind bereits zum 12. Mal hier. Sie kommen aus Hannover und wollen zum Brocken. Das Ilsetal ist einfach »traumhaft«, sagen sie.
    Maike Boß und Maximilian Lux sind zum ersten Mal im Harz und wollen hier eine Woche wandern. Sie kommt aus Bonn, er aus Chemnitz. Die beiden haben sich im letzten Jahr auf dem Jakobsweg kennengelernt.
    Anni Wilhelm fotografiert aus privatem Interesse die letzten Urwälder Deutschlands und will nach dem Ilsetal auch noch ins Bodetal. An ihrem ersten Tag hat Wilhelm, die in Nürnberg Software-Entwicklerin ist, den Brocken bei Sonnenaufgang erlebt, mit einem Wolkenmeer unter sich. »Fantastisch!«

    »Kontrastprogramm«

    Während der Weg durchs Ilsetal vor allem durch Buchenwälder geprägt ist, dominiert Richtung Plessenburg der Tannenwald. Immer wieder gibt es dabei reizvolle Ausblicke ins Ilsetal. Am Wegesrand zuweilen mächtige Granitfelsen.

    Wer bei dem Namen Plessenburg eine Trutzburg, ein Felsennest, erwartet, wird enttäuscht. Der heimelige Flecken, der nach einem Herrn von Pleß benannt wurde, besteht aus einem Forsthaus sowie einem 1776 erbauten Jagdhaus, das heute als Waldgaststätte den Wanderer erfreut.

    Ein perfekter Tag an der Plessenburg.

    »Paternosterklippe mit einer malerischen Kulisse«

    Unser nächstes Ziel ist die Paternosterklippe. Um diese schön gelegene Felsattraktion zu erreichen, gehen wir von der Plessenburg zunächst ein Stück auf einer Forststraße nach Nordwesten, bis wir zu einem großen Wegekreuz gelangen. Von dort nehmen wir einen

    Zu den markanten Naturschönheiten des Ilsetals gehört auch die Paternosterklippe.

    horizontal verlaufenden, sehr bequemen Pfad, bewundern die Drachenflieger und sehen zwischen den Bäumen ab und an den Brockengipfel. Der markante Fels der Paternosterklippe fällt sofort ins Auge und ergibt zusammen mit dem Herbstkleid der Buchen eine malerische Kulisse.

    »Mit phantastischen Reizen geschmückt: Der Ilsestein«

    Nach weiteren zwei Kilometern Fußmarsch, sind wir schließlich am Ilsestein, den die Natur nach den Worten Heinrich Heines mit phantastischen Reizen geschmückt hat. Kann es wirklich sein, dass hier einmal eine Burg gestanden hat? Offensichtlich hatte auch Heinrich Heine 1824 seine Zweifel, denn er

    Auf dem 473 Meter hohen Ilsestein steht das wohl schönste Gipfelkreuz des Harzes.

    schreibt: »Der Ilsefelsen ist ein ungeheurer Granitfelsen, der sich lang und keck aus der Tiefe erhebt. Von drei Seiten umschließen ihn die hohen, waldbedeckten Berge, aber die vierte, die Nordseite, ist frei, und hier schaut man in das unten liegende Ilsenburg und die Ilse, weit hinab ins niedere Land. Auf der turmartigen Spitze des Felsens steht ein großes eisernes Kreuz, und zur Not ist da noch Platz für vier Menschenfüße.«

    Auch Heinrich Heine genoß schon die Aussicht vom Ilsestein – mit einem schönen Blick auf Ilsenburg.

    Allerdings hat man auf dem Südharz des Ilsesteins bei Ausgrabungen wahrhaftig die Grundmauern einer Burg entdeckt. Vermutlich handelte es sich dabei aber lediglich um einen 1033 errichteten Turm mit einem Schutzwall. Anders als in der Sage durch eine böse Hexe, soll die Burg 1107 aber auf Geheiß des Papstes zerstört worden sein.

    Voll praller Eindrücke machen wir uns auf den Rückweg vom 473 Meter hohen Ilsestein durch herrlichen Buchenwald zurück nach Ilsenburg, das auf einer Höhe von rund 300 Metern liegt.

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    [su_box title=“Ilsenburg lebt nicht nur vom Tourismus“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″]

    Neben dem Fremdenverkehr hat Ilsenburg auch eine lange Industrietradition, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, als in der Region Eisen gewonnen und verarbeitet wurde. Und heute? In dem Gewerbegebiet vor der Stadt sind Werke der ThyssenKrupp AG und der Ilsenburger Grobblech, einer Tochter der Salzgitter AG, ansässig.

    In einem aktuellen Ranking der Größten Unternehmen Sachsen-Anhalts, belegt Thyssen mit über 1900 Mitarbeitern, davon 1000 in Ilsenburg, Platz 14, während die Salzgitter-Tochter mit knapp 800 Beschäftigten auf den 35. Platz kommt. »Wir haben in Ilsenburg die Vollbeschäftigung erreicht«, freut sich Bürgermeister Dennis Loeffke und geht auch für die kommenden Jahre von einer gleichbleibend guten Entwicklung aus.

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    Wanderung in Bildern:
    Ilsenburg – Ilsetal – Ilsefälle – Rote Brücke – Plessenburg – Paternosterklippe – Ilsestein – Ilsenburg

  • Glen Els: Das Whisky-Wunder von Zorge

    Glen Els: Das Whisky-Wunder von Zorge

    Ja, tatsächlich, in Zorge im Südharz gibt es eine Whisky-Destillerie, der es gelungen ist, sich in der Welt der erlesenen Malt´s einen besonderen Namen zu machen. Kein geringerer als Jim Murray pries die Erzeugnisse in seiner Whisky-Bibel als absolute Spitzenprodukte, auch im Vergleich mit schottischen Malt´s. Die mit Harzwasser produzierten, insgesamt 200 Whisky-Sorten werden unter der Dachmarke »Glen Els« verkauft; destilliert in der sogenannten »Hammerschmiede« in Zorge, deren Verkaufsräume zu einem Anziehungspunkt für Touristen geworden sind. Zur derzeit guten Whisky-Nachfrage sagt Unternehmenschef Alexander Buchholz: »Wir produzieren im Jahr 30.000 Flaschen. Wenn ich wollte, wären diese bereits im Februar abverkauft.«

    Harz-Beat: Wieviele Besucher waren 2018 bei Ihnen in Zorge und wie groß war der Anteil derjenigen, die etwas mitgenommen haben?

    Buchholz: Es waren über 20.000 bei einer Kaufquote von 60 Prozent, das heißt, gut die Hälfte unserer Produktion an Glen Els Whisky geht über den Ladentisch unseres Destillerie-Shops. Knapp 15.000 Flaschen werden über den Handel abgesetzt, auch über unseren Online-Shop mit einer nicht unbeträchtlichen Menge.

    »Der Sichelmond der Touristenströme«

    Harz-Beat: Unter Ihren Besuchern sind viele Touristen. Kommen diese Kunden aus dem näheren Umfeld des Südharzes?

    Buchholz: Eher weniger. Sie müssen sich die normalen Touristenströme wie einen Sichelmond vorstellen, der sich – vereinfacht gesagt – von Goslar im Westen bis Wernigerode im Osten und bis Braunlage im Oberharz erstreckt. In diesem Sichelmond ist – touristisch gesehen – relativ viel los. Dann gibt es noch ganz, ganz leichte Ausreißer mit St. Andreasberg und Bad Lauterberg, wo sich noch ein bißchen was tut. Hier im Südharz, das heißt in Zorge, Wieda und Walkenried ist nicht im Ansatz so viel los wie in Braunlage.

    Das beeindruckende Lager der Hammerschmiede umfasst rund 700 Fässer.

    Harz-Beat: Also nehmen viele Touristen durchaus eine längere Anreise in Kauf, um zu Ihnen zu kommen? Dann kann man doch mit Fug und Recht sagen, dass Sie für den Südharz so etwas wie ein Besuchermagnet sind.

    Buchholz: Wir verstehen uns nicht als Leuchtturm, sondern als nichts weiter als einen Baustein. Das Problem ist, dass es kaum weitere Bausteine gibt. Der Gast braucht für die Anreise etwa aus Wernigerode rund eine Stunde. Wenn er sich dann bei uns zwei Stunden aufhält, taucht schnell die Frage auf: »Was machen wir nun?« Daher freue ich mich, dass in diesem oder im nächsten Jahr im Kloster Walkenried ein Welterbe-Infozentrum eröffnet wird. Dann kann sich der Gast ohne Weiteres einen ganzen Tag im Südharz aufhalten.

    Harz-Beat: Gehen Sie da nicht ein wenig zu hart mit dem Südharz ins Gericht?

    Buchholz: Die Natur hier ist echt geil. Wanderer und Mountainbiker finden hier ein kleines Paradies vor. Aber auch diese Touristen wünschen sich Unterkünfte, die auf der Höhe der Zeit sind. In Zorge zum Beispiel gibt es 400 Pensionsbetten. 100 davon sind wirklich top, aber bei den anderen möchte man den Inhabern zurufen: »Tut doch endlich mal was!« Es ist der falsche Weg, über Jahrzehnte zu sagen: »Dann machen wir es eben noch ein paar Euro günstiger.« Diese Einstellung muss sich ändern, um der Entwicklung wieder eine positive Richtung zu geben.

    Gute Berichte über den Südharz sind ebenfalls ein kleiner Baustein, der aber nur dann auf einen Erfolgsweg führt, wenn die Region auch wirklich gut ist. Ansonsten setzt man seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Was ich mir für Zorge wünschen würde, wäre ein Gesamtkonzept.

    Die Hammerschmiede von außen.

    »An nachhaltiger Entwicklung interessiert«

    Harz-Beat: In Ihrem Unternehmen läuft es hervorragend. Sie könnten erheblich mehr Flaschen absetzen, als Sie herstellen. Denken Sie daran, die Produktion hochzufahren?

    Buchholz: Unsere Branche ist nicht vergleichbar etwa mit der Herstellung von Schrauben, wo Sie sich heute eine neue Maschine anschaffen und morgen die doppelte Menge produzieren können. Ein Whisky muss – so will es der Gesetzgeber – mindestens drei Jahre alt sein, das heißt aber nur, dass er dann verkauft werden darf, aber nicht, dass er bereits ausgereift ist. Das ist er in den meisten Fällen nämlich erst nach 5 bis 10 Jahren. Das Problem ist: Der Markt kann in dieser Zeit völlig anders aussehen. Daher sind wir mehr an einer nachhaltigen Entwicklung interessiert. Die 10 Mitarbeiter, die hier tätig sind und wir in der Geschäftsführung können davon leben. Das reicht uns vollkommen aus. Der Whisky-Markt ist traditionell eine Achterbahnfahrt. Das war nie anders.

    »Die Reifezeit des Glen Els kann man schmecken«

    Harz-Beat: Sie sind 34, Diplom-Kaufmann, haben neben Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft auch neuere und mittlere Geschichte studiert. Welches ist Ihre Hauptaufgabe im Unternehmen?

    Buchholz: Es nennt sich Master-Destiller. Ich bin also für den gesamten Destillationsprozess verantwortlich.

    Harz-Beat: Welche Eigenschaft sollte ein Master-Destiller unbedingt mitbringen?

    Buchholz: Geduld! Gerade die Juwelen unter den Malt´s benötigen eine lange Reifezeit, Zeit, die man schmecken kann. Dabei hat jeder Master-Destiller natürlich seine Geheimnisse.

    [su_box title=“Buchholz: »Die Whisky-Herstellung passt einfach zum Harz«“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“]

    Was war für Alexander Buchholz der Auslöser, im Harz mit der Whisky-Herstellung zu beginnen? »Das passt einfach hierher«, betont er. Das gute Harzer Gebirgswasser sei das absolute A & O für einen Whisky von Format. Eine weitere wichtige Zutat: das Malz der Gerste.

    Gerste war nach seinen Worten im Harz früher das einzige Getreide, das bis zu einer Höhe von 900 Metern ernsthaft angebaut werden konnte, in einer Zeit, als noch mit der Sense gemäht wurde. Für die großen Erntemaschinen, die später zum Einsatz kamen, waren die Hänge dagegen kaum noch befahrbar, so dass der Gerstenanbau aufgegeben wurde. Heute konzentriert sich der Harz auf den Tourismus.

    Den Menschen im Harz wurden durch den Grafen von Hohenstein ab 1543 sogenannte Bergfreiheiten eingeräumt. Sie waren nicht nur vom Militärdienst befreit, sondern durften für den eigenen Bedarf Wein (aus Früchten und Beeren) sowie Bier und Branntwein (aus Gerste) herstellen.

    Heute kommt die Gerste aus dem Harzvorland, etwa aus der Goldenen Aue (Richtung Nordhausen) oder aus der Hildesheimer sowie Magdeburger Börde. Sie wird in einer mittelgroßen Mälzerei – zwischen dem Harz und Hannover gelegen – weiterverarbeitet.

    [/su_box]

    Harz-Beat: Wie würden Sie die Premium-Qualität Ihres Glen Els Whiskys umschreiben? Wie schätzen sie dabei Ihre Position in Deutschland ein?

    Buchholz: Ich weiß nicht, ob unsere Produkte Premium sind. Das müssen Sie schon die Liebhaber unserer Single-Malt´s fragen. Ich werde mich nicht hinstellen und sagen: »Unser Whisky ist der beste der Welt!«, denn wir reden hier doch über Geschmack. Und Geschmack ist eine super-individuelle Sache.

    Daher ist es auch schwierig, zu bewerten, welche Position wir in Deutschland haben. Wir gehören sicherlich zu den ältesten Betrieben. Es gibt in Deutschland über 400 Destillen, viermal so viele wie in Schottland. Aber alle zusammen produzieren nicht einmal so viel wie eine mittelständische schottische Destillerie alleine. Auch unsere 30.000 Flaschen, die wir im Jahr herstellen, macht eine mittelständische Destillerie in Schottland Minimum an einem Tag. Die ganz Großen wie Glenfiddich produzieren im Jahr etliche Millionen Flaschen.

    Destillerie-Anlagen für Whisky.

    Weil bei uns alles im »Miniatur-Format« geschieht, lässt sich die Qualität des Glen Els natürlich präziser steuern. Andererseits passiert das »Whisky-Wunder« manchmal auch gerade durch die begrenzte Kontrollierbarkeit der Entwicklung des Whiskys.

    Wir verstehen uns als Manufaktur, als Handwerksbetrieb, und freuen uns natürlich riesig, wenn am Ende ganz, ganz tolle Produkte dabei herauskommen. Wir versuchen trotzdem, immer noch einen Tuck besser zu werden.

    Harz-Beat: Wonach richten sich die Preise Ihrer Glen Els Whisky-Sorten, die bei 49,50 Euro beginnen und bis etwa 160 Euro reichen?

    Buchholz: Zum Beispiel nach Exklusivität, nach Alkoholgehalt, nach Rarität.

    Harz-Beat: Da Sie derzeit nicht mal die Inlandsnachfrage decken können, sind Auslandsmärkte für Sie vermutlich überhaupt kein Thema …

    Buchholz: Wir exportieren nicht direkt. Unser größter Auslandsmarkt sind die Niederlande, durch sehr, sehr viele Besucher, die nach Zorge kommen.

    »Genuss beim Glen Els wichtiger als Image«

    Harz-Beat: Es heißt, die Chinesen hätten den Geschmack für einen guten Whisky entdeckt. Können Sie das bestätigen?

    Buchholz: Ja, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die davon handelt, dass irgendwelche chinesischen Konsortien mit einem Koffer von Bargeld vor unserer Tür stehen und uns einen Anteil an der Destillerie abkaufen wollen, was wir dankend abgelehnt haben.

    Im übrigen habe ich bei den asiatischen Märkten so meine Zweifel, ob das zunehmende Interesse tatsächlich daran liegt, dass die Menschen ernsthaft auf den Genussfaktor »Geschmack« gekommen sind oder ob es nicht eher am positiven Image des Whiskys liegt. Wenn sich das Genussdenken immer mehr durchsetzt, würde ich das sehr begrüßen. Wir produzieren den Glen Els nämlich nicht, damit er 20 Jahre in irgendeinem Regal steht. Als Investmentprojekte eignen sich Aktien und Gold besser als Whisky, der zum Trinken gemacht wird. Ich fürchte aber, dass der Prestige-Gedanke bei vielen Menschen noch immer im Vordergrund steht.

    [su_box title=“Veranstaltungen für absolute Whisky-Liebhaber“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“]

    In einer beeindruckenden, ur-gemütlichen Whisky-Lounge serviert Alexander Buchholz einmal im Monat etwas ganz Besonderes. Dann werden Marken – auch anderer Hersteller – von erlesener Qualität verkostet, zum Teil in einer Preisklasse, die sich ein Einzelner kaum leisten würde. »Aber in einer Gruppe von 12 Personen fällt es leichter, Whisky-Träume wahr werden zu lassen«, umschreibt Buchholz den hohen Level der Veranstaltung.

    Häufig sind es Personen, die die Verkostung – neudeutsch: das Tasting – geschenkt bekommen haben, etwa als Anerkennung besonderer Leistungen: ein ungewöhnlicher Geschäftsabschluss eines Unternehmers, eine komplizierte Operation eines Arztes usw.

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    Harz-Beat: Welches ist Ihr wichtigstes Marketing-Instrument?

    Buchholz: Wir haben keins. Wir haben eine Verkaufsabteilung, aber keine Marketingabteilung. Vor dem Hintergrund unserer guten Absatzlage ist Mundpropaganda völlig ausreichend.

    Harz-Beat: Sie pflegen einen sehr guten Kontakt zu Ihren schottischen Kollegen. Bei welchen Gelegenheiten treffen sie sich?

    Buchholz: Bei den normalen Whisky-Messen, die vom Endverbraucher besucht werden, sehen wir uns nicht, sondern bei den speziellen Fachmessen, wo es um die Themen Equipment und Fortbildung etwa zu Fragen der mikro-bakteriellen Prozesse geht.

    »Weitere Produkte: Kräuterliköre, Obstbrände und Gin«

    Harz-Beat: Den ersten Whisky haben sie mit 18 kurz vor dem Abitur produziert. Ihr Vater, der nach wie vor im Betrieb mitarbeitet, hat 1985 die Spirituosenproduktion in der Hammerschmiede aufgenommen. Welche anderen Produkte werden neben dem Whisky bei Ihnen noch hergestellt?

    Buchholz: Kräuterliköre, Fruchtliköre und ein paar Obstbrände. Seit 2015 stellen wir auch Gin her. Diese Produkte machen heute etwa die Hälfte des Umsatzes aus. Sie haben es uns ermöglicht, eine Whisky-Destillation aufzubauen, was unheimlich viel Geld kostet. Wenn das Equipment nicht bereits vorhanden gewesen wäre, wäre es für einen 18-Jährigen ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

    [su_box title=“Bluhm: »Begeistert vom Ambiente der Hammerschmiede«“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“]

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    [su_column size=“1/2″ center=“no“ class=““]

    Wann immer Jan-Peter Bluhm als Tourist im Harz ist, ob in Bad Sachsa, Wernigerode oder aus Anlass des Brockenmarathons, schaut er in der Hammerschmiede vorbei, um ein Fläschchen mitzunehmen. Der Gütersloher schätzt das Aroma und die Geschmacksnuancen des Glen Els. Vor allem die etwas milderen Sorten haben es ihm angetan.

    Vom Ambiente der Hammerschmiede ist er begeistert. »Sehr professionell, auch von der Art wie im Destillerie-Shop die Whisky-Proben gereicht werden«, sagt Bluhm, der gerade mit seiner ganzen Familie aus Bad Sachsa angereist ist.

    [/su_column]

    [su_column size=“1/2″ center=“no“ class=““]

    Jan-Peter Bluhm aus Gütersloh ist beim Landmaschinenhersteller Claas tätig und kommt häufig zum Laufen und Mountainbiken in den Harz. Dabei macht er regelmäßig einen Abstecher zur Hammerschmiede.

    [/su_column][/su_row]

    Als er 2015 zum ersten Mal nach Zorge kam, hat Jan-Peter Bluhm sich schon etwas darüber gewundert, dass manche Häuser des Ortes nicht mehr im besten Zustand sind. Hier eine Whisky-Destille solchen Formats vorzufinden, hatte er nicht erwartet.

    [/su_box]

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

  • Die Harzer Schmalspurbahnen – Sympathieträger für das ganze Gebirge

    Die Harzer Schmalspurbahnen – Sympathieträger für das ganze Gebirge

    Neben den vielen Attraktionen des Harzes sind die Harzer Schmalspurbahnen des eine ganz besondere. Das wird bei Umfragen immer wieder eindrucksvoll bestätigt: Die dampfbetriebenen Züge – unterwegs auf engen Gleisen im gemächlichen Tempo – sind  für viele Touristen eine Reise in den Harz wert. Es geht durch enge Schluchten und finsteren Tann bis ganz hinauf zum höchsten Gipfel Norddeutschlands, dem Brocken. Es geht aber auch durch herrliche Wiesenlandschaften im Selketal. Um die Naturschönheiten zu genießen, gibt es kaum eine bessere Geschwindigkeit als die maximal möglichen 40 km/h. Wie wertvoll die historischen Dampfzüge für den Harz inzwischen geworden sind, zeigt ein Vergleich: Die Schmalspurbahnen sind mit 140 Kilometern Europas längstes planmäßig mit Dampfzügen befahrenes Schienennetz.

    Er stampft brüllend durch die dunklen Harzer Fichtenwälder, röhrt über die Bergwiesen, strebt selbstbewusst auf den höchsten Gipfel des deutschen Nordens. Nein, nicht vom Rothirsch ist hier die Rede, sondern vom „Harzbullen“, wie manche Eisenbahnfreunde die mit 700 PS stärksten Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) respektvoll bezeichnen.

    [su_box title=“Trainspotting“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–floatRight infobox–redBorder“]Wer die Brockenbahn während seiner Wanderung zum Brocken fotografieren oder filmen will, kann zum Beispiel von Oderbrück aus starten und geht beim Aufstieg und Abstieg rund zweieinhalb Kilometer entlang der Gleise. Dabei ist das Pfeifen der nostalgischen Dampflok schon kilometerweit zu hören.[/su_box]

    Die Maschinen, in den 1950er Jahren in der DDR gebaut, werden als Neubauloks bezeichnet und sind die Leistungsträger der Bahn. Sie ziehen im Regelfall die planmäßigen Züge, während ihre von 1897 bis 1939 gebauten Geschwister eher im Sonderzugdienst anzutreffen sind. Auch Fahrzeuge einer historischen bis modernen Triebwagenflotte brummen über die Gleise. Unter anderem das älteste erhaltene Fahrzeug der einstigen Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn (GHE) aus dem Jahre 1933 und die „Fischstäbchen“, so genannt, weil sie zuvor auf der ostfriesischen Insel Langeoog Dienst taten.

    »Längstes Schienennetz Europas mit Plandampf«

    Mit 140 Kilometern Streckenlänge weist „Die Größte unter den Kleinen“ Europas längstes planmäßig mit Dampfzügen befahrenes Schienennetz auf. Für viele Harzbesucher aus aller Welt ist die Meterspurbahn Hauptgrund einer Reise in Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge. Rund 600.000 davon zog es 2017 auf den Brocken, der den HSB etwa zwei Drittel ihres Umsatzes beschert. 262.000 Fahrgäste reisten mit der Harzquerbahn vorwiegend im Raum Nordhausen.

    [su_box title=“Das Schmalspurnetz“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“][su_table responsive=“yes“]

    Fahrgäste 2017*
    Brockenbahn 19 km 600.000
    Harzquerbahn 60,5 km 262.000
    Selketalbahn 60,9 km 89.000
    Gesamtlänge 140,4 km *Sonderfahrten: 55.000

    [/su_table][/su_box]

    Ein völlig unverdientes Schattendasein mit nur 89.000 Reisenden fristet die durch eine wunderschöne Landschaft trassierte Selketalbahn. Nicht nur Bahnfreaks bezeichnen sie als schönste und abwechslungsreichste Teilstrecke der HSB.

    Mit den rund 55.000 Teilnehmern von Sonderfahrten befördert das Unternehmen etwa eine Million Passagiere im Jahr, mal mehr mal weniger je nach der Laune von Petrus.

    Selketal Bahn

    »Von Harzkamelen und Rosinenpickern«

    Ein Erfolgsmodell für den gesamten Harz, das nach der politischen Wende 1989/90 ganz und gar nicht selbstverständlich war! Längst hatte die DDR-Reichsbahn entschieden und bereits damit begonnen, ihre verschlissenen Dampfrösser durch Dieselloks zu ersetzen, die von der Regelspur auf Schmalspur umgebaut wurden. Allenfalls ein halbes Dutzend Dampfveteranen sollten Nostalgiezüge ziehen.

    Doch nun war die Wende da und weder den Eisenbahnfans noch anderen Reisenden gefielen die roten überdimensionierten „Harzkamele“, die blaue Dieselschwaden ausstoßend über die Gleise schwankten.

    [su_box title=“Das Geheimnis: Viel Wasser und Steinkohle“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–floatRight infobox–redBorder“]Von Wernigerode aus sind es 33 Kilometer bis zum Brocken – bei einem Höhenunterschied von 900 Metern. Dabei verdampft die Lok 8000 Liter Wasser und verbrennt mindestens anderthalb Tonnen Steinkohle. 60 Heizer und Lokführer sind auf den insgesamt 25 Dampfloks – darunter der Mallet von 1897 – auf dem gesamten Streckennetz der HBS unterwegs.[/su_box]

    Auch eine Gruppe von „Rosinenpickern“, die lediglich die lukrative Brockenstrecke elektrisch betreiben und das Restnetz aufgeben wollte, hörte wenig Applaus für ihre Idee. Wütende Proteste nicht nur von engagierten Eisenbahnern, die ihren Zorn sogar auf die Waggons pinselten, sondern Bedenken von regionalen und überregionalen Politikern von Touristikern und einem Heer von Bahnliebhabern, machten die Pläne bald zu Makulatur. Am 1.Februar 1993 ging die Bahn von der Deutschen Reichsbahn an die in regionaler Trägerschaft befindliche Harzer Schmalspurbahnen GmbH über.

    »Rollende Denkmäler aus der Kaiserzeit«

    Seit nunmehr einem Vierteljahrhundert als Touristenmagnet und Sympathieträger bleibt die Bahn für die Verantwortlichen stets eine Herausforderung. Einen Fahrzeugpark mit rollenden Denkmälern aus der Kaiserzeit bis hin zur modernen Hybridtram am Laufen zu halten, verlangt Kompetenz aber auch Visionen. Und nicht die Fahrzeuge, auch der Erhalt des einzigartigen Gesamtnetzes, das 2006 noch in die Weltkulturerbestadt Quedinburg verlängert wurde, kosten Geld. Auch die qualifizierten Mitarbeiter wollen eine ordentliche Zahl auf dem monatlichen Gehaltszettel sehen. Wohl kaum eine deutsche Eisenbahn, die im Moment kein Personal sucht.

    [su_box title=“In 50 Minuten zum Brocken“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–floatRight infobox–redBorder“]Das 700 PS starke Dampfross bringt die Fahrgäste von Drei Annen Höhne aus in rund 50 Minuten zum Brocken. Die Strecke wurde 1899 eröffnet und ermöglicht bei gutem Wetter traumhafte Ausblicke.[/su_box]

    Gerade der harte Dienst auf den Dampfloks fordert den vollen Einsatz, so ist die Verlockung groß, in den hellen, sauberen klimatisierten Führerstand eines anderen Bahnbetreibers zu steigen. Wären da nicht bei vielen der faszinierende Mythos von „König Dampf“und das Herzblut….

    Ausfahrt zweier HSB Dampfloks

    »Längst überfälliger Lückenschluss«

    Leider ist es bis heute trotz etlicher Anläufe nicht gelungen, Braunlage wieder an das Ostharzer Schmalspurnetz anzubinden. Vor dem Krieg existierte eine Verknüpfung der einstigen Südharzeisenbahn (SHE) mit der damaligen Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn (NWE), die durch den Stacheldraht unterbrochen wurde.

    Zwar ist diese unsägliche Grenze längst Geschichte, aber auch Ländergrenzen sind in Deutschland leider Grenzen. So konnten sich bislang Niedersachsen und Sachsen-Anhalt noch nicht auf einen Lückenschluss einigen – trotz zahlreicher Anläufe. Oft entschied sich das „ganz oben“ in Magdeburg und Hannover. Natürlich kostet die Aktion Geld, viel Geld. Und nicht allein nur für den Bau, sondern auch für Betrieb sowie den Erhalt der Infrastruktur.

    [su_box title=“Seit 1992 wieder erreichbar: Der Brockengipfel“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–floatRight infobox–redBorder“]30 Jahre lang wurde die Strecke zum Brocken nur von DDR-Grenzern genutzt. Erst 1992 ist der fahrplanmäßige Betrieb für jedermann wieder aufgenommen worden.[/su_box]

    Hier sollten beide Seiten an einem Strang ziehen. Animositäten wie man sie bei der Schaffung des Nationalparkes erlebte, erinnerten bisweilen an kleine zänkische Kinder denen man den Schnuller wegnehmen wollte. Sicher muss man hier u.a. auch die „Skischaukel“ , mit der man den Wurmberg, das attraktivste Harzer Skigebiet von der Ostseite erschließen will, als wichtigen Faktor sehen.

    »Wer küsst Dornröschen wach«

    Übrigens sind bestimmte Unterschiede und Befindlichkeiten, die es hierzulande schon  früher gab, für Harzbesucher und -urlauber völlig uninteressant. Den normalen Urlauber interessiert es nicht, ob er gerade im niedersächsischen oder sachsen-anhaltinischen bzw. thüringischen Teil des Gebirges weilt. Und im herrlichen Selketal, das hier und da mit sehr reizvollen und guten gastronomischen Angeboten aufwartet, die viel Liebe und Engagement ihrer Betreiberinnen und Betreiber offenbaren, fehlen oft anderswo am Ufer der Selke Ideen und Professionalität. Wer küsst auch hier Dornröschen wach?

    Autor vor GHE Triebwagen

    »Die Schmalspurbahnen als Klammer«

    Dem Autor, der als kleiner Junge dem „Quirl“, der Harzquerbahn nahe dem großelterlichem Haus hinterhergerannt ist und viele Jahre im Westharz lebte, ist es ein Herzensanliegen, dass „sein“ Gebirge eine gute Zukunft hat. Die einzigartigen Schmalspurbahnen sollten mehr denn je eine Klammer für den Harz sein. Denn nur der ganze Harz hat Zukunft.

    Fotos und Text: Heinz-Helmut Heidenbluth

    [su_row][su_column size=“1/2″ center=“no“ class=““]

    Der Bahnhof »Drei Annen Hohne« liegt etwa 9 Kilometer südlich von Wernigerode. Den Ortsnamen hat der damalige Graf zu Stolberg-Wernigerode nach seiner Tochter, seiner Nichte und der Großmutter der beiden benannt, die alle drei Anna hießen. »Drei Annen Hohne« war ursprünglich der Name für eine Kupfer- und Silbermine, die 1770 vom Grafen hier gegründet wurde.

    [/su_column]

    [su_column size=“1/2″ center=“no“ class=““]

    Vom Bahnknotenpunkt Drei Annen Hohne geht es sowohl für die Züge aus Richtung Wernigerode als auch aus Nordhausen weiter zum Brocken.
    Bahnhof oberhalb von Schierke auf 687 Metern: Letzter Halt bevor die Brockenbahn mit Volldampf und rund 700 PS das Dach des Nordens erklimmt.

    [/su_column][/su_row]

    [su_row][su_column size=“1/2″ center=“no“ class=““][su_box title=“Tipp:“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder infobox-post-3321″]Für die Brockenbahn ist im Besonderen am Wochenende eine Platzreservierung empfehlenswert.[/su_box][/su_column] [su_column size=“1/2″ center=“no“ class=““][su_box title=“Wer steht hinter der HSB?“ box_color=“#FFFFFF“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“]Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) mit Hauptsitz in Wernigerode wird im Wesentlichen getragen von den Kreisen und Gemeinden auf deren Gebiet die Züge unterwegs sind.[/su_box][/su_column][/su_row]

  • Umfangreicher Bericht im Magazin Stadtglanz

    Umfangreicher Bericht im Magazin Stadtglanz

    Das Magazin Stadtglanz, das überwiegend Berichte aus der Region Braunschweig/Wolfsburg veröffentlicht, aber auch über den Harz berichtet, widmet der neuen Internetseite Harz-Beat vier Seiten. Dabei werden die Highlights von Harz-Beat auf außergewöhnlich gestalteten Seiten vorgestellt.

    Zum Magazin

  • Sternwarte Sankt Andreasberg: Mit bloßem Auge die Milchstraße sehen

    Sternwarte Sankt Andreasberg: Mit bloßem Auge die Milchstraße sehen

    St. Andreasberg im Harz ist für Sternengucker einer der besten Orte in Deutschland. Hier – auf über 700 Metern Höhe – gibt es noch stock-dunkle Nächte. »Licht- und Luftverschmutzung« sind äußerst gering. »Mit bloßem Auge kann man in vielen Nächten die Milchstraße oder die Andromeda-Galaxie sehr gut sehen oder mit Teleskopen sogar Gasnebel oder eine Supernova fotografieren «, sagt Utz Schmidtko, Vorsitzender der 2014 eröffneten Sternwarte Sankt Andreasberg. Seine Aufnahme – Belichtungszeit: zwei Minuten – zeigt unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, die zwischen 100 und 300 Milliarden Sterne beherbergt. Sie ist eine von Milliarden weiterer Galaxien. Wir fragten Schmidtko nach der aktuellen Entwicklung der Sternwarte.

    Harzbeat: Herr Schmidtko, die Sternwarte St. Andreasberg entwickelt sich mehr und mehr zu einem touristischen Anziehungspunkt. Gibt es zum Astro-Tourismus belastbare Zahlen für den Harz?

    Schmidtko: Der Astro-Tourismus nimmt stark zu. Eine genaue Zahl haben wir allerdings noch nicht. Wir gehen in Deutschland von mehreren 100.000 Personen aus, die sich mit der Astronomie befassen, darunter in der Mehrzahl betuchte Leute. Manche leisten sich sogar Teleskoptechnik, die dem Wert eines Kleinwagens entspricht.

    »Astro-freundliche Pensionen und Hotels«

    Harzbeat: Das heißt, auch Harzer Pensionen und Hotels profitieren vom Trend zum Astro-Tourismus?

    Schmidtko: Es kommen immer mehr Touristen allein wegen der Sternwarte in den Harz. Wir haben sogar schon eine Liste mit astro-freundlichen Pensionen und Hotels zusammengestellt, mit denen wir kooperieren. Besonders erfreulich ist dabei: Das steigende Interesse für Astronomie hat auch etwas mit einem veränderten Bewusstsein zu tun. Die Menschen befassen sich wieder mehr mit der Natur. Ich halte es für ein großes Manko, wenn Kinder und Jugendliche ohne den Sternenhimmel aufwachsen und – wie auch viele Erwachsene – glauben, sie seien der Nabel der Welt. Beim Blick in die Unermesslichkeit des Himmels relativiert sich das irdische Dasein und man wird wieder ein Stück weit geerdet.

    »Höchste Sternwarte Norddeutschlands«

    Harzbeat: Sie kommen gerade aus Namibia, wo nach Ihren Worten »die Milchstraße so hell erscheint, dass sie Schatten wirft«. Was macht St. Andreasberg als Standort für eine Sternwarte so attraktiv?

    Schmidtko: St. Andreasberg hat in 700 Metern Höhe die höchste Sternwarte in Norddeutschland. Dadurch haben wir eine sehr geringe Licht- und Luftverschmutzung, zumal auch keine Großstadt und keine Industrie in der Nähe sind. Wir sind inzwischen eine der bekanntesten Sternwarten Deutschlands.

    Zu uns kommen Astronomen und Amateur-Astronomen gleichermaßen. Sie finden hier hervorragende Bedingungen vor. Viele sind bereits Mitglied geworden. Wir verfügen auf dem Außengelände neben dem Internationalen Haus Sonnenberg über fünf Teleskop-Säulen , die für verschiedene Montierungen hergerichtet sind (12V und 220V). Alles ist für behinderte Menschen vollkommen barrierefrei. Damit sind wir übrigens die Ersten in Deutschland.

    Harzbeat: Wie ist man auf St. Andreasberg als Standort für eine Sternwarte gekommen?

    Schmidtko: Wie so häufig im Leben, durch einen Zufall. Ein Tourist aus Duisburg brachte vor einigen Jahren sein Teleskop mit und sagte zu seinem Vermieter: »Ihr müsst hier eine Sternwarte bauen. Die Bedingungen sind perfekt.« Heute haben wir bereits 500 Adressen von Gästen, die immer wieder kommen.

    »…und plötzlich reißt der Himmel auf«

    Harzbeat: An wieviel Tagen im Jahr gibt es in St. Andreasberg ideale Bedingungen?

    Schmidtko: Das ist eine schwierige Frage. Häufig ist der Himmel anfangs nicht ganz klar und plötzlich – sagen wir gegen 2 Uhr in der Nacht – reißt er total auf. So war es kürzlich beim Besuch eines Holländers, der noch nie den Saturn gesehen hatte. Natürlich schauen wir immer vorher auf die Wetterkarte und das Satellitenbild. Sie können sich vorstellen, dass wir zu besonderen Anlässen wie den Sternschnuppennächten die ganze Nacht in den Himmel schauen.

    Harzbeat: Was steht für die Sternengucker im Vordergrund, das Schauen oder das Fotografieren?

    Schmidtko: Zwei Drittel etwa kommen zum Gucken, ein Drittel zum Fotografieren.

    Harzbeat: Sie sind also mit der Entwicklung der Sternwarte rundherum zufrieden.

    Schmidtko: … ohne die Arbeit unserer 120 ehrenamtlichen Mitglieder wäre das Projekt Sternwarte nicht ein so erfolgreiches Leuchtturmprojekt für ganz Niedersachsen und darüber hinaus geworden.

    Die häufigste Frage der Gäste der Sternwarte von Sankt Andreasberg

    Harzbeat: Welches ist die häufigste Frage Ihrer Gäste?

    Schmidtko: Kinder und Jugendliche wollen vor allem wissen, ob es noch anderes Leben im Universum gibt. Unsere Antwort: Ja, es ist bei Milliarden von Galaxien, die wiederum viele Milliarden Sterne beherbergen unwahrscheinlich, dass das nicht der Fall ist. Ansonsten gehen die Fragen quer Beet. Häufig drehen sich die Themen um besondere Astroaufnahmen, die jemand gemacht hat.

    Harzbeat: Welches ist die entfernteste Galaxie, die man von St. Andreasberg aus sehen kann? Wieviele Lichtjahre entfernt?

    Schmidtko: Da muss ich passen. Wenn jemand zum Beispiel mit einer Belichtungszeit von 20 Stunden – also über mehrere Nächte – ein Bild macht, fängt er Photonen weit entfernter Galaxien ein, die nur der Kamera-Chip sichtbar machen kann. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann: Mit bloßem Auge sieht man bei uns die Andromeda-Galaxie, unsere Nachbargalaxie.

    Sankt Andreasberger Sternwarte hat große Pläne

    Die überaus positive Entwicklung der Sternwarte Sankt Andreasberg spornt die Vereinsmitglieder an, in größeren Dimensionen zu denken: In einigen Jahren könnte in der drei Kilometer außerhalb des Ortes beheimateten Sternwarte eine große Kuppel zur Verfügung stehen. Das berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) am 24. Dezember 2018.

    Die Journalistin Gabriele Schulte informierte in der Zeitung nicht nur darüber, was die Astronomen zum Stern von Bethlehem zu sagen haben, sondern auch über Pläne, in der Region St. Andreasberg einen Sternenpfad mit sieben Standorten und den entsprechenden barrierefreien Installationen zu errichten. Als Zukunftsvision könnte es dann später einmal 20 Standorte geben, die über den gesamten Harz verteilt sind.

    Darüber hinaus wurde in dem HAZ-Bericht darüber berichtet, dass die Sternwarte in den letzten beiden Votingwettbewerben »Ihre Besten im Harz« des Tourismusverbandes sowohl 2015 als auch 2017 den ersten Platz in der Kategorie »Natur pur« belegt hat.

    Text und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    [su_box title=“Infobox“ style=“noise“ box_color=“#c83737″]

    • Höchstgelegene Sternwarte in Norddeutschland
    • Einer der besten Nachthimmel in Deutschland (laut Bundesamt für Naturschutz)
    • Vollständig barrierefrei als erste Sternwarte in Deutschland
    • Bei Veranstaltungen: Projektion des Universums direkt vom Teleskop in den Vortragsraum

    [/su_box]

  • Goslar: Ausstellung von Kaiserring-Preisträger Wolfgang Tillmans

    Goslar: Ausstellung von Kaiserring-Preisträger Wolfgang Tillmans

    Das Mönchehaus-Museum in Goslar zeigt noch bis 27. Januar 2019 eine Ausstellung von Wolfgang Tillmans, der Ende September mit dem Goslarer Kaiserring ausgezeichnet wurde.

    »Ungewöhnlicher Ausstellungsort«

    Der deutsche Künstler, der heute in London und Berlin lebt, genießt international einen ausgezeichneten Ruf. Im Mönchehaus-Museum, einem 500 Jahre alten Fachwerkhaus, zeigt Tillmans eine Auswahl seiner Kunst der letzten Jahrzehnte.

    Der 50-Jährige experimentiert mit den verschiedensten fotografischen Ausdrucksformen, darunter Stillleben, Portraits, Landschafts- und Himmelsaufnahmen, aber auch mit besonderen Kopiertechniken und Präsentationsformen. Seine Vielseitigkeit stellt er darüber hinaus durch eigene Publikationen sowie Videos und Musikproduktionen unter Beweis.

    In einer Zeit zunehmender Komplexität und Polarisierungen versucht Tillmans mit seinen Arbeiten nicht nur die besonderen Momente festzuhalten, sondern auch Gegensätze und Widersprüche aufzuzeigen. Angetrieben werde er nach den Worten der international besetzten Kaiserring-Jury von den großen Fragen nach der Wahrheit, nach Erkenntnisgewinnung, nach Schönheit, nach Freundschaft, nach Freiheit…

    »Poesie und Ernüchterung«

    Es gehe ihm dabei um das Ausloten der Grenzen von Fotografie sowie das Austarieren zwischen Poesie und Ernüchterung. Auf seinen zahlreichen Reisen habe er die vielfältigen Erscheinungen unserer globalisierten Welt und die Einzigartigkeit der Orte festgehalten.

    Tillmans künstlerisches Werk ist in großen Ausstellungen weltweit gewürdigt worden – zuletzt in der Londoner Tate Modern. Die Freude über die Verleihung des Kaiserrings, eines der renommiertesten Kunstpreise der Gegenwart, ist bei Wolfgang Tillmans umso größer als er die Geschichte des Kaiserrings jahrzehntelang aufmerksam verfolgt und dabei durchaus darauf gehofft hat, irgendwann selbst zu den Preisträgern zu gehören.

    »Die Wahrheit und das Leben ertragen«

    Zu seiner Bildsprache hat Wolfgang Tillmans in einem Interview gesagt: »Ich habe immer das Anliegen, (…) andere Leute zu ermutigen, ihren Augen zu trauen und die Wahrheit oder das Leben zu ertragen.« Er ist der 43. Kaiserring-Preisträger unter denen so klingende Namen wie Olafur Eliasson, Jörg Immendorf, Sigmar Polke, Cindy Sherman, Christo und Josef Beuys zu finden sind.

    »Plakattaktion gegen den Brexit«

    Tillmans wurde in Remscheid geboren und im Jahr 2000 als erstem Fotografen und nichtbritischem Künstler der Turner Prize verliehen. Seit 2013 ist er Mitglied der Royal Academy of Arts. Wolfgang Tillmans versteht sich durchaus auch als politischer Mensch. So hat er sich zum Beispiel mit einer groß-angelegten Plakattaktion gegen den Brexit gewendet. Dem Spiegel sagte er, es sei wichtig, sich in Europa darauf zu besinnen, was uns zusammenhält, nicht was uns trennt.. Tillmans: »Wir müssen wach bleiben, nicht das Klischee im Anderen zu sehen.« Freiheiten, Werte und Rechte seien nicht selbstverständlich. »Sie werden angegriffen. Man muss sie verteidigen.«

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    [su_box title=“Tillmans im Pariser Centre Pompidou“ style=“noise“ box_color=“#ffffff“ title_color=“#c83737″ class=“infobox–redBorder“]

    Im Juni 2025 ist Wolfgang Tillmans auf 6.000 Quadratmetern im Pariser Centre Pompidou zu sehen. Diese Ausstellung sei »spektakulär groß«, schreibt der Spiegel (Nr. 19 vom 3. Mai) über den Goslarer Kaiserring-Preisträger, der vom »Time«-Magazin zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt wird.

    Unter seinen vielen Werken ist auch die Fotografie »Kate Moss« aus dem Jahre 1996 zu sehen. Die »Vogue«- Chefin Anna Wintours sei auf ihn zugekommen, sagte Tillmans im Spiegel-Interview. »Sie wollte, dass ich etwas für sie fotografiere und fragte, worauf ich Lust hätte. Ich meinte spontan: Kate Moss, die schönste Frau der Welt. Meine Bedingung war, dass ich keine typischen Modebilder schaffen und es auf meinem ästhetischen Terrain stattfinden mußte… …und so haben wir aus der Situation heraus etwas mit ihr und ihrem irren Talent gemacht.«

    Zu dem Bild, dass Kate Moss mit Erdbeeren und Kartoffeln zeigt, meinte Tillmans, er liebe das Absurde und den Spaß, auch wenn das in Besprechungen seiner Ausstellungen selten erwähnt werde. Albernheit sei manchmal eine angemessene Reaktion auf eine verquere Welt.[/su_box]

    Mönchehaus-Impressionen

  • »Hohegeiß: Die Hauptstadt der ältesten Bäume im Harz«

    »Hohegeiß: Die Hauptstadt der ältesten Bäume im Harz«

    Es sind Riesen aus einer längst vergangenen Zeit. Sie überragen mit ihren 50 Metern alle anderen Bäume im Wolfsbachtal bei Hohegeiß im südlichen Harz. Die »Dicken Tannen« – wie sie genannt werden – sind mindestens über 300 Jahre alt, kommen aber langsam an ihre Altersgrenze. 18 von ihnen gibt es noch. Das Wolfsbachtal ist ein einzigartiges Biotop, in dem sich »kleine Urwälder« mit Bergwiesen abwechseln. Wer die absolute Stille sucht – nur unterbrochen durch das Klappern des Schwarzstorchs, das Klopfen des Spechts und das Gurren der Hohltaube – für den ist der etwa vier Kilometer lange Wanderweg ein Erlebnis der besonderen Art. Für Touristen, die die Geheimnisse des Waldes erkunden wollen, ist Hohegeiß ein »Geheim-Tipp«. Das wird in einem Gespräch mit dem dortigen Revierförster Matthias Lüttgau deutlich.

    Knorrige Äste
    In den knorrigen Ästen finden Spechte einen reich gedeckten Tisch – kleine Raupen und andere Insekten.

    Im Tal der Dicken Tannen: Hohegeiß im Harz

    Die Riesen des Wolfsbachtals, von denen es 1893 noch 119 (1978 noch 58) gab, sind über eine Fläche von vier Hektar verstreut. Ihr genaues Alter, so Matthias Lüttgau, läßt sich nicht eindeutig bestimmen. Sie könnten sogar bis zu 400 Jahre alt sein.

    Wenn man von »Dicken Tannen« spricht, sei das eigentlich nicht ganz korrekt. Der Volksmund verwende für die Fichten des Harzes häufig den Begriff Tanne und ältere Harzer hätten die Fichte zuweilen als Rottanne bezeichnet.

    Sind die »Dicken Tannen« die höchsten Bäume des Harzes? Lüttgau will sich nicht festlegen. »Auf jeden Fall die ältesten.« In Westerhof zwischen Seesen und Gandersheim habe es auch einmal ziemlich hohe Tannen gegeben. »Ob die Exemplare in Hohegeiß höher sind, hat wohl noch niemand gemessen.«

    Obwohl die »Dicken Tannen« im Tal stehen, überragen sie gleichaltrige Bergahorne, Buchen, Eschen und Ulmen um ein ganzes Stück. Dies wird besonders deutlich, wenn die Laubbäume keine Blätter haben.

    »Bis zu 5 Meter Umfang«

    Obwohl die Dicken Tannen von Hohegeiß im Harz tief im Wolfsbachtal stehen, überragen sie die gleichaltrigen Bergahorne, Buchen und Eschen um ein ganzes Stück. Die stärksten haben einen Umfang von fünf Metern. Offensichtlich ist es ihnen gelungen, die letzten Orkane unbeschadet zu überstehen…. »Leider nicht«, entgegnet Lüttgau, »auch beim Sturm ›Friederike‹ sind wieder welche umgebrochen. Die Fichten sind inzwischen an einer Altersgrenze angelangt.« Manche würden dann in der Förstersprache »innen ein wenig rotfäulig« sagen. Auslöser können zum Beispiel der Hallimasch-Pilz oder an jüngeren Fichten das Rotwild durch Schälen der Rinde sein. Andererseits habe es bei Friederike auch einen kerngesunden Baum mit wunderbar weißem Holz erwischt. »Er wurde bei einer starken Böe regelrecht abgedreht.«

    Das ein trocken gewordener Riese fällt, dazu braucht es zuweilen nicht mal einen Sturm. Lüttgau: »Ich saß an einem windstillen Sommertag mit meiner Frau auf der Terasse, als eine dicke Fichte umgefallen ist. Es krachte dermaßen, dass man es bis hinauf nach Hohegeiß spüren konnte. Ich bin dann sofort ins Tal gefahren, um nachzusehen.«

    »Uraltes Prachtexemplar«

    Auch nach 300 Jahren von der Spitze bis zum Boden noch ein volles Nadelkleid.

    Aber es gibt durchaus noch kerngesunde, uralte Fichten. So steht am Eingang des Wolfsbachtals in der Nähe des Hotel-/Restaurants »Wolfsbachmühle« ein wunderschönes Exemplar, das von der Spitze bis zum Boden ein herrliches Nadelkleid trägt. Von der einen Seite hat man einen überraschenden Blick auf das arm-dicke Astwerk, ein Lieblingsplatz der Spechte, die hier einen reich gedeckten Tisch vorfinden.

    Ein Förster wie Lüttgau, der für insgesamt 1620 Hektar Wald verantwortlich ist, kennt natürlich den Grund für das prächtige Nadelkleid: Die Fichte wird früher als Solitärbaum auf einer Wiese gestanden haben, kriegte immer genügend Licht und konnte sich ohne den Konkurrenzdruck anderer Bäume gut entwickeln. Den Fichten, die ja eigentlich sauren Boden lieben, bekommt es ganz gut, dass sie in einem Mischwald stehen. Der Laubfall sorgt für ein reichhaltiges Nährstoff-Spektrum.

    Wie kommt es, dass die Fichten nie auf dem Radarschirm der Sägewerke gelandet sind? Das Tal, vermutet Matthias Lüttgau, ist im 17. und 18. Jahrhundert noch unzugänglich gewesen, zumal der Abtransport von Stämmen damals mit Pferden erfolgte. Später seien sie für die Holzwirtschaft dann uninteressant geworden, da sie aufgrund ihres Umfangs nicht mehr in das Sägegatter passten. Irgendwann sei dann jemand auf die Idee gekommen, die Bäume unter Schutz zu stellen.

    »Pflege des ökologischen Erbes«

    Für wertvolle Lebensräume wie das Wolfsbachtal sind Schutzmaßnahmen eine Selbstverständlichkeit. So dachte 1989 auch der Landkreis Goslar und erklärte das Gebiet »Dicke Tannen« wegen seiner »Seltenheit, Eigenart und Schönheit« zum Naturdenkmal. »Leider wurde diese Entscheidung 2008 wieder zurückgenommen«, bedauert Lüttgau, »da die Sicherung der Wanderwege etwa vor herabfallenden Ästen den Landkreis viel Geld gekostet hat.« Heute liege die Schutzfunktion wieder bei der Forstverwaltung.

    Revierförster – das ist eine ihrer Hauptaufgaben – gehen leicht und locker mit Fachbegriffen wie Prozessschutz, FFH-Richtlinie, Landschaftsschutzgebiet Harz, Hotspot und Natürliche Waldentwicklung um. Für den Außenstehenden ist es da nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Welche dieser Maßnahmen sind nun für das Wolfsbachtal von Bedeutung, Herr Lüttgau? Auf europäischer Ebene greift zunächst die FFH-Richtlinie, nach der Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Lebensräume (Habitate) geschützt werden können. Und auf Landkreisebene gibt es die Verordnung »Landschaftsschutzgebiet Harz«. Aus Sicht von Matthias Lüttgau aber hat das Programm der Landesforsten »Natürliche Waldentwicklung 10« einen sehr hohen Stellenwert. Die Gebiete, die durch dieses Programm geschützt sind, werden nicht mehr angetastet. Hier herrscht im Fachjargon »absoluter Prozessschutz«, das heißt, es finden keinerlei forstliche Maßnahmen mehr statt. Umgefallene Bäume bleiben einfach liegen, abgestorbene einfach stehen. Lediglich Wanderwege werden geräumt und vor herabfallenden Ästen bewahrt, genauso Bachläufe, damit das Wasser nicht angestaut wird.

    Wild und mystisch geht es im Wolfsbachtal zu. Das Totholz der gefallenen Riesen ist heute der Lebensraum, zum Beispiel für Bakterien, Moose, Pilze und viele Kleintiere.

    »Das Schützenswerteste hieß früher Hotspot«

    Matthias Lüttgau gehört zu denjenigen, die den flächendeckenden Prozessschutz eines ausgesuchten Gebiets – früher wurden nur Einzelbäume und Baumgruppen unter Schutz gestellt – von Anfang an befürwortet haben. »So entsteht in der Alterungs- und Zerfallphase des Waldes ein wertvoller Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen.« Einen konsequenten Prozessschutz könne man heute an vielen Stellen des Harzes beobachten. Die 4,2 Hektar große Habitat-Baumfläche im Wolfsbachtal sei im übrigen der Grund für die enorme Artenvielfalt dieses Lebensraumes. Lüttgau: »Früher hätte man für eine derartige Fläche den Begriff ›Hotspot‹ verwendet, als Umschreibung für das Höchste, Schützenswerteste überhaupt.«

    Kommt es durch den Prozessschutz nicht zu Konflikten mit der Holzwirtschaft und zu Einnahmeverlusten beim Fiskus? Für Matthias Lüttgau ist diese Sichtweise nicht stichhaltig. Es gibt, so der Revierförster, überall genügend Waldflächen, die forstwirtschaftlich genutzt werden können. Und die Niedersächsischen Landesforsten, die in Braunschweig ansässig sind, hätten bei der Erreichung der Umsatzziele durchaus auch den Naturschutz im Auge. Die Forderung, eine bestimmte Prozentzahl des Waldes unter Schutz zu stellen, sei ja aus dem Landtag gekommen.

    »50 gefährdete Pflanzenarten«

    Als Förster ist Matthias Lüttgau immer wieder begeistert von der Artenvielfalt des Wolfsbachtals: »Es ist sozusagen ein Nationalpark im Kleinen. Spechte finden hier Insekten im Übermaß und in alten Spechthöhlen brütet dann wiederum die Hohltaube. In kaum einer Ecke des Harzes gibt es so viele Buntspechte wie hier.« Durch die Bergwiesen und vielen Bäche sei auch der Schwarzstorch gern im Revier und als ganz seltener Gast der Wanderfalke, dessen Brutplätze Lüttgau aber aus gutem Grund nicht verraten will.

    Ins Schwärmen gerät der Revierförster auch, wenn er auf die Vielzahl an seltenen Pflanzenarten zu sprechen kommt, darunter die Mondviole von der roten Liste. Sie fühlt sich in feuchten Bachtälern besonders wohl und hat ein mondförmiges Blatt, das im Herbst einen transparenten, silbrigen Ton annimmt. Auf den Bergwiesen von Hohegeiß findet man 50 weitere gefährdete Pflanzenarten, darunter sechs verschiedene Orchideenarten sowie Arnika, Trollblume, Bärwurz, Storchenschnabel, Feuerlilie und Herbstzeitlose.

    Idylle pur: Das Waldgasthaus Wolfsbachmühle.

    »Blickfang: Wolfsbachmühle«

    Der Name des Wolfsbachtals und des Wolfsbergs erinnern daran, dass es hier vor rund 250 Jahren noch Wölfe gab. Lüttgau: »Der letzte wurde 1756 zwischen Hohegeiß und Zorge erlegt.«

    Wer im Ortskern von Hohegeiß seine Wanderung beginnt, kann nach etwa 800 Metern im Waldgasthaus »Wolfsbachmühle« einkehren – weltentrückt in einer Idylle pur. Für die hier gebotene Hausmannskost findet Matthias Lüttgau nur lobende Worte (»Super-Essen, nette Bedienung, reelle Preise«). Auch Forelle und Wild ständen manchmal auf der Karte.

    Das Gebäude sei kurz nach 1700 erbaut und 200 Jahre lang als Getreidemühle betrieben worden. Seit der Stilllegung wird es als Hotel und Ausflugsgaststätte genutzt.

    Auf dem ausgeschilderten Rückweg nach Zorge kommen wir nach einem Abstecher zur Schutzhütte »Nordhäuser Blick« an eine Stelle, wo im Nordosten auf einem Hochplateau Hohegeiß (Foto) zu sehen ist.

    »Durch den Tourismus ist Hohegeiß gut ausgelastet«

    Wodurch zeichnet sich Hohegeiß heute aus? Matthias Lüttgau muss nicht lange überlegen: Es ist mit 1000 Einwohnern der mit 642 Metern höchstgelegene Kur- und Wintersportort im Harz. Ein altes Bergdorf an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, von dem man weit ins Thüringer Bergland schauen kann.

    Hohegeiß lebe heute überwiegend vom Tourismus, von Menschen, die die Stille der Natur genießen wollen, wandern oder Mountainbiken. Eine Zeit lang sei der Ort auf einem absteigenden Ast gewesen. Dies habe sich nach der Grenzöffnung durch das größere Einzugsgebiet – Halle, Leipzig und vor allem Thüringen – aber geändert. Lüttgau: »Ferienwohnungen und Hotels sind jetzt wieder ganz gut ausgelastet. Und: Immer mehr Holländer legen sich hier ein Häuschen zu.« Ob dies bereits mit der Angst der Küstenorte vor dem Klimawandel oder eher mit den günstigen Hauspreisen zusammenhängt, lässt Lüttgau dahingestellt. Zu einem Punkt äußert er sich in diesem Zusammenhang aber dennoch: »Während sich viele im Flachland über das heiße Sommerwetter beklagt haben, ist es in Hohegeiß drei bis vier Grad kühler und damit erträglicher gewesen.«

    »Panoramic: Nicht alle Wünsche sind in Erfüllung gegangen«

    Nicht immer gehen im Tourismus alle Wünsche in Erfüllung. Als das Panoramic-Hotel 1972 in Hohegeiß gebaut wurde, so Lüttgau, habe man dem Ort sozusagen als Gegenleistung ein Kurhaus versprochen. »Die heutige Realität hat mit den Hoffnungen von damals allerdings nur noch wenig zu tun. Das Kurhaus war lange geschlossen. Inzwischen hat sich ein neuer Pächter gefunden.  Einer der beiden Türme des Panoramic ´s beherbergt heute Ferienwohnungen, der andere wird zwar als Hotel genutzt, hat aber mehrere Verwalterwechsel hinter sich. Das ist sehr schade, zumal der Komplex vor einem herrlichen Waldpanorama steht. Von den oberen Etagen hat man einen tollen Blick über den Harz«, findet Matthias Lüttgau und hofft auf eine erfolgreichere Zukunft mit nachhaltigen Ideen.

    »Wanderungen auf der alten Bobbahn«

    Rund um Hohegeiß gibt es eine Vielzahl interessanter Wanderwege. Zum Beispiel auf der alten Bobbahn, wo nach 1900 mit dem Rodelschlitten sogar Wettbewerbe ausgetragen worden sind. Sie liegt im Südosten von Hohegeiß und reicht fast bis nach Zorge hinunter.

    Sehr beliebt ist auch der sogenannte Briefträgerweg, den der Postzusteller von Braunlage kommend genutzt hat. Die Zeit vergeht der Name Briefträgerweg ist geblieben.

    »Blick bis zum Eichsfelder Dom«

    Wann hat Matthias Lüttgau, der aus Vienenburg stammt, sein Herz für Hohegeiß und den Wald entdeckt? Eine Geschichte sei ihm immer plastisch in Erinnerung geblieben. Als Neunjähriger habe er gemeinsam mit Vater, Mutter und zwei Bekannten aus Düsseldorf die dickste Tanne des Wolfsbachtals umarmt. Außerdem sei er ein paarmal mit der Schule in Hohegeiß gewesen. »Vermutlich ist meine Begeisterung für den Wald in dieser Zeit entstanden.«

    Wenn Lüttgau auf der Terrasse seines Forsthauses steht, schweift sein Blick nicht nur über herrliche Bergwiesen, sondern er kann als kleinen Punkt am Horizont auch den etwa 60 Kilometer entfernten Eichsfelder Dom in Mühlhausen sehen.

    Revierförster Matthias Lüttgau in seinem Försterei-Büro.

    Die Herausforderungen in der Revierförsterei sind alles andere als einfach. In diesem Jahr mußten aufgrund von Sturmschäden rund 12 500 Festmeter Holz sowie aufgrund der Trockenheit 20 000 Festmeter »Borkenkäferholz« bewegt werden. Dies entspricht einem dreijährigen Jahreseinschlag. Während Lüttgau früher mit eigenen Leuten gewirtschaftet hat, werden die Arbeiten heute mit Lohnunternehmern erledigt.

    »Rotwild hat sich stark vermehrt«

    Zur Hege und Pflege der forstwirtschaftlichen Flächen gehört auch die Beobachtung des Wildbestandes. So habe sich im Besonderen das Rotwild in den letzten Jahren in seinem Revier stark vermehrt. Jedes Jahr müßten daher 80 bis 100 Stück erlegt werden. Die Vermarktung des Wildbrets erfolge über das Forstamt in Bad Lauterberg. Es werde überwiegend an Wildhändler verkauft, aber auch Privatleute kämen durchaus zum Zug. Sie würden das Wildbret in Zorge abholen, wo es eine spezielle Kühlkammer gebe.

    Lüttgau macht dabei gleichzeitig deutlich, dass es ihm bei der Dezimierung des Bestandes um die Vermeidung von Wildschäden gehe. »Wir brauchen das Rotwild, wollen nur etwas weniger haben. Ein Wald ohne Wild ist kein Wald!«

    »Mountainbike-Rennen mit 250 Teilnehmern im Revier«

    Mountainbike-Fahrer stören Matthias Lüttgau nicht. »Sie sind leise und machen keinen Dreck«, bringt er das Problem mit einem Satz auf den Punkt, »und sie fahren nur auf bestimmten Waldwegen.« Im Frühjahr habe es in seinem Revier sogar ein Mountainbike-Rennen mit 250 Teilnehmern gegeben. »Alles, was nicht stinkt und knattert, unterstützen wir gern.« Er ist froh, dass im Gegensatz zu anderen Ecken des Harzes die Wanderer in Hohegeiß nur ganz selten durch Motoren-Lärm belästigt werden.

    »Besser als drei Jahre Biologie-Unterricht«

    »Eine Stunde mit einem Revierförster im Wald ist effektiver als drei Jahre Biologie-Unterricht, wenn es um das Verstehen von ökologischen Zusammenhängen geht«, möchte man nach dem Gespräch mit Matthias Lüttgau ausrufen. Den Jugendlichen die Natur wieder näher zu bringen, sieht Lüttgau als wichtige Aufgabe. In Hohegeiß gebe es mehrere Landschulheime und man mache auch bei dem Projekt »Erlebnistage Harz« mit. Der Revierförster berichtet von einer Schulklasse aus Brudstadt in Bremen. »Die jungen Menschen waren im Dunkeln noch nie im Wald. Das war für sie ein besonderes Erlebnis, das sie nicht vergessen werden.«

    »Bergwiesen: Das Charakteristische von Hohegeiß im Harz«

    Wie ein roter Faden tauchen die »Bergwiesen« im Gespräch mit Matthias Lüttgau immer wieder auf. »Sie sind das Charakteristische von Hohegeiß«, sagt er und verweist darauf, dass in Richtung Nordhausen alle Wiesen erhalten geblieben sind. Auch in St. Andreasberg und Clausthal-Zellerfeld gebe es viele Wiesen, die naturnah bewirtschaftet werden.

    Da viele Bergwiesen aufgrund ihrer Hanglage nicht befahren und gemäht werden können, werden sie in Hohegeiß – so wie eh und je – mit Kühen und Ziegen abgeweidet. »Im Besonderen Ziegen«, schwärmt Lüttgau, »machen ›reinen Tisch‹.« Auch junge Ahornbäume verschmähten sie nicht. Nur so ließen sich die Wiesen in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.

    Aber es gibt auch andere Flächen, die zwingend von Kühen abgegrast werden müssen. Lüttgau zeigt auf eine Wiese auf der sechs verschiedene Orchideenarten zuhause sind. »Die Kühe fressen genau die Pflanzenarten heraus, die die Orchideen sonst verdrängen würden«, erläutert er. Insgesamt gebe es auf dieser Fläche 11 bedrohte Pflanzenarten, die auf der roten Liste stehen. Und begeistert fügt er hinzu: »Eine dolle Sache wie die Natur das regelt.«

    »Bergwerks-Pingen als Fledermaus-Quartiere«

    Dass im Wolfsbachtal früher nach Eisenerz gegraben worden ist, davon zeugen einige alte Bergwerks-Pingen – bis zu 20 Meter lange Gänge. Sie sind heute vergittert, weil sie von Fledermäusen als Winterquartiere genutzt werden.

    »Ein Comeback für den Harz«

    »Das geheime Leben der Bäume« schaffte es auf Platz 1 der Bestseller-Listen. Zeitschriften springen auf den Trend auf und bringen lange Geschichten über den »Kraftort Wald«, ja es ist sogar die Rede vom »Wald baden«. Für Matthias Lüttgau ist das alles kein Zufall: »In Zeiten von Digitalisierung und zunehmender Beschleunigung sehnen sich die Menschen nach Stille und Natur, um wieder zur Besinnung und zur Achtsamkeit zu finden. Auch die Jüngeren werden die Liebe zum Wandern und zum Naturerlebnis wieder entdecken. Davon bin ich überzeugt. Der Harz steht vor einem Comeback.«

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

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    Wie der Name »Hohegeiß« entstand

    Es gab 1444 noch keinen Ort, als Mönche des 11,5 Kilometer entfernten Klosters Walkenried in der Waldeinsamkeit eine kleine Kirche errichteten und ihr den lateinischen Namen »Alta Capella« (»hohe Kapelle«) gaben. Generationen später wurde daraus »hohe Geiß«. Der Grund: »capella« stand im Lateinischen nicht nur für Kapelle, sondern auch für Geiß, also Ziege. Lateinschüler gaben bei der Übersetzung offensichtlich der Ziege den Vorzug. So prägt das Wappen von Hohegeiß statt der »hohe-geistlichen« Kirche heute der Ziegenbock.

    »Der Nonnenbanksweg«

    Nonnen und Mönche sind damals regelmäßig zur Kapelle hochgepilgert. Auf ihrem Weg standen zwei Bänke. Eine Bank für die Nonnen, die andere für die Mönche. »Sie durften natürlich nicht zusammen auf einer Bank sitzen«, schmunzelt Matthias Lüttgau. »Dass es so war, ich glaub’s nicht.« Den Weg gibt es immer noch. Er wird heute als Nonnenbanksweg bezeichnet.

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  • »Skifahren im Harz – geht das? Und ob!« – Alpen Feeling am Wurmberg

    »Skifahren im Harz – geht das? Und ob!« – Alpen Feeling am Wurmberg

    Skifahren im Harz – ich habe es hautnah erlebt. Das Alpen-Feeling im Harz. Mit der Gondel geht es von Braunlage auf den fast 1000 Meter hohen Wurmberg. Man kommt aus der Bergstation und hat einen wunderbaren Blick auf den gegenüberliegenden Brocken, früher Sehnsuchtsziel vieler Dichter und Denker. Die bizarren, schneebehangenen und vereisten Fichten auf der Wurmberg-Kuppe, die klare Bergluft bei 10 Grad minus, hervorragend präparierte sonnenbeschienene Pisten. »Ski-Fahrer-Herz, was willst Du mehr?«

    Norddeutsche, die nur für ein paar Tage Ski laufen möchten, für die lohnt sich keine lange Anreise in die Alpen. Daher trifft man auf den insgesamt 13 Pistenkilometern des Wurmberges heute nicht nur Wolfenbütteler, Braunschweiger und Quedlinburger aus dem Harzvorland, sondern jede Menge Berliner, Hamburger, ja sogar Leipziger (Anreise: 2 Stunden) kommen nach Braunlage, um Ski-Alpin zu genießen.

    »Der Harz – ein Wintertraum«

    In der ersten Februar-Hälfte war es genauso wie Goethe den Harz erlebt haben muss, ein Wintertraum. »Ich stand in der Mittagsstunde, grenzenlosen Schnee überschauend, …«, schrieb er. Ähnlich erging es mir auf der Kuppe des Wurmberges, die mir viel besser gefällt als das Plateau des Brockens, wo Goethe gestanden hat.

    Skifahren im Harz - Abfahrten am Wurmberg
    Ein Skigebiet von fast alpiner Dimension mit 15 Pisten aller Schwierigkeitsgrade.

    Ich empfinde den Wurmberg, Niedersachsens Höchsten, in seinem oberen Teil viel heimeliger, naturnäher, als sein Pendant. Die Bergstation mit der gegenüberliegenden Almhütte – wirkt nicht überdimensioniert, so dass keine Rummelplatz-Atmosphäre entsteht. Der Hüttenname »Gipfelstürmer« hätte – zugegeben – etwas fantasievoller gewählt werden können.

    Verschneite Fichten in allen Größen, die immer wieder den Blick freigeben auf das miniaturhaft erscheinende Braunlage, bei guter Fernsicht sogar bis nach Braunschweig. »Es ist eigentlich viel zu schön zum Skifahren«, sagt neben mir jemand und zückt sein Handy, um ein Foto zu machen.

    »Eine fast alpine Dimension«

    Völlig überrascht hat mich dann die unerwartet fast alpine Dimension des Skigebiets mit seinen 15 Abfahrten aller Schwierigkeitsgrade. Wie es heißt, ist es das größte und höchste Skigebiet in ganz Norddeutschland und der mit 4,7 Kilometern längsten deutschen Abfahrt nördlich der Alpen. Für Gelegenheits-Skifahrer wie mich, haben im Besonderen die »blauen« großzügig breiten Pisten das ideale Kaliber, um die Geschwindigkeit perfekt zu dosieren und Stürze zu vermeiden. Natürlich gibt es auch höchst anspruchsvolle Strecken wie die Abfahrt »Hexenritt«, die an die mystische Seite des Harzes und seine rätselhafte Sagenwelt erinnert.

    »Warum ist Skifahren so attraktiv?«

    Das Lob der Achtsamkeit, also die volle Konzentration auf eine einzige Sache, ist heute in aller Munde. Beim Skifahren ist Achtsamkeit die Grundvoraussetzung, um nicht auf dem Hosenboden zu landen. Ski- und Snowboard-Fahren erfordern Körperbeherrschung und Spaß an der Bewegung, sind aber gleichzeitig auch Naturerlebnis. Dies alles macht den Sport für viele so attraktiv.

    »Und was ist mit Aprés-Ski?«

    Es ist schon richtig, das Aprés-Ski-Programm könnte in Braunlage üppiger sein. Es ist aber auch richtig, dass viele 30- bis 50-Jährige in den Harz kommen, um den Stress im Beruf für ein paar Tage hinter sich zu lassen, bei klarer Bergluft und viel Bewegung neue Energie zu tanken. Zum Beispiel Stefanie (28) und Sebastian (35) aus Potsdam. Sie fahren morgens Ski und genießen nachmittags das Wellness-Programm des Relaxa-Hotels in Braunlage. »Uns steht der Sinn nicht nach Disko. Aus dem Alter sind wir bereits raus«, sagt das Paar, das zum ersten Mal im Harz ist und fügt hinzu: »Uns gefällt es ausgesprochen gut hier. Wir sind rundum zufrieden.« Der Harz sei ideal für einen spontanen Kurzurlaub.

    Stefanie und Sebastian Pasewaldt aus Potsdam
    Morgens Skifahren, nachmittags Wellness im Braunlager Relaxa-Hotel: Stefanie und Sebastian Pasewaldt aus Potsdam vermissen nichts bei ihrem ersten Urlaub im Harz.

    »Imagetransfer durch Leuchtturm-Projekte«

    Nicht zuletzt durch neue Projekte wie das Ski-Alpin-Zentrum am Wurmberg verliere der Harz das Image des Langweiligen und Spießigen, erfahre ich im Lift von drei auskunftsfreudigen Bad Harzburgern, die über aktuelle Entwicklungen hervorragend informiert sind. Sie verweisen auf weitere Leuchtturm-Projekte wie das Torfhaus-Ressort. Darüber hinaus werde im Juni in Bad Harzburg das sogenannte Ettershaus eröffnet. Ein Nobelhotel auf einem großen Areal mit vielfältigem Angebot wie einem separaten Steakhouse und originellen Baumhäusern für den »Abenteuer-Familienurlaub«.

    »Die Geschichte mit der Sprungschanze«

    In einem meiner Ski-Liftgespräche ging es um die inzwischen abgebaute Sprungschanze des Wurmbergs. Das Gerüst mit dem Podest hat man stehen lassen. Früher befand sich die Aussichtsplattform der Schanze auf exakt 1000 Meter Höhe, während der Wurmberg 971 Meter erreicht.

    Zu DDR-Zeiten sei die Nutzung der Schanze nicht unproblematisch gewesen, erfahre ich. Da sie gefährlich nahe an der damaligen Zonengrenze gelegen habe, musste mit Gummiseilen verhindert werden, dass die Ski-Springer nach dem Aufsetzen auf DDR-Territorium zum Stehen kamen.

    »Geheim-Tipp: Pünktlich an der Gondel sein«

    Die Abfertigung an der Gondel funktioniert perfekt, wenn, ja wenn man nicht Tage erwischt, an denen Menschenmassen auf den Wurmberg drängen. Dann kann es passieren, dass man schon mal zwei Stunden Wartezeit in Kauf nehmen muss. Um solchen Widrigkeiten aus dem Wege zu gehen, sollte man pünktlich zur Eröffnung der Seilbahn um 8.45 Uhr am Schalter sein. Andererseits: Wartezeiten muss man zuweilen auch in renommierten Skigebieten in den Alpen in Kauf nehmen.

    Blick auf Braunlage
    Im Tal erscheint miniaturhaft Braunlage.

    »Internet-Präsenz verbesserungsbedürftig«

    Bei der Darstellung des Wurmberg-Skigebiets im Internet gibt es nach Meinung zahlreicher, im Besonderen jüngerer Gesprächspartner, noch Luft nach oben. Das Ambiente und die Dimension würden optisch, also was die Bildsprache angeht, kaum deutlich.

    Ski-Begeisterte aus den nahen ostdeutschen Bundesländern kommen in den Winterferien mit ihren Kindern in großer Zahl zum Wurmberg. Eine Woche später dominieren dann dänisch und niederländisch auf den Pisten – weil es dort ebenfalls Winterferien gegeben hat – sehr zur Freude von Hoteliers und Pensionsbesitzern. Braunlage braucht nun mal den Wintertourismus.

    »Suppe bei Puppe«

    Die drei Bad Harzburger haben zum Schluss noch einen besonderen Tipp für mich. Sie hatten eine 4-Stunden-Karte gelöst und sind zur Mittagszeit im Begriff, nach Harzburg zurückzukehren. Vorher wollen sie noch im Feinkostgeschäft Puppe in Braunlage eine der legendären Suppen genießen. »Die müssen Sie unbedingt probieren«, rufen sie mir zu. Von anderen erfahre ich, dass es bei Puppe weithin bekannte Wurstspezialitäten vom Hirsch und vom Wildschwein geben soll.

    »Weitere Liftgespräche«

    1. Klar, ein Skigebiet wie der Wurmberg ist nun mal extrem abhängig von der Schneelage. Und die über 100 Beschneiungsanlagen – gespeist von einem extra auf der Wurmberg-Kuppe angelegten sogenannten Schnei-See – können erst ab minus 4 Grad ihren Dienst aufnehmen. Die gesamte Anlage, in die 2013 rund 12 Millionen Euro investiert wurde, ist im Winter daher stark von den Wetterverhältnissen abhängig. Ab 34 Betriebstagen mit hinreichender Schneelage erreicht der Betrieb die schwarzen Zahlen, weiß ein Liftnachbar zu berichten.
    2. Was im Vergleich zu vielen Skigebieten in den Alpen angenehm auffällt, ist der weitgehende Verzicht auf lautstarke Musikberieselung an den Hütten.
    3. Der Betreiber sorgt immer wieder für neue Attraktionen. So ist in diesem Winter zum ersten Mal das Skifahren bei Flutlicht möglich.
    4. Und was ist aus der Idee einer Ski-Schaukel ins benachbarte Schierke geworden? »Das Projekt ist noch nicht vom Tisch«, erzählt ein anderer Liftbegleiter. Dies bestätigt auch Dirk Nüsse. Der Betreiber der Wurmberg-Seilbahn würde es sehr begrüßen, wenn es eine echte Ski-Schaukel geben würde und nicht nur eine einzelne Abfahrt.

    Der Wurmberg ist mir in diesem Winter ans Herz gewachsen. Die Erinnerungsspeicher sind prall gefüllt. Und ich freue mich bereits darauf, ihn von seiner grünen Frühlingsseite zu entdecken.

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    [su_box title=“Kurzportrait »Skifahren am Wurmberg«“ style=“noise“ box_color=“#2d9bdf“]

    • Pisten: 15 mit insgesamt 13 Kilometern
    • Längste Abfahrt: 4,3 Kilometer
    • Rodelbahn: 1 (Länge: 1.600 m)
    • Seilbahnbetrieb: 8.45 bis 16.10 Uhr
    • Tageskarte: 32 Euro (Erwachsene), 16 Euro (Kinder)
    • Besonderheiten: Nacht-Skilauf
    • Internet: www.wurmberg-seilbahn.de

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  • Begegnung in Zorge

    Begegnung in Zorge

    Zorge im Südharz liegt windgeschützt tief in einem engen Tal. Vor einer Tafel mit den vielen Wanderwegen des Ortes komme ich beiläufig mit Annelise Capon ins Gespräch. Die Belgierin ist zum ersten Mal im Harz und begeistert von dem, was sie bisher gesehen hat.

    Von dem zuweilen rauhen Klima des Harzes lässt sich Annelise Capon nicht abhalten. Im Gegenteil: »Auch zwischen 6 und 17 Grad kann man doch ganz gut wandern«, sagt die 48-Jährige, »selbst wenn meine Freunde, die es in die Wärme zieht, das überhaupt nicht verstehen können.«

    »Nichts Vergleichbares in Belgien«

    Capon arbeitet als Expertin für Arbeitssicherheit in Gent. Was reizt jemanden aus einer Traumstadt wie Gent daran, in den Harz zu kommen? »In Gent gibt es nur Häuser, im Harz dagegen Stille, Natur und überall viel Wasser – Bäche, Flüsse, Seen und Talsperren. Das gefällt mir.« Es gebe nichts Vergleichbares in Belgien, nicht mal die Ardennen könnten da heranreichen. Capon’s Einschätzung würde vielleicht erklären, warum es immer mehr Belgier und vor allem Holländer in den Harz zieht.

    Annelise Capon aus Gent ist zum ersten Mal im Harz. In Belgien gebe es kein vergleichbares Mittelgebirge. Sie will unbedingt wiederkommen. Rechts: Am Ortsausgang nach Braunlage sorgt eine Magnolie als Königin der Gehölze für Blütenzauber.

    Annelise Capon, die wegen der Stille in der Natur gern allein unterwegs ist, ist für sechs Tage in den Harz gekommen. Was hat sie schon alles gesehen? Die Teufelsmauer (»wunderbar«), den Oderteich (»sehr schön«). Den Trubel auf dem Torfhaus dagegen brauche sie nicht. »Ich bin nur des Wanderns wegen hier.« Und schon nach zwei Tagen ist sie überzeugt: »Ich komme wieder. Auf jeden Fall!« Sie überlegt sogar, im Harz ein Haus zu kaufen. »Hier ist es im Sommer und im Winter schön.«

    Eine aus Fachwerkhäusern komponierte Kulisse gegenüber der Kirche.

    »Zum Wandern in Zorge: Ein Informatiker tankt auf«

    Pascal Treiber ist mit seinem Sohn Theo bei herrlicher Herbstsonne zum Wandern nach Zorge gekommen. Begeistert berichtet er von der »schön gelegenen Stempelstelle ›Bremer Klippe‹«. Treiber ist in Hamburg als Wirtschaftsinformatiker bei Gruner + Jahr tätig. Jüngere Kollegen von ihm würden regelmäßig zum Wandern oder Biken in den Harz fahren. »Dabei kann man nach einem hektischen Alltag so richtig auftanken«, sagt er.

    Pascal Treiber und sein Sohn Theo auf dem Weg von den »Bremer Klippen« zum »Pferdchen-Pavillion«. Rechts: Blick vom Glockenturm nach Süden.

    Ob Gruner + Jahr den Trend für Freunde des Naturerlebnisses unterstützt? »Aber ja«, schmunzelt Pascal Treiber, »bei uns erscheint regelmäßig die Outdoor-Zeitschrift ›Walden‹«.

    Am Glockenturm hoch über Zorge treffe ich eine junge Kirchenmusikerin aus Goslar, die mir sofort widerspricht, als ich den Versuch mache, dem Misch- und Laubwald des Südharzes den Vorzug vor dem zuweilen dunklen Tannenwald des Nordharzes zu geben. Beides habe seinen Reiz.

    Das Wahrzeichen hoch über Zorge: Der Glockenturm wird überall im 4,5 Kilometer langen Ort gehört. An seinem Glockenschlag orientierten sich früher die Bergleute. Rechts: Blick vom Glockenturm nach Süden.

    »Wanderweg auf dem ehemaligen Todesstreifen«

    Zorge, an dem gleichnamigen Flüsschen gelegen, ist ein langgestrecktes Straßendorf mit knapp 1000 Einwohnern. Auf einem der mindestens acht Wanderwege – die meisten bieten wundervolle Ausblicke – läuft man streckenweise entlang des »Todesstreifens«, der ehemaligen inner-deutschen Grenze, heute ein regelrechtes Biotop, das »Grüne Band«. Zorge ist der südöstlichste Zipfel Niedersachsens und liegt im Drei-Länder-Dreieck, erläutert ein freundlicher Herr in der Touristinformation. Thüringen sei greifbar nahe und Sachsen-Anhalt nur vier Kilometer entfernt.

    Die Straße von Zorge nach Hohegeiß ist – da wenig Autoverkehr – bei Rennrad-Fahrern beliebt, aber durchaus anstrengend, da auf der sieben Kilometer langen Strecke etwa 300 Höhenmeter zu überwinden sind. Mountainbiker benutzen dagegen lieber die vielen abwechslungsreichen Waldwege.

    »Glen Els: Hochgelobter Whisky aus Zorge«

    Wofür ist Zorge neben seiner idealen Lage für Wanderer, Rennrad-Fahrer und Mountainbiker heute noch bekannt? Seit 2005 kommt aus Zorge der Glen Els, der Harzer Single Malt Whisky. Er wird neben Gewürzlikör und Obstbrand in der »Hammerschmiede« am Elsbach destilliert. Die Basis: Harzer Wasser bester Qualität aus der großen Staufenbergquelle im Elsbachtal.

    Das Wachstum der Manufactur und Brennerei, die zehn Mitarbeiter beschäftigt, spricht eine deutliche Sprache. 2017 wurden rund 25.000 Flaschen Glen Els und 50.000 insgesamt abgesetzt. Die Besucher der Hammerschmiede, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, sind im Besonderen beeindruckt vom umfangreichen Lager mit seinen 700 Fässern.

    Die Malt’s aus Zorge erhielten den Ritterschlag von keinem geringeren als Jim Murray, der sie in seiner Whisky-Bible als absolute Spitzenprodukte pries, auch im Vergleich mit schottischen Malt’s.

    »Zorge einst wichtigster Industriestandort des Herzogtums Braunschweig«

    Fast in Vergessenheit geraten ist die erfolgreiche industrielle Vergangenheit von Zorge: Durch den Bergbau und die Eisenhütte entwickelte sich der Ort 1570 zum wichtigsten Industriestandort des ehemaligen Herzogtums Braunschweig. Beide Wirtschaftsbereiche prägten Zorge bis Ende des 19. Jahrhunderts. Wer weiß schon noch, dass die Staatsbahn Braunschweig 1842 in Zorge die ersten beiden in Deutschland von staatlicher Seite in Auftrag gegebenen Dampf-Lokomotiven produzieren ließ. Insgesamt wurden hier sechs hergestellt, später dann kleinere Werkslokomotiven. Die Dampfloks wurden mit Pferden via Torfhaus über den Oberharz geschleppt.

    Text, Fotos und Gestaltung: Michael Hotop, Jochen Hotop

    Wanderung in Bildern:
    Zorge – Pferdchen – Helenruh – Bremer Klippe – Zorge